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Bayern
Samstag, 18. November 2017 5

Bildung

Studie prognostiziert Schüler-Boom

1,1 Millionen mehr Schüler als angenommen – damit rechnet eine Stiftung. Das Kultusministerium relativiert die Aussage.
Von Wolfgang Ziegler, MZ

Die Bertelsmann Stiftung hat die Entwicklung der Schülerzahlen erforscht. Foto: dpa

Gütersloh.Auf Deutschlands Schulen kommt laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung in Gütersloh eine offenbar nicht erwartete Schüler-Lawine zu. Demnach ist im Jahr 2025 an allgemeinbildenden Schulen mit etwa 8,3 Millionen Kindern und Jugendlichen zu rechnen – rund 1,1 Million mehr als bisher angenommen, wie es in der Untersuchung heißt. Damit seien bisherige Prognosen der Kultusminister überholt.

Laut Studienautor Dirk Zorn einem der Autoren der Studie beruhe die offizielle Schülerprognose der Kultusministerkonferenz noch auf Zahlen aus dem Jahr 2012. „Seitdem sind aber zwei Dinge passiert: Fünfmal in Folge ist die Zahl der Geburten gestiegen, und wir hatten deutlich höhere Zuwanderungszahlen als erwartet“, sagte er. Auf die Länder kämen laut Bertelsmann-Stiftung damit „erhebliche Investitionen“ zu.

Deutlicher Anstieg auch in der Oberpfalz

Zahlen aus der Oberpfalz untermauern die Studie. So stiegen die Schülerzahlen nach Angaben der Regierung der Oberpfalz schon im Schuljahr 2016/2017 erstmals seit 15 Jahren wieder an – um 503 gegenüber dem Vorjahr. Auch bei den Erstklässlern war ein leichter Anstieg um 36 Abc-Schützen zu verzeichnen. Die größten Zuwachsraten registrierten Stadt (+213) und Landkreis Regensburg (+109) sowie die Stadt Amberg (+ 132). Und die Geburtenzahlen deuten darauf hin, dass sich dieser Trend verfestigen könnte: Von 8205 Neugeborenen im Jahr 2011 stiegen diese Zahlen kontinuierlich auf 9512 im Jahr 2015 an. Allerdings soll es einer Bevölkerungsprognose zufolge danach keine weiteren Steigerungen geben.

Mit dem prognostizierten Schüler-Boom habe kaum jemand gerechnet. Jetzt bestehe enormer Handlungsdruck. Viele Bundesländer müssten komplett umdenken, erklärte der Vorstand der Bertelsmann Stiftung, Jörg Dräger gegenüber der Katholischen Nachrichtenagentur. Der Studie mit dem Titel „Demographischer Wandel ade – Aktuelle Bevölkerungsentwicklung und Folgen für die allgemeinbildenden Schulen“ zufolge würden den Anstieg zunächst die Grundschulen spüren. Dort fehlten im Jahr 2025 im Vergleich zu heute 24 110 Lehrer – sofern die Klassen nicht größer werden sollten. An den weiterführenden Schulen würden die Zahlen zwar zunächst noch einige Jahre sinken. Doch zeitversetzt erreichten die starken Jahrgänge auch die Gymnasien und Realschulen: Neun Prozent mehr Schüler als heute würden 2030 die Sekundarstufe I besuchen. Dort würden dann zusätzlich etwa 27 000 Lehrer benötigt.

„2025 werden – bei gleichbleibender Schulgröße – fast 2400 Grundschulen mehr nötig sein als heute.“

Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung

Folgen hat die Entwicklung auch für die räumliche Situation, die die Studie ebenfalls unter die Lupe nimmt: „2025 werden – bei gleichbleibender Schulgröße – fast 2400 Grundschulen mehr nötig sein als heute. Mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung kommen auf die weiterführenden Schulen ähnliche Engpässe zu.“ Die Investitionen für den Schüler-Boom insgesamt kalkuliert die Studie für 2030 mit 4,7 Milliarden Euro an höheren jährlichen Bildungsausgaben im Vergleich zu heute.

Den Kultusministerien empfiehlt die Bertelsmann Stiftung aufgrund der neuen Entwicklung in zusätzliche Lehrer und Schulen zu investieren. Und Dräger rät der Kultusministerkonferenz, die Prognose der Schülerzahlen zu aktualisieren. Diese stamme von 2013, „als weder steigende Geburtenraten noch Rekord-Zuwanderung abzusehen waren“.

Mehr Schüler, mehr Personal

Das Bayerische Kultusministerium relativierte unserem Medienhaus gegenüber die Aussagen der Bertelsmann-Publikation. Die beschriebenen Trends seien nämlich „nicht gänzlich neu“. Bayern stelle sich aufgrund eigener, jährlich aktualisierter Prognosen bereits seit 2014 aktiv auf die veränderte Situation ein. Insbesondere auf die steigenden Schülerzahlen in den Grundschulen sei mit mehr Personal reagiert worden, hieß es. Und auch der massiven Zuzug von jungen Zuwanderern seit Herbst 2015 sei vom Freistaat bildungspolitisch aufgefangen worden. Um für diese jungen Menschen den Unterricht zu sichern, seien im Nachtragshaushalt 2016 insgesamt 160 Millionen Euro eingestellt worden, mit denen das Kultusministerium rund 1700 zusätzliche Stellen und Beschäftigungsmöglichkeiten für Lehrer geschaffen habe.

Dennoch sei die Situation angesichts des unerwarteten Zuzugs schulpflichtiger Flüchtlinge nach wie vor eine Herausforderung, die sowohl auf die Gewinnung einer ausreichenden Anzahl von Lehrkräften wie auch auf Fragen der Kompetenzen erstrecke. Bayern stelle sich diesen Anforderungen unter anderem durch Fortbildungsangebote.

Anders als die Bertelsmann-Stiftung rechnet das Bayerische Kultusministerium bis zum Jahr 2025 nicht mit einem Schüler-Plus von bundesweit 1,1 Millionen. Wie es gestern hieß, gehe man für den Freistaat – von heute 1,69 Millionen Schülern – mit einem Zuwachs von etwa 70 000 aus. „Aber 2025 ist noch weit. Viele der Kinder, von denen in diesem Zusammenhang gesprochen wird, sind noch nicht einmal geboren“, sagte Pressesprecher Dr. Ludwig Unger.

Die wichtigsten Fragen zum Thema beantworten wir hier.

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