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Bayern
Donnerstag, 29. Juni 2017 27° 4

Prozess

Sekten-Eltern scheitern vor Gericht

Bis auf zwei Säuglinge bleiben alle sieben Kinder der Sekte „Zwölf Stämme“ bei Ansbach in den Pflegefamilien. Das hat das OLG Nürnberg entschieden.

Die Glaubensgemeinschaft der „Zwölf Stämme“ lebt unter anderem in Klosterzimmern bei Deiningen. Nach Misshandlungsvorwürfen hatten die Familiengerichte in Ansbach und im bayerisch-schwäbischen Nördlingen den Eltern Anfang September das Sorgerecht für die rund 40 in der Sekte lebenden Kinder entzogen. Archivbild: dpa

Nürnberg.Die Eltern aus der umstrittenen Sekte „Zwölf Stämme“ in Mittelfranken erhalten das Sorgerecht für die meisten ihrer Kinder nicht zurück. Nach Misshandlungsvorwürfen hatten die Familiengerichte in Ansbach und im bayerisch-schwäbischen Nördlingen den Eltern Anfang September das Sorgerecht für die rund 40 in der Sekte lebenden Kinder entzogen. Dagegen hatten diese Beschwerde vor dem Oberlandesgericht Nürnberg eingelegt. Wie das Gericht am Montag mitteilte, wiesen die Richter nun die Beschwerde für sieben von neun Kindern zurück. Nur die zwei jüngsten Kinder kommen zurück in die Obhut ihrer Eltern.

Sieben Kinder bleiben bei Pflegeeltern

Laut Oberlandesgericht ist der zuständige Familiensenat nach der Anhörung der Kinder, ihrer Eltern sowie von Vertretern des Jugendamtes überzeugt, dass „für die sieben älteren Kinder die gegenwärtige Gefahr einer körperlichen Züchtigung“ weiterbesteht. Das Kindeswohl könne bis zu einer endgültigen Klärung im Hauptsacheverfahren nur durch den vorläufigen Entzug wesentlicher Teile des Sorgerechts hinreichend geschützt werden, hieß es. Dazu zähle vor allem das Aufenthaltsbestimmungsrecht. Die sieben größeren Kinder bleiben deshalb bei den Pflegeeltern.

Bei den beiden jüngsten, sechs und sieben Monaten alten Kindern gebe es nach der Anhörung „keine zureichenden Anhaltspunkte dafür“, dass auch den Säuglingen bereits körperliche Bestrafungen drohen. Nur eine gegenwärtige Gefahr für das Kindeswohl rechtfertige aber Maßnahmen im Rahmen des vorläufigen Rechtsschutzes, teilten das Gericht weiter mit. Deswegen habe das Oberlandesgericht für die jüngsten Kinder die Entscheidungen des Amtsgerichtes Ansbach vom 23. September dieses Jahres aufgehoben. Die beiden Säuglinge kommen nach ungefähr drei Monaten bei Pflegefamilien zurück in die Obhut ihrer Eltern.

Die Sekte „Zwölf Stämme“ wurde in den 1970er Jahren von einer kleinen Gruppe in den USA gegründet. Sie ist nach den Zwölf Stämmen Israels benannt, die nach der hebräischen Bibel „Tanach“ das von JHWH (Eigenname Gottes im „Tanach“) erwählte Volk Israel bilden. Weltweit gibt es schätzungsweise 2000 Mitglieder. (epd)

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