mz_logo

Bayern
Samstag, 16. Dezember 2017 5

Verkehr

So tickt der Bahnverkehr im Freistaat

Bayerns Schienennetz ist das größte Deutschlands. Koordiniert wird es von einer Zentrale aus. Ein Blick hinter die Kulissen
Von Aleksandra Bakmaz, dpa

In diesem Ufo laufen alle Fäden zusammen: Die Betriebszentrale der Deutschen Bahn in München Foto: dpa

München.Das Herz des Schienenverkehrs in Bayern schlägt in München. Von der Betriebszentrale Süd der DB Netz AG aus werden täglich rund 11 000 Züge gesteuert. Das komplette Verkehrsnetz im Freistaat wird seit 2001 aus dem Rundbau an der Donnersbergerbrücke heraus dirigiert. Knapp 400 Verkehrsunternehmen rollen auf den 6000 Kilometern Gleisen – dem größten Schienennetz Deutschlands.

Von innen erinnert die Betriebszentrale – eine von sieben bundesweit – an ein Ufo. Der runde und graue Großraumkomplex hat in der Mitte von drei Etagen eine sogenannte Centerebene. „Alle Fäden kommen hier zusammen“, sagt Thoralf Thurnwald, der mit Kollegen die Abläufe verantwortet. Netzkoordinator, Notfall- und Infoleitstelle – alle wichtigen Akteure des Verkehrsnetzes sitzen hier ganz nah beieinander. Im Störungsfall heißt das: schnelle Kommunikation.

Schichtleiter Roman Bittrich erklärt in der Transportleitung der S-Bahn München am Ostbahnhof in München die Bedeutung der verschiedenen stilisierten Netzübersichten der Münchner S-Bahn. Foto: Matthias Balk/dpa

In der unteren Ebene sitzen die Fahrdienstleiter, die Lotsen des Schienenverkehrs. Mit Hilfe von Computern steuern sie Strecken, die zum Teil 200 Kilometer von ihnen entfernt sind – rund um Nürnberg, Würzburg bis hin nach Lindau etwa. „Bevor zentralisiert wurde, waren dafür Fahrdienstleiter vor Ort zuständig. Das ist vereinzelt noch so“, sagt Thurnwald. Die Lotsen kümmern sich um Lichtsignale und entscheiden, wo es langgeht für Züge und ob sie warten müssen. „Sie können die Züge auch per Notruf in Gefahrensituationen stoppen“, erklärt Thurnwald. Beispielsweise wenn Unwetter herrscht.

Herausforderung Oktoberfest

Auf der oberen Etage ist unter anderem das Ansagezentrum. Die Mitarbeiter informieren direkt vom Schreibtisch aus an rund 1000 Bahnhöfen per Headsets über Verspätungen und Anschlussverbindungen. In der Zentrale sind in Spitzenzeiten etwa 100 Mitarbeiter beschäftigt. Gearbeitet wird im Schichtdienst rund um die Uhr.

Eines der Verkehrsunternehmen, dessen Züge hier navigiert und koordiniert werden, ist die S-Bahn München. Seit 1972 verbindet sie die bayerische Landeshauptstadt mit dem Umland. Werktags nutzen 840 000 Fahrgäste die S-Bahn, das sind mehr als zwei Drittel der Passagiere des kompletten bayerischen Schienenverkehrs. Während des anstehenden Oktoberfests kommen täglich noch gut 100000 Fahrgäste dazu. Mehr als 1100 Mitarbeiter halten dieses System am Laufen.

Lesen Sie hier einen Erfahrungsbericht über die Testfahrt von MZ-Redakteurin Marianne Sperb im ICE von München nach Berlin bei Tempo 300. Ab 10. Dezember sparen Fahrgäste auf dieser Strecke viel Zeit: Die Bahn bringt Reisende künftig in 3:55 Stunden von der Isar an die Spree.

Was tun im Störfall?

  • Für einige Störungen

    gibt es Konzepte, für andere aber nicht. „Kein Störfall ist wie der andere“, sagt Schichtleiter Roman Bittrich (hier im dpa-Bild). „Da sind die Disponenten mit ihrem Einfallsreichtum gefragt.“

  • Das Spektrum

    der Probleme reiche vom medizinischen Notfall über Personen im Gleis bis hin zum technischen Defekt. Dann heißt es: Ersatzverkehr organisieren und so schnell wie möglich informieren. Bei der S-Bahn gehe es um Sekunden. Eine Fahrt dauert oft nur wenige Minuten, da sei jede Verzögerung spürbar.

Auch die Münchner S-Bahn hat so etwas wie eine Betriebszentrale: die Transportleitung. Der Vizechef dort heißt seit 2001 Marco Storch und war mal Lokführer. Auch heute heißt seine Herausforderung noch: „Wie kriegen wir die Menschen, die am Bahnsteig stehen, weiter“, sagt er. Seine Mitarbeiter werden Disponenten genannt. Auch sie sitzen vor Dutzenden Bildschirmen. „Dabei passen schonmal 430 Kilometer Netz auf drei Bildschirme“, sagt Storch. Farbige Linien illustrieren die Strecken, kleine Nummern stehen für die jeweiligen Züge.

Das Münchner Nadelöhr

„Je dicker die Linie wird, desto größer ist die Verspätung auf der Strecke“, erklärt Schichtleiter Roman Bittrich. Mit zwei Disponenten kümmert er sich auch darum, dass die Linien nicht zu dick werden: Im Störungsfall müssen er und seine Mitarbeiter Pläne schmieden, wie sie ihre Passagiere doch noch von A nach B kriegen.

Manchmal kann man aber nicht gewinnen. Denn das Besondere bei der S-Bahn München: Alle Züge müssen im Zentrum über die Stammstrecke, ein Nadelöhr. Geht etwas schief und die Strecke wird gesperrt, hat das Einfluss auf den gesamten Betrieb. Eine zweite Stammstrecke soll das ändern. Doch bis die gebaut ist, werden noch ein paar Jahre vergehen. So lange pocht das Herz ohne zusätzliche Schlagader weiter.

Weitere Nachrichten aus Bayern finden Sie hier.

Erhalten Sie täglich die aktuellsten Nachrichten bequem via WhatsApp auf Ihr Smartphone. Alle Infos dazu finden Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht