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Donnerstag, 25. August 2016 31° 1

Kirche

Pfarrer hat Zorneding schon verlassen

Ndjimbi-Tshiende kritisiert Fremdenhass, Morddrohungen sind die Folge. Das Netz fordert: „Unser Pfarrer soll bleiben!“
Von Mario Geisenhanslüke, MZ

Der aus dem Kongo stammende Pfarrer von Zorneding, Olivier Ndjimbi-Tshiende, tritt nach Morddrohungen gegen ihn zurück. Foto: dpa

Zorneding.Der nach Morddrohungen zurückgetretene dunkelhäutige Pfarrer von Zorneding hat die Kirchengemeinde bereits verlassen. Olivier Ndjimbi-Tshiende habe um seine sofortige Beurlaubung gebeten, teilte ein Sprecher des Erzbischöflichen Ordinariats am Dienstag in München mit: „Er ist weg.“

„Es war eine persönliche Entscheidung“, sagte der Bistumssprecher über den Schritt des 66-Jährigen. Kardinal Reinhard Marx habe dies akzeptiert. Nach mehreren rassistisch motivierten anonymen Morddrohungen hatte der aus dem Kongo stammende Geistliche am Sonntag der Pfarrgemeinde mitgeteilt, dass er den Dienst in Zorneding bei München quittieren werde. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Volksverhetzung, Bedrohung und Beleidigung gegen unbekannt.

Online-Petition mit vielen Unterstützern

„Ich möchte, dass unser Pfarrer bleibt – und dass die Bevölkerung aufbegehrt gegen diese Art von Machtergreifung!“ Mit diesem drastischen Appell endet derweil eine aktuelle Petition auf der Internetseite change.org, die den Pfarrer von Zorneding zum Bleiben bewegen möchte. Die Kirchenleitung rechnet nicht damit, dass die Online-Petition den katholischen Priester umstimmen kann.

Der aus dem Kongo stammende Priester hatte sich im vergangenen Herbst klar gegen Fremdenhass positioniert. Als nämlich die Ex-CSU-Ortsvorsitzende Sylvia Boher im Partei-Mitteilungsblatt schrieb, Bayern werde von Flüchtlingen überrannt, und gar von einer Invasion sprach, verurteilte Ndjimbi-Tshiende die Äußerungen. Dies hinderte Bohers Stellvertreter Johann Haindl nicht daran, den Pfarrer als „Neger“ zu beschimpfen, der aufpassen müsse, „dass ihm der Brem (früherer Pfarrer von Zorneding) nicht mit dem nackerten Arsch ins Gesicht springt“. Boher und Haindl mussten den Vorsitz der Zornedinger CSU daraufhin abgeben. Ihr Gemeinderatsmandat behielt Boher freilich, Haindl legte seines hingegen nieder.

Rassistischen Hetzkampagne

Doch damit begann gegen den 66-jährigen Pfarrer erst eine rassistischen Hetzkampagne: Seit Herbst 2015 erhielt er mehrere Morddrohungen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Volksverhetzung, Bedrohung und Beleidigung gegen Unbekannt. Am Wochenende wurde dann bekannt, dass Olivier Ndjimbi-Tshiende sein Amt Ende März niederlegen wird.

„Unser Pfarrer soll in Zorneding bleiben!“

Titel der Online-Petition

Dies möchte die Initiatorin der Online-Petition, Julia Peters-Klopp, nicht so einfach hinnehmen. Ihren Aufruf „Unser Pfarrer soll in Zorneding bleiben!“ unterstützen im Internet schon rund 45 000 Unterzeichner (Stand Dienstagmittag). Zu ihren Beweggründen schreibt sie unter anderem: „Wenn wir den Weggang des Pfarrers nun stillschweigend akzeptieren, überlassen wir kriminellen Nationalsozialisten das Feld. Wir signalisieren, dass es in Deutschland wieder so weit ist, dass eine Gruppe, die Angst verbreitet, nicht mit Gegenwehr zu rechnen hat. Damit wäre die Bühne frei für ein viertes Reich!“

Seehofer spricht Klartext

Während sich im Internet also Widerstand formiert hat auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) die Morddrohungen gegen den dunkelhäutigen katholischen Pfarrer von Zorneding verurteilt. „Das ist völlig inakzeptabel“, sagte Seehofer in München. „Ich verurteile das total.“ Polizei und Justiz müssten alles daran setzen, die Vorgänge aufzuarbeiten. „Null Toleranz ist in Bayern der Maßstab“, ergänzte Seehofer. Das bayerische Kabinett hat die Morddrohungen gegen den Pfarrer von Zorneding am Dienstag ebenfalls scharf verurteilt. Morddrohungen und rassistische Briefe seien „etwas Abscheuliches und Fürchterliches“, sagte Staatskanzleichef Marcel Huber (CSU) in München. „Wir sind zutiefst betroffen, wie viel Hass und Menschenverachtung sogar bei uns hier in Altbayern möglich sind.“

Lesen Sie hier einen Kommentar zum Thema:

Kommentar

Zorneding ist überall

Die Geschichte um den Rücktritt des Zornedinger Pfarrers Olivier Ndjimbi-Tshiende geht alle Bayern an: Dass Menschen einem Pfarrer Gewalt androhen, weil...

Thema in den sozialen Netzen

Nicht nur auf der Plattform für Online-Petitionen „change.org“ ist das Rücktritt des Pfarrers Thema. Auch in den sozialen Netzwerken werden die Vorgänge diskutiert. Unter anderem auf Twitter äußern sich Menschen unter dem Hashtag „#Zorneding“ zum Thema:

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