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Bayern
Mittwoch, 24. Januar 2018 4

Tourismus

Seilbahn der Superlative geht in Betrieb

Bis zu 580 Gäste pro Stunde können auf dem Weg zur Zugspitze den Panoramablick genießen. Die Bahn knackt drei Rekorde.
Von Paul Winterer, dpa

Passanten verfolgen in Garmisch-Partenkirchen die Fahrt der neuen Seilbahn zur Zugspitze. Foto: Warmuth/dpa

Garmisch-Partenkirchen.Beinahe majestätisch schwebt die bodentief verglaste Kabine in die Höhe. Als sie die 127 Meter hohe Stütze passiert, gibt es einen leichten Ruck – es kribbelt in der Magengrube. Kurz vor dem Einlaufen in die Bergstation verrät ein leises Knistern von Eis auf den Seilen, dass es draußen bitterkalt ist. Bei minus sieben Grad, Sonnenschein und einem atemberaubenden Panoramablick ging am Donnerstag die neue Seilbahn der Superlative auf die 2962 Meter hohe Zugspitze offiziell in Betrieb – nach drei Jahren Planung und drei weiteren Jahren Bauzeit.

Die Festgäste, darunter bayerische Polit-Prominenz wie die stellvertretende Ministerpräsidentin Ilse Aigner, Innenminister Joachim Herrmann und Umweltministerin Ulrike Scharf (alle CSU), klatschen herzlich Beifall, als die Kabine am Gipfel von Deutschlands höchstem Berg stoppt. Aigner spricht von einer architektonischen und ingenieurmäßigen Glanzleistung. Skilegende Rosi Mittermaier hält den Moment mit der Handykamera fest. „Es ist ein Jahrhundertbauwerk, und der liebe Gott ist dabei“, sagt sie mit Blick auf das Traumwetter.

Vorbild für die BER-Planer

Ski-Ass Christian Neureuther, der mit seiner Frau Rosi Mittermaier zur Eröffnung gekommen ist, rät den Machern des unvollendeten Berliner Pannen-Flughafens BER, sich mit den Seilbahn-Planern auf dem Gipfel umzuschauen: „Dort waren mehr technische Herausforderungen als am Flughafen zu meistern.“ Zu den Bedenken einer möglichen Übererschließung der Zugspitze meint Christian Neureuther, der auch dem Aufsichtsrat der Zugspitzbahn-AG angehört: „Der Berg ist bereits erschlossen, er muss perfektioniert werden. Andere Berge soll man dafür in Ruhe lassen.“

Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx schaut auf das erst vor einer Woche nach der Restaurierung wieder aufgestellte Gipfelkreuz und sagt zu den Superlativen, mit denen die neue Seilbahn aufwartet: „Man kann auch Schöpfung und Technik zusammenbringen.“ Es sei ein „erhebendes und zutiefst demütig machendes Gefühl“, auf dem Gipfel der Zugspitze zu stehen. In der Talstation in Grainau hatte der Kardinal zusammen mit der evangelischen Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler der Seilbahn den kirchlichen Segen erteilt.

Bei der Eröffnungsfeier auf der Zugspitze ist neben der Begeisterung über die termingerechte Fertigstellung der gut 50 Millionen Euro teuren Bergbahn auch vom Klimawandel und den Folgen für die Natur die Rede. Das Eis im Fels, der Permafrost, ist von der Erderwärmung betroffen. Doch Chefgeologe Heiner Bertle verspricht, dass die Seilbahn die nächsten 100 Jahre „standsicher sein wird“.

45 Euro für die Berg- und Talfahrt

Daniel Hermann steuert in der Kabine der Seilbahn die Jungfernfahrt. „Es ist schon etwas Besonderes“, sagt der 42-Jährige, auch wenn er schon zahlreiche der rund 50 Testfahrten zuvor mitgemacht hat.

Die Seilbahn wartet mit drei Weltrekorden auf: Mit 3213 Metern Abstand von der einzigen Stütze bis zur Bergstation ist die zu überwindende Entfernung so groß wie bei keiner anderen Seilbahn. Einzigartig ist auch der Höhenunterschied von 1945 Metern zwischen Tal- und Bergstation. Und mit 127 Metern hat keine andere Pendelbahn der Welt eine höhere Stahlbaustütze.

Die neue Seilbahn löst auf fast derselben Trasse die 1963 eröffnete Eibsee-Seilbahn mit zwei Stützen ab. Während die im Frühjahr stillgelegte alte Bahn maximal 240 Gäste pro Stunde befördern konnte, bringt die neue bis zu 580 Menschen pro Stunde in Richtung Gipfel. Die Berg- und Talfahrt kostet 45 Euro. An die 550 000 Menschen besuchen schon jetzt jedes Jahr die Zugspitze. Künftig sollen es bis zu 600 000 Gäste sein.

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