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Startbahngegner als CSU-Empfangskomitee

Die Fraktion will sich in der Startbahnfrage festlegen. Bei der Anreise nach Kreuth bekommen die Politiker einen Denkzettel.
Von Christine Schröpf, MZ

Startbahngegner: Hartmut Binner und Eva Bönig. Foto: Schröpf

Kreuth.Es hat acht Grad Minus. Die Kälte kriecht den Gegnern einer dritten Startbahn am Münchner Flughafen in die Knochen. 50 haben sich am Dienstag trotzdem mit Transparenten an der Hauptstraße in Kreuth postiert, um den 101 CSU-Landtagsabgeordneten bei ihrer Anreise zur Winterklausur einen Denkzettel zu geben. Hartmut Binner, 77 Jahre, vom Aktionsbündnis AufgeMUCkt dirigiert den Protest, dick eingemummelt in Rollkragenpulli, zwei Jacken und einer Warnweste, auf einen Stock gestützt. „Bayern braucht keine dritte Startbahn“, sagt er mit Verweis auf 379 459 Flugbewegungen im Jahr 2015 – ein Plus von 0,87 Prozent. „Da tönt der Kerkloh, dass das die Trendwende ist“, attackiert er den Münchner Flughafenchef. Dabei liege die Kapazitätsgrenze laut Flughafengesellschaft bei 480 000.

Die Protestaktion ist als Denkzettel gedacht. Die CSU-Fraktion, in deren Reihen sich viele Startbahnbefürworter finden, will in den nächsten Wochen die offizielle Linie zu dem umstrittenen Projekt festzurren. Fraktionschef Thomas Kreuzer hatte in dieser Frage im Dezember CSU-Chef und Ministerpräsident Horst Seehofer ausgebremst, der dem Projekt skeptisch gegenübersteht.

Rückhalt für Seehofer

Die Stadt München als Anteilseigner an der Flughafen-Gesellschaft hat allerdings ein Vetorecht. Oberbürgermeister Dieter Reiter sieht aktuell keinen Bedarf für das Projekt. Trotz Baurecht für die dritte Startbahn gibt es also keine Chance auf einen raschen Baubeginn. Der Protest sei trotzdem wichtig, sagt Manfred Drobny, Referent für Flughafenangelegenheiten bei den Grünen in Freising. Die Bürger bräuchten endlich Sicherheit. „Sie wissen nicht: Sollen sie jetzt wegziehen, oder nicht?“

Auch die grüne Freisinger Bürgermeisterin Eva Bönig zählt zur Protestgruppe. „Die Mahnwache soll zeigen: Unser Widerstand ist ungebrochen.“ Paradoxe Welt: Sie ist auch da, um Seehofer den Rücken zu stärken. „Der Ministerpräsident – so ist meine Einschätzung – hat sich von unseren guten Argumenten überzeugen lassen.“ Seehofer hatte im Oktober die von einem Startbahnbau am stärksten betroffene Gemeinde Attaching besucht und mit Bürgern gesprochen.

Die Demonstrationsgruppe um Hartmut Binner hatte schon am Montag zwei Stunden lang bei Minustemperaturen an der Kreuther Hauptstraße ausgeharrt – flankierend zur Anreise des CSU-Vorstands, der sich im Vorfeld zu ersten Beratungen traf. Ohne große Resonanz, wie Binner sagt. Kein CSU-Politiker habe angehalten und sei ausgestiegen. „Freundliches Winken war angesagt.“ Auch am Dienstag rollt der Bus mit dem Landtagsabgeordneten ohne Stopp vorbei. „Wir sind sehr enttäuscht“, sagt Binner. Er und seine Mitstreiter hatten auf ein Gespräch gehofft.

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