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Bayern
Montag, 20. November 2017 11

Grüne

Roth zeigt Fremdenhass die Rote Karte

Die langjährige Parteivorsitzende der Grünen kritisiert die aktuelle Asylpolitik und fordert Europa zum Handeln auf.
Von Beate Weigert, MZ

Abensberg.Rote Karte für Fremdenhass, Fremdschämen für CSU-Granden und Offenheit gegenüber Flüchtlingen. So lässt sich die 37-minütige Herzblut-Rede von Grünen-Rednerin Claudia Roth im Weinzelt zusammenfassen. Obwohl nur ein Flüchtling aus dem syrischen Aleppo persönlich anwesend war, war es ihr ein Bedürfnis, alle Flüchtlinge willkommen zu heißen: „Welcome, refugees!“ Die Schwäbin polarisierte – vielleicht auch ob des Schwerpunktthemas Asyl – weniger, als erwartet. Den Großteil ihrer Zuhörer begeisterte die langjährige Parteivorsitzende.

Viele hatten sich ein Bekenntnis zu einem offenen Deutschland und einen Appell für mehr Humanität erwartet und beides bekamen sie auch vom „linken Gewissen“ der Partei. Roth bekräftigte, dass Rassismus, Fremdenhass und Gewalt „in diesem Land nichts zu suchen“ haben, forderte aber auch mehr Stellen bei Polizei oder in den Landratsämtern, um die Aufgaben zu bewältigen.

Deutschland brauche endlich eine Einwanderungspolitik und müsse Vorbild in einem Europa sein, wo Länder wie Großbritannien, Polen oder die Slowakei versuchten, sich wegzuducken. „Wenn wir nicht endlich an einem Strang ziehen, wird es eng“, sagte Roth. In unglaublichem Tempo redete sie an gegen das „fürchterliche Gift“, das im Netz, aber auch von manchem Politiker verbreitet werde. Bayerns CSU-Granden Seehofer und „Dr. a.D.“ Andreas Scheuer kritisierte sie für deren Lob an Ungarns Anti-Flüchtlingspolitik. Am äußersten rechten Rand zu fischen, diene nicht der demokratischen Auseinandersetzung. „So eine CSU hat Bayern nicht verdient“, wetterte sie. Das U im Parteinamen stehe für unmenschlich und unterirdisch. Zusammenhalten sei das Gebot der Stunde. Roth unterfütterte ihre Rede auch mit Zahlen. Dass alle Welt nur darauf warte nach Deutschland zu kommen, sei falsch, ebenso wie die Aussage, dass Deutschland die meisten Flüchtlinge aufnehme. „Weder kommen alle zu uns, noch wollen alle zu uns.“

CSU-Redner Markus Söder diente lediglich als Überleitung zum 100. Geburtstag von Franz Josef Strauß. Dass die Partei diesen feierte, liege wohl am tristen Blick aufs eigene Personal. Nur der Blick zurück verspreche Trost, feixte Roth, die weiß, dass am Gillamoos Schlagabtausch gefragt ist. Insgesamt blieben markige Sprüche aber in der Unterzahl. Es gibt Wichtigeres in diesen Tagen. Am Ende rief sie Söder und den anderen Rednern zu: „Lassen Sie uns ein Beispiel nehmen, an der Großherzigkeit der Menschen in diesem Land. Die Menschenwürde ist unantastbar.“

Von einem Störer mit „braunem Gedankengut“ im Kopf ließ sich Roth nicht beeindrucken. Die Mehrheit applaudierte ihr am Ende ausgiebig dafür, dass sie positive Grundstimmung für Flüchtlinge verbreitete. „Das ist wichtig und vor allem auf dem Land ein Defizit, und das hat sie gut gemacht“, urteilte die 24-jährige Veronika Weiß aus Herrngiersdorf. Ein älterer Zuhörer fand „die Rede gut, aber wie die Lösungen aussehen sollen, das hat sie nicht gesagt“.

Der Politische Frühschoppen auf dem Gillamoos stand heuer ganz im Zeichen der Flüchtlingskrise. Einen zusammenfassenden Überblick über den Redewettbewerb lesen Sie hier.

Alles rund um den Gillamoos finden Sie in unserem MZ-Spezial.

Politischer Gillamoos 2015: Die besten Zitate

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