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Justiz

Urmann: Jetzt ermittelt auch Regensburg

Die Regensburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Juristen wegen betrügerischen Verhaltens. Auch um Urmanns Mandanten tauchen neue Vorwürfe auf.
von Pascal Durain, MZ

Rechtsanwalt Thomas Urmann steht derzeit im Mittelpunkt diverser Ermittlungen. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Die Meldungen über den Regensburger Juristen, der tausende Internetnutzer für das Betrachten von Pornostreams abmahnte, reißen nicht ab. Nach dem bereits die Staatsanwaltschaft Hamburg ein Verfahren wegen Betrugs gegen ihn prüft, wird seit Ende 2013 auch die Staatsanwaltschaft Regensburg in ähnlicher Sache tätig. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Dr. Wolfhard Meindl auf Nachfrage. Gegen Urmann seien mehrere Anzeigen eingegangen. Nun ermittle man wegen betrügerischen Verhaltens und ob die Kanzlei U +C ohne Rechtsgrund Abmahnpost verschickt habe. Urmann selbst wusste auf Nachfrage nichts davon.

Unterdessen tauchten auch neue Vorwürfe gegen Urmanns Mandanten „The Archive AG“ auf. Die Schweizer Firma beansprucht für sich, die Rechte an den abgemahnten Pornovideos zu haben. Der Regensburger Jurist handelt nach eigener Aussage in ihrem Auftrag. „The Archive AG“ soll nach Recherchen von Zeit-Online inzwischen untergetaucht sein. Urmann wies diese Behauptung gegenüber der MZ zurück. Erst gestern habe er Kontakt mit seinen Mandanten gehabt. Offensichtlich werde „jeden zweiten Tag seitens einiger Medien versucht, eine neue vermeintliche Sensation oder einen neuen Skandal auszumachen“, erklärte Urmann. Die Situation sei eigentlich völlig unverändert, The Archive sei nur in einen 14 Kilometer entfernten schweizerischen Ort umgezogen. „Es besteht also keinerlei Änderung irgendeiner Rechts- oder Finanzlage.“

Seit Ende des vergangenen Jahres sorgt Urmann für Schlagzeilen: Von der Abmahnungswelle sind in Deutschland mehrere zehntausend Internetnutzer betroffen. Sie waren belangt worden, weil sie angeblich urheberrechtlich geschützte Sexfilme auf der Seite Redtube.com abgerufen hatten. Sie wurden aufgefordert, 250 Euro zu bezahlen und schriftlich zu versichern, das Vergehen nicht noch einmal zu begehen. Die Abmahnungen sind in mehreren Punkten umstritten. Zum einen bezweifeln Experten, dass das Abrufen von Videostreams überhaupt gegen das Urheberrecht verstößt. Außerdem sei die Webseite nicht eindeutig als illegal zu erkennen. Zum anderen geht es um die Frage, ob das Landgericht Köln bei der Herausgabe der Anschlussdaten hinters Licht geführt wurde. Die Anträge hätten nicht deutlich gemacht, dass es um Internet-Streaming und nicht um illegale Tauschbörsen gehe, sagen Anwälte, die abgemahnte Anwender vertreten. Die Kanzlei hat dieser Einschätzung widersprochen. Urmann selbst hat stets jeden Vorwurf von sich gewiesen. (pd/dpa)

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