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Bayern
Mittwoch, 13. Dezember 2017 3

Menschenrechte

Sie ist die grünste röteste Schwarze

Zana Ramadani kämpfte für Frauen mit blankem Busen. Heute stellt sie Missstände als Autorin bloß – und als Mitglied CDU.
Von Marianne Sperb, MZ

Zana Ramadani im Atelier am Wiedfang: Die ehemalige Aktivistin von Femen Deutschland ist eine überzeugte CDU-Frau.Foto: altrofoto.de

Regensburg.Eine schöne junge Frau in Jeans und gestreifter Bluse steht am Donnerstagabend am Rednerpult im Atelier am Wiedfang. Die Zuhörerinnen sind natürlich nicht gekommen, um ihre Brüste zu sehen – aber natürlich schon, weil Zana Ramadani über Jahre hinweg sehr medienwirksam den blanken Busen gezeigt hat. Denn so wurde sie überhaupt bekannt.

Mit ihrem Körper als politischer Waffe zog die Mitbegründerin von Femen Deutschland in den „naked war“: gegen Diskriminierung und Intoleranz, für Menschenwürde und Frauenrechte. Gegen Zwangsprostitution rebellierte sie 2012 in St. Pauli mit dem Spruch „Arbeit macht frei“ auf ihrer Haut. Die Finalshow von Germany’s Next Topmodel 2013 in Mannheim stürmte sie mit dem Slogan „Sadistic Show“ auf dem Oberkörper.

Eine „Heldin“ im Männermagazin

Zana Ramadani ist ein Medienstar. Ein Interview mit ihr auf welt.de bekam im Januar eine Million Klicks. Und aktuell, in der November-Ausgabe, verneigt sich die Redaktion des Männermagazins GQ mit einer Sechs-Seiten-Strecke vor „unserer Heldin“.

Im Atelier am Wiedfang steht die zierliche Person als Protagonistin in der Reihe „Revolutionäre Frauen“ am Rednerpult. Regina Hellwig-Schmid, Regensburger Künstlerin, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes und Vizepräsidentin der „Frauen Europas“, hat ihre Kontakte genutzt und die Aktivistin nach Regensburg geholt. Die Reihe präsentiert Vorreiterinnen. 2017 kommt vielleicht auch Ur-Emanze Alice Schwarzer.

Regina Hellwig-Schmid (links) hatte Zana Ramadani für den KunstKnoten e.V. ins Atelier am Wiedfang geholt. Foto: altrofoto.de

Zana Ramadani befremden Labels wie Revolutionärin oder Rebellin. „Was ich tue, mache ich, weil ich nicht anders kann. Auch wenn ich weiß, dass ich mir richtig viel Ärger einhandle – ich kann es nicht lassen.“ Die 32-Jährige strahlt bei diesen Worten über das ganze Gesicht. Wie immer an diesem Abend, wirkt sie sehr bei sich, wenn sie über Widerstand und Selbstbestimmtheit spricht.

Hüterin des Jungfernhäutchens

Zana Ramadani wurde in Mazedonien geboren. Sie immigrierte mit ihrer muslimischen Familie nach Deutschland, in ein „schwarzes Dorf“ im Siegerland. In dieser konservativen Gemeinschaft lernte sie die Freiheit kennen – außerhalb der Familie. Daheim wurde sie von der Mutter gegängelt, mit Schuhen beworfen und übel geprügelt. Die Mutter radikalisierte sich in der Fremde zunehmend und suchte in ihrer Religion Halt. Höchstes Gut: das Jungfernhäutchen der Tochter. „Die Familienehre“, sagt Ramadani, „befindet sich in dieser Kultur zwischen den Beinen der Frauen.“

