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Bayern
Freitag, 15. Dezember 2017 6

Musik

Pure Kreativität vom Chiemsee

Der Keller Steff war Flaschenabfüller und Erotikschlosser – und ist einer der bekanntesten bayerischen Singer/Songwriter.
von Alois C. Braun

Der Keller Steff ist ein musikalisches Multi-Talent – und hat moderne bayerische Klassiker geschrieben. Foto: Christa Rabl-Dachs

Regensburg.„Bulldog fahren“ und „Kaibe ziagn“, das sind inzwischen Klassiker der jüngeren bayerischen Musikgeschichte. Geschrieben hat sie der Keller Steff. Ein echtes bayerisches Original, ein Singer/Songwriter, der auf der Bühne förmlich explodiert. Aber nicht nur dort lebt er seine Kreativität mit Hingabe aus.

„Motown und Soul, diese Musik hat mir schon immer gefallen“, erzählt der Keller Steff, wenn er über die Musik seiner Kindheit und Jugend befragt wird. Er ist ein Künstler durch und durch. Nicht nur auf der Bühne, auch im Gespräch merkt man, dass er hinter allem steht, das er sagt und tut. Die ersten Musikerfahrungen machte er am väterlichen Hof, wo sein Onkel ein kleines Zuhaus bewohnte. „Der hat Bob Dylan gehört und Gitarre gespielt. Meine erste CD war aber von Status Quo.“ Auch an die 60er-Jahre-Musik seines Vaters erinnert sich der 38-Jährige. „Er hatte ein Tonbandgerät und manchmal hab ich einfach seine Bandln mit auf mein Zimmer genommen“, lacht er. „Das hat ihm nicht gefallen, aber ich mochte diese Musik.“ Irgendwann begann er dann eigene Lieder zu schreiben. „Das ist einfach passiert“, sagt der Musiker.

Keller Steff beim Open Air in Pösing im Jahr 2016. Foto: Tschannerl/Archiv

Geboren und aufgewachsen ist der Keller Steff in Prien am Chiemsee, „mit’m Radl nur zwei Minuten vom See entfernt“.

„Das Notenlesen habe ich schwer kapiert und war nach dem Unterricht immer so frustriert, dass ich die Flöten in den Bach warf“

Keller Steff, Musiker

Dort habe er die Endzüge der Landwirtschaft am Familienhof noch mitbekommen. „Als Kind lernte ich die übliche Blockflöte“, erzählt er und lacht. „Ein Klischee, aber es ist wirklich wahr. Allerdings verbrauchte ich ungefähr zehn Stück! Das Notenlesen habe ich schwer kapiert und war nach dem Unterricht immer so frustriert, dass ich die Flöten in den Bach warf.“ Mit acht oder neun Jahren begann er dann Gitarre zu spielen, bekam auch eine Mundharmonika vom Opa. Beide Instrumente spielt er heute noch mit absoluter Hingabe. Textlich beschäftige er sich schon früh mit Fredl Fesl. „Ich hatte eine Musikkassette von ihm und konnte alle Texte darauf auswendig.“ Er sagt: „Referate und Gedichte konnte ich mir nicht merken, aber Fredls Texte blieben hängen.“

Handgemachtes Käfer-Cabrio

Der ein Jahr ältere Bruder sei das genaue Gegenteil von ihm. „Alles, was an Wahnsinn und Irrsinn sein kann, blieb an mir hängen“, lacht der Oberbayer überzeugt. „Mein Bruder hat von der Schule bis zur Beamtenkarriere alles geradlinig durchgezogen. Man glaubt wirklich nicht, dass wir aus einer Familie kommen.“ Als ein „Auf und Nieder“ beschreibt er sein eigenes Leben. „Aber das gehört auch dazu“, sagt er und schmunzelt. In seiner Biografie finden sich Berufe wie Flaschenabfüller, Fensterbauer, Maurer, Seilbahnmonteur und viele mehr. Vieles hat er angefangen und dann ohne Abschluss abgebrochen. „Aber Industrietechniker habe ich zu Ende gelernt. Mein Vater sagte damals, wenn ich diese Lehre zu Ende mache, könne ich beruflich anschließend machen, was ich wolle.“

„Während die Kollegen in anderen Firmen an Autos schweissten, arbeitete ich an erotischen Skulpturen, Erotikspielzeug und auch Keuschheitsgürteln“

Keller Steff, ehemaliger Erotikschlosser

Über eine Ausschreibung beim Arbeitsamt kam er an den Job des Erotikschlossers. „Das Unternehmen suchte einen Gehilfen im Metallbau. „Was die herstellen wurde mir erst vor Ort bewusst“, blickt er zurück. „Während die Kollegen in anderen Firmen an Autos schweissten, arbeitete ich an erotischen Skulpturen, Erotikspielzeug und auch Keuschheitsgürteln.“

Wobei, an Autos werkelte der Keller Steff auch schon immer gerne herum. „Ich musste schon immer genau wissen, wie etwas funktioniert. Also hab ich zum Beispiel einen VW-Käfer komplett auseinandergenommen und dann wieder zusammengebaut.“ Nicht gut kam allerdings an, als es „mich derpackt hat und ich aus einem, auf meinen Vater zugelassenen, VW-Käfer kurzerhand ein Cabrio flexte“.

Zwei Berufe könnte er sich als Alternative zur Musik vorstellen. Schmied und Bildhauer. In Letzterem hat er auch eine Ausbildung, denn „wenn du was z’reißen willst, dann musst du’s auch lernen“. Beides macht er aus Zeitmangel aktuell nur als Hobby. Aber gerade das Schnitzen ist seine große Leidenschaft. „Rund um mein Haus ist viel Holz gelagert, das will ich irgendwann noch alles verschnitzen“, erzählt er. Aber andererseits weiß er auch, dass das ein Zeitproblem werden könnte. Zumal er ja mit kreativen Talenten und Interessen geradezu gesegnet ist. „Manchmal, wenn ich zuhause das Chaos aus Schmiede, Drechselbank, Fischereizeug und meinem Bulldog sehe, dann denk ich schon, es wird zuviel“, sagt er.

Mit drei Männern auf Tour

Den Familenhof hat er inzwischen geerbt. „Die letzten zehn Jahre habe ich dort renoviert und das Anwesen erhalten. Das war mir sehr wichtig, weil ich es dem Opa versprochen hatte“, erzählt er und fügt hinzu: „Allerdings ging das sehr zum Leidwesen meiner Bandscheiben, die spüre ich inzwischen viel öfter, als mir lieb ist.“ Als Musiker ist der Mann vom Chiemsee sehr flexibel. Neben seinen Soloauftritten hat der Keller Steff inzwischen auch riesigen Erfolg mit dem Projekt „3 Männer nur mit Gitarre“.

Mit den Kollegen Michael Dietmeyr und Roland Hefter begeistert er durch erdig packende und witzige Auftritte ein immer größeres Publikum. Am Herz liegt ihm aber auch seine eigene Band. Sie hat er nun mit Bläsern erweitert, nennt sie konsequenterweise Big Band. Im Februar 2018 kommt die erste CD „5 vor 12e“ auf den Markt und es geht auf große Tournee. „Das ist genau das, was ich immer machen wollte. Da bin ich jetzt zurück im Soul und Motown, der Musik, die ich schon früher so gern gehört habe.“

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