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Bayern
Mittwoch, 17. Januar 2018 9

Sensationsfund

Uni Regensburg entdeckt uralte Urkunde

Über Umwege gelangt eine im Ersten Weltkrieg gestohlene Urkunde zur Universität Regensburg. Dort wird das Pergament eher zufällig im Archiv entdeckt.
Von Lousia Knobloch, MZ

In einem Tresor kam an der Regensburger Universität eine Urkunde aus dem 13. Jahrhundert zum Vorschein. Das Dokument gilt als Beutekunst. Foto: dpa

Regensburg.Winter 1914/15: Während des Ersten Weltkriegs plündern deutsche Soldaten das belgische Kloster Mesen. Eine mehr als 700 Jahre alte Urkunde aus dem dortigen Klosterarchiv ist nun an der Universität Regensburg wieder aufgetaucht. „Das ist ein wirklich außergewöhnlicher Fund“, sagt Dr. Andreas Becker, der Leiter des Universitätsarchivs, der die Urkunde entdeckt hatte. Das Pergament aus dem 13. Jahrhundert befand sich in einem verschlossenen Tresor, der von der früheren Philosophisch-Theologischen Hochschule Regensburg in den Besitz der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Regensburg übergegangen war. Jahrelang stand der Tresor unbeachtet in einem Keller, bis er 2011 schließlich zusammen mit anderen, nicht mehr für den laufenden Betrieb benötigten Akten an das Universitätsarchiv übergeben wurde.

Ein Schlosser öffnete Ende 2012 den mit einem Vorhängeschloss gesicherten Tresor. Im Inneren fand Archivar Becker Jahrbücher des Königlich-Bayerischen Lyzeums und der Philosophisch-Theologischen Hochschule. An der Decke des Tresors gab es jedoch noch ein weiteres, ebenfalls verschlossenes Fach. „Der Schlosser hat zwei Stunden gebraucht, um es aufzubekommen“, erzählt Becker. Hier entdeckte der Archivar die Urkunde.

Foto eines Militärarztes als Spur

„Die Urkunde war gefaltet, aber in einem guten Zustand“, sagt Becker. Da das Fach abgeschlossen war, habe vermutlich kein weiterer Sauerstoff eindringen können, der das Dokument hätte angreifen können. „Generell erhält sich Pergament aber besser als Papier.“ Nur das angehängte Siegel aus Wachs war leicht beschädigt. „Die Umschrift fehlt – das kann aber auch schon früher abgebrochen sein.“ Zusammen mit der Urkunde wurde auch eine Glasplatte mit einem Foto gefunden. Der abgebildete Mann war ein Militärarzt, der ab 1926 in Regensburg lebte. Es wäre daher denkbar, dass der Arzt die Urkunde von einem Soldaten bekam, den er behandelt hatte.

„Das ist aber alles spekulativ“, betonte Becker. Konkret wisse man nur, dass die Urkunde 1914/15 aus dem Kloster entwendet wurde und 2012 wieder aufgetaucht sei. Wie sie nach Regensburg kam und ob sie sich tatsächlich einmal im Besitz des Militärarztes befunden hat, ist unklar. Allerdings war damals in der Gegend der Grenzstadt Mesen die 6. Armee stationiert, in der vor allem bayerische Einheiten dienten. Dies könnte erklären, wie die Urkunde nach Bayern kam.

Urkunde wird zurückgegeben

In dem Pergament geht es um einen Rechtsstreit zwischen der Äbtissin des Klosters Mesen und der belgischen Stadt Ypern um die Nutzung eines neu gebauten Kanals. „Festgehalten wird, dass sich Stadt und Kloster darauf einigen, in ein Schiedsverfahren mit dem Grafen von Brabant einzutreten“, sagt Becker. Dass die Urkunde aus dem Kloster Mesen stammt, war aus einem Stempel auf der Rückseite des etwa 20 Zentimeter hohen und 30 Zentimeter breiten Pergaments ersichtlich. Dieser stammt vermutlich aus dem Jahr 1876, als die Urkunde registriert wurde.

Ende September wird nun eine Delegation der Universität Regensburg nach Belgien reisen und die Urkunde an das Stadtarchiv Ypern, den Rechtsnachfolger des Klosterarchivs Mesen, übergeben. Vorher soll die Urkunde – mittlerweile ausgeklappt, geglättet und auf säurefreiem Karton befestigt – am 16. Juli noch der Regensburger Öffentlichkeit präsentiert werden.

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