Zana sollte gehorsam sein, Jungs meiden. Sie brach aus. Mit 18 – Ramadani arbeitete damals schon in einer Kanzlei – floh sie in ein Frauenhaus und baute sich eine eigene Existenz auf, ohne Geld, ohne Community, ohne Plan. „Es war mühsam, aber es war richtig.“ Ramadani erkämpfte sich ein Leben in der Oberschicht, mit Haus, Hund und Mercedes. Als sie endlich die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt, trat sie sofort der CDU bei und saß bald auch im Gemeinderat. „Ich wollte etwas zurückgeben“, sagt sie in Regensburg. „Alles, was ich an Negativem im Leben erfahren habe, kam aus der islamischen Gesellschaft. Alles Positive aus der christlichen Gemeinde.“

Die Frauenrechtlerin eckte mit ihren Femen-Aktionen in der Partei an. „Die alten Herren schauen sich gern blanke Brüste an – aber nicht im parteipolitischen Umfeld.“ Wie sie gelernt habe, sei das aber keine Spezialität der CDU. „Das ist in allen Parteien so.“ Das Konfliktfeld ist inzwischen befriedet. Die Aktivistin verließ Femen Deutschland 2014, nach einer umstrittenen Aktion in Dresden. Eine überzeugte CDU-Frau ist sie geblieben.

Kommentar

Mütter zuerst

Wertevermittlung beginnt im Kinderzimmer. Die Mütter sind es, die Kinder zu Respekt und Toleranz erziehen. Das gilt erst recht in der islamischen Kultur....

Eine feministische Tabubrecherin mit muslimischen Wurzeln, daheim im wertkonservativen Flügel der CDU. Eine Veganerin, die sich bei den Grünen fehl am Platz fühlen würde. Eine Verfechterin des bedingungslosen Grundeinkommens, die weit entfernt von der Linken steht: Die 32-Jährige passt in kein Raster. Und sie trifft auf Widerstand. Sie nervt in der Partei. Sie wird als Islamkritikerin angefeindet. In ihrem Account landen Beschreibungen, auf welche Arten sie am besten zu Tode zu bringen sei. Männer – auch erfolgreiche Manager und bekannte Politiker – schicken ihr sexistische Mails inklusive Nacktfotos.

Die 32-Jährige, die in Berlin lebt, macht Lobby-Arbeit in Magazinen wie „Cicero“, in der Springer-Presse und im TV („Der Jungfrauenwahn“). Und sie sitzt an ihrem ersten Buch, das im März erscheint. Ihre klaren Ansagen erzeugen heftige Reaktionen. Ramadani formuliert schnörkellos und druckreif, bleibt entspannt und gut gelaunt und sagt dabei erstaunliche Dinge. „Ich bin die grünste röteste Schwarze, die es gibt.“ Was sie an die CDU bindet? „Vor allem das C. Werte wie Barmherzigkeit.“

Ein Bekenntnis ohne Taten

Die Frauenrechtlerin ist kein Fan der Kanzlerin. Angela Merkels Satz „Wir schaffen das“ stimmte sie anfangs zu. „Aber dann folgten diesem Bekenntnis keine Taten.“ Ramadani nennt das Handeln in der Flüchtlingsfrage unstrukturiert und planlos. Sie fordert konsequente Regeln. Muslime müssten sich distanzieren von menschenverachtenden Koran-Passagen. Frauen, denen in der Integration eine Schlüsselrolle zukomme, müssten zu Bürgerkursen verpflichtet werden. „Sonst nimmt sich jeder von Deutschland nur das Beste. Und irgendwann ist vom Besten nichts mehr da.“

Deutschland ist für Ramadani eine Synonym für Multikulti, für eine bunte Gesellschaft auf dem Boden humanistischer Werte. „Ich bin stolz, Deutsche zu sein. Ich habe dafür gekämpft.“ Aber das Land sei gerade dabei, seine Werte mit Handkuss wegzugeben. „Ich habe Angst, dass mir meine Heimat abhandenkommt‘“, sagt Ramadani. „Und wo soll ich dann hin?“

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