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Glaube

Regensburg: Kreuz musste weichen

In der Klasse am Albertus-Magnus-Gymnasium darf auch nicht mehr gebetet werden. Eltern wollen sich das nicht bieten lassen.
Von Helmut Wanner, MZ

So wie hier in München musste auch an einer Schule in Regensburg das Kreuz im Klassenzimmer abgehängt werden. Ein Vater hatte sich beschwert.

Regensburg. Vor den Herbstferien kam die 13-jährige Evelyn (Name geändert) nach Hause und sagte: „Papa, heute haben sie in unserem Klassenzimmer das Kreuz weggetan, weil sich jemand dran gestört hat.“ Damit hat in Regensburg erstmals der Kruzifix-Beschlusses des Bundesverfassungsgerichtes konkrete Folgen.

Vier bis fünf Fälle von Kreuzabnahmen registriert das Bayerische Innenministerium pro Jahr, bei einer Zahl von 33.000 Klassenzimmern liegt dies im unteren Promillebereich. In der Diözese Regensburg wurden nach MZ-Informationen seit Wirksamkeit des Urteils eine Handvoll Fälle registriert, nicht alle kamen an die Öffentlichkeit.

Schule ist Kaderschmiede der Diözese

Dass es nun das Albertus-Magnus-Gymnasium getroffen hat, die Kaderschmiede des Priesternachwuchses der Diözese, verleiht der Sache besondere Brisanz. Der Passauer Bischof Wilhelm Schraml machte hier Abitur. Die Schule steuert gerade dem Höhepunkt des Albertus Magnus Jubiläumsjahres zu, an der die Schüler in vielfältiger Weise beteiligt sind. In Bayern 2 wurde am Sonntag um 8 Uhr in „Kirche und Welt“ sogar ein Hörbild gesendet, freute sich Schulleiter Dr. Wilhelm Pfaffel. Die Eltern der Klasse 7 b wurden von Vorgang offiziell am Ende eines Elternabends informiert.

Der Betreiber der Kreuzabnahme, ein promovierter und habilitierter Physiker an der Universität, saß im Kreis der Eltern und gab sich nicht zu erkennen. „Die Klassleiterin hat es mir geraten“, bekannte der Atheist gegenüber der MZ. Dabei erwähnte er, dass die Sache mit dem Kreuz eigentlich nur ein „Abfallprodukt“ gewesen sei. Er habe sich darüber empört, dass ohne sein Wissen in der Klasse seines Sohnes zwei Jahre lang zu Unterrichtsbeginn gebetet worden sei. Das habe er sich im Gespräch mit der Schulleitung verbeten. „Und wenn man schon dabei ist, nimmt man das Kreuz natürlich auch gleich mit.“

Eltern sollen ihre Meinung äußern

Das schlichte Kreuz ist weg. Seitdem ist dort, wo es einmal war, ein weißer Fleck und es gibt jeden Tag um 8Uhr einen neutralen „Gutenmorgen-Kreis“. Die Eltern der anderen Kinder nahmen die Nachricht zunächst stillschweigend zur Kenntnis. Doch im Anschluss wandten sich sechs Elternpaare an die Klassenelternsprecherin. Sie sagten: „Das Kreuz einfach abhängen, über die Köpfe der anderen 32 Eltern und Kindern hinweg, das finden wir nicht okay. Wir sind zwar nicht jeden Sonntag in der Kirche. Aber wenn wir in einem anderen Land sind, müssen wir uns auch an die Gebräuche halten.“ Die Familie der Kreuzgegner ist 2006 aus dem englischsprachigen Ausland eingereist. Vier Eltern formulierten daraufhin einen Brief an den Kreuzgegner. Alle anderen Eltern wurden gebeten, ihre Meinung zur Kreuzabnahme zu äußern. Diese Statements werden als Anhänge beigefügt.

Bistum bedauert Keuzabnahme

„Mit großem Bedauern“ nimmt das Schulreferat des Bistums die Abnahme des Kreuzes aus einem Klassenzimmer des Albertus-Magnus-Gymnasiums (AMG) zur Kenntnis. In einer Zeit zunehmender Orientierungslosigkeit in der Gesellschaft sei das Kreuz Sinnbild für die Würde, die jedem Menschen zukommt. „Die große Mehrheit der Menschen unserer Region weiß das und schätzt den Glauben, der dies grundlegt“, so Prälat Johann Neumüller, Leiter des Referats Schule im Bischöflichen Ordinariat.

Bischof Albert der Große habe im Mittelalter Großes geleistet. Dass das Kruzifix in einer Schule abgenommen werde, die den Namen dieses Forschers trägt, sei besonders bedauerlich. „Auch die Tatsache, dass die Abnahme im Umfeld der Feiern 750 Jahre Albert der Große Bischof von Regensburg gefordert wurde, zeigt, dass es an innerer Verbindung mit der Region sowie an Respekt gegenüber ihrem kulturellen und religiösen Selbstverständnis fehlt.“

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