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Lebensmittel

Splitter im Brei: Herkunft bleibt unklar

Eine Oberpfälzerin findet in einem Glas Babynahrung ein Plastikstück. Der Hersteller schließt einen Produktionsfehler aus.
Von Mario Geisenhanslüke, MZ

Dieses Foto des Plastiksplitters schickte die Findern an unsere Zeitung und das Unternehmen. Foto: privat

Regensburg.Die Frage, woher der Plastiksplitter im Babybrei kommt, ist wohl nicht zu beantworten. Nachdem eine Regensburgerin vor rund zwei Wochen einen solchen in einem Glas „Frucht & Quark – Apfel-Banane“ der Firma Bebivita gefunden hatte, hat das Unternehmen nun seine Untersuchungen abgeschlossen. In einem Schreiben an die Finderin aus der Oberpfalz heißt es am Ende: „Auf Basis unserer umfassenden Nachforschungen können wir daher einen Eintrag des reklamierten Fremdkörpers während des gesamten Produktionsprozesses ausschließen.“

Damit bleibt unklar, wie der Splitter in den Brei gelangt ist. Denn die Oberpfälzerin, die namentlich nicht genannt werden möchte, sagt, auch sie könne weiterhin ausschließen, dass das Stück Plastik nach dem Öffnen des Gläschens hineingelangt sei. „Ich habe mir noch einmal lange Gedanken gemacht“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung – und natürlich könne sie es nicht mit 100-prozentiger Sicherheit sagen. Allerdings: „Zu 99 Prozent bin ich mir sicher.“

Finderin lobt Bebivita

So oder so ist die besorgte Finderin aber mit dem Verhalten des Unternehmens zufrieden. „Ich habe wirklich das Gefühl, dass Bebivita das Ganze gründlich geprüft hat.“ Die 27-Jährige hatte den Splitter beim Verzehr des Babybreis vor rund zwei Wochen nach eigenen Angaben fast verschluckt und daraufhin sowohl das Unternehmen als auch die Mittelbayerische Zeitung verständigt (Lesen Sie dazu unser erstes Stück zum Thema: Woher kommt der Splitter im Babybrei?). Sie wurde vor allem von der Sorge umgetrieben, das ein solcher Splitter bei Kleinkindern schwere Verletzungen verursachen könnte. Denn laut Bebivita-Website ist der Babybrei für Kinder ab dem 10. Monat gedacht.

„Auf Basis unserer umfassenden Nachforschungen können wir daher einen Eintrag des reklamierten Fremdkörpers während des gesamten Produktionsprozesses ausschließen.“

Mitteilung von Bebivita

Bebivita hatte das Glas samt Splitter abholen lassen und hat nun seine internen Untersuchungen abgeschlossen. In dem Schreiben der Firma, das der MZ vorliegt, heißt es unter anderem, das Gläschen sowie der Deckel seien unbeschädigt gewesen. Auch seien im Restinhalt keine zusätzlichen Fremdteile gefunden worden. Alle Herstellungsstufen seien genaustens geprüft worden und es gebe keinen Hinweis darauf, wo dieses Teilchen in das Produkt gelangt sein könnte.

„Verzehr ist unbedenklich“

Das Rätsel um diesen Splitter wird wohl nicht gelöst werden können. Foto: Ronja Bischof

Außerdem schreibt die Firma: „Zudem zeigen Form und Farbe des Fundstücks keine Übereinstimmung mit den in unserem Fertigungsbereich vorkommenden Materialien.“ Es seien keine Auffälligkeiten und Qualitätsabweichungen in der betreffenden Charge festgestellt worden und es gebe auch keine weiteren derartigen Rückmeldungen. Teils mit den gleichen Formulierungen antwortet Bebivita auf Nachfrage unserer Zeitung gestern mit einer Stellungnahme, die mit den Worten endet: „Die Herstellung der Bebivita-Produkte erfolgt nach dem derzeit höchsten Stand der Sicherheitstechnik. (...) Der Verzehr ist absolut unbedenklich.“

Die Finderin aus der Oberpfalz stimmt die detaillierte Analyse zuversichtlich, dass so nun alles in Ordnung ist – auch wenn nicht nachvollzogen werden könne, woher der Plastiksplitter nun kam. Sie sagt: „Ich hoffe einfach, dass nichts mehr passiert.“ Außerdem sei es beim Thema Babynahrung für Eltern ja ohnehin nie schlecht, ein bisschen aufmerksamer zu sein.

Tipps für Verbraucher

Gelernt hatte sie aus der ganzen Geschichte schon vor zwei Wochen, dass die Nachricht an das Unternehmen der absolut richtige Weg war – während indes das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucher (BLV), an welches sie sich auch gewandt hatte, nicht die richtige Adresse ist. Denn das BLV, was viele nicht wissen, ist für solche Meldungen gar nicht zuständig. „Wir selbst können da gar nichts machen“, sagt Pressesprecher Florian Kuhlmey. In Deutschland sei Lebensmittelsicherheit Aufgabe der Bundesländer. Verbrauchern, die sich mit solchen Entdeckungen an das BLV wenden, werden gebeten, sich an die zuständige Stelle in ihrem Landkreis zu wenden. Für die Stadt Regensburg ist das Umweltamt zuständig. Außerdem sagt Kuhlmey: „Häufig ist es jedoch zielführender, das betroffene Produkt direkt zu der Verkaufsstelle zurückzubringen, wo der Kunde es erworben hat. Dort kann das Produkt reklamiert und andere möglicherweise betroffene Produkte aus dem Verkehr, sprich aus dem Regal, genommen werden.“

Weitere Infos dazu finden Sie in unserer Infobox:

An wen wende ich mich?

  • Wohin?

    Laut eines Flyers des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BLV), den Sie hier herunterladen können , können Lebensmittel zunächst im Geschäft reklamiert werden, wenn der Verbraucher den Eindruck hat, dass etwas nicht in Ordnung ist. Das BLV schreibt: „Der Betrieb wird meistens die Missstände abstellen, das Produkt ersetzen oder den Preis erstatten.“

  • Härtefall

    Das BLV schreibt weiter: „Wird Ihre Beschwerde nicht ernst genommen, die Vorkommnisse häufen sich oder treten gesundheitliche Beschwerden auf, sollten Sie die zuständige Lebensmittel- und Veterinärüberwachungsbehörde bei Ihrer Stadt- oder Kreisverwaltung informieren. Diese nimmt auch Hinweise auf Missstände im Betrieb wie unhygienische Verhältnisse entgegen.“

  • Regensburg

    Für den Landkreis Regensburg wird diese Aufgabe vom Veterinäramt im Landratsamt übernommen: Sedanstraße 1 in 93055 Regensburg, Telefon: 0941 4009 520, E-Mail: veterinaeramt@landratsamt-regensburg.de . Für die Stadt Regensburg ist das Umweltamts zuständig: Frauenbergl 4, Telefon: 0941 51604

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