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Bildung

Vielfalt im Klassenzimmer als Chance

Immer mehr Schüler haben einen Migrationshintergrund oder ADHS. An der Uni Regensburg bekamen Lehrer Tipps für den Unterricht in heterogenen Klassen.
Von Louisa Knobloch, MZ

  • Schüler mit Migrationshintergrund, ADHS oder Autismus: Viele Lehrer unterrichten heute in heterogenen Klassen. Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa
  • Dr. Ulrike Lichtinger ist Mitglied im RUL-Vorstand und betreut das Schulnetzwerk „dialogUS“. Foto: Knobloch

Regensburg.Schüler aus einem halben Dutzend verschiedener Herkunftsländer in einer Klasse, Kinder mit ADHS, Asperger-Autismus oder Down-Syndrom – die zunehmende Heterogenität an den Schulen stellt Lehrer häufig vor Herausforderungen. Möglichkeiten, mit dieser Heterogenität umzugehen, wurden am Mittwoch beim zweiten Thementag des Regensburger Universitätszentrums für Lehrerbildung (RUL) unter dem Motto „Vielfalt annehmen – Unterricht flexibilisieren“ aufgezeigt. Rund 300 Lehrkräfte, Referendare, Studierende und Wissenschaftler besuchten die Vorträge und Workshops.

„Das Thema war der Wunsch unserer Partnerschulen“, sagt Dr. Ulrike Lichtinger vom RUL-Vorstand. „Bei manchen Kollegen sind die Probleme so groß, dass sie kaum noch zum eigentlichen Kerngeschäft, dem Unterricht, kommen.“ Wichtig sei es daher, sich bereits in der Lehrerbildung intensiv mit dem Thema Inklusion zu beschäftigen und die Schulen zu unterstützen. „Es braucht Zeit und personelle Ressourcen, um auf die Kinder einzugehen und Beziehungen aufzubauen“, so Lichtinger.

„Vielfalt ist eine ungeheure Chance“, betonte Uni-Präsident Prof. Dr. Udo Hebel in seinem Grußwort. Es gebe aber auch eine Vielfalt, die nicht bereichernd sei, sagte dagegen Dr. Thomas Müller von der Universität Würzburg. In seinem Vortrag beschäftigte sich der ehemalige Leiter der Regensburger St. Vincent-Schule mit der Inklusion verhaltensauffälliger Schüler. An allgemeinbildenden Schulen habe sich zwischen 2000/01 und 2012/13 der Anteil von Schülern mit sozialem und emotionalem Förderbedarf von sieben auf 14 Prozent verdoppelt. 18 Prozent aller Kinder und Jugendlichen litten Studien zufolge an psychischen Störungen wie Angststörungen oder dissozialen Störungen. „Wir brauchen daher Unterstützung für alle Schularten“, so Müller. Wichtig sei es, sich intensiv mit den Verhaltensweisen, die die Kinder und Jugendlichen an den Tag legten, auseinanderzusetzen, statt sie kurzfristig etwa über einen Verweis zu bestrafen.

In Workshops ging es anschließend um Themen wie selbstreguliertes Lernen, Sprachförderung oder die Rolle des kulturellen Hintergrunds für das Verhalten von Schülern. Anke Spiegel und Birgit Goth vom Neumarkter Ostendorfer-Gymnasium zeigten anhand von Fallbeispielen, welche Probleme, aber auch Stärken Schüler mit ADHS oder Autismus mitbringen und wie Lehrer diese Schüler unterstützen können. Beide Lehrerinnen wünschten sich kleinere Klassen und eine bessere räumliche und materielle Ausstattung der Schulen. Um sich künftig mit anderen Lehrkräften und Experten austauschen zu können, wollen Spiegel und Goth ein Netzwerk gründen.

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