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Bayern
Dienstag, 24. Oktober 2017 13° 5

Musik

Vom Malle-Urlaub aufs Oktoberfest

Mitsingbar sind sie alle – doch welches Lied wird die meisten Wiesn-Besucher auf die Bänke bringen und zum Wiesn-Hit 2017?
Von Emma Miesler, MZ

Richtig gute Stimmung herrscht erst, wenn die Besucher auf den Bänken stehen – doch welche Lieder schaffen das? Foto: Felix Hörhager/ dpa

Regensburg.Bei uns in Bayern geht’s atemlos durch die Nacht und wenn mal grad kein Liad für di gesungen wird oder man ein Foto vom Schatzi will, dann will man(n), dass sie mal Bier holen geht – sie wird schließlich schon wieder hässlich: Die richtige Musik ist im Festzelt genauso wichtig, wie Bier und Brezn.

Und um die Stimmung am besten anzuheizen, bieten sich altbekannte Evergreens an: Schlager und Mitgröhl-Lieder, die weder besonders anspruchsvoll, noch brandneu sein müssen, um Erfolg zu haben. Doch auch unter den bekannten Liedern erheben jedes Jahr immer ein, zwei Lieder den Anspruch, der „Wiesn-Hit“ des Jahres zu werden.

Wirklich offiziell wurde es mit dem Wiesn-Hit erst in den letzten Jahren, als vom Oktoberfest pro Saison ein großer Abschlussbericht veröffentlicht wurde – samt Bier, Hendl und eben Musik-Statistiken. Im letzten Jahr zum Beispiel eroberte Andreas Gabalier mit „Hulapalu“ die Festzelte, während in den vergangenen Jahren Hits wie „Atemlos“ von Helene Fischer oder „Wenn die Welt heut untergeht“ von Da Rocka & da Waitler Lederhosenträger und Dirndlträgerinnen besonders zum Tanzen brachten.

Das geheime Rezept

Die Juroren sind allerdings weder besondere Musik-Spezialisten noch DJs oder selber Musiker – sondern die Wiesn-Besucher: Die Stimmung, die ein Lied im Zelt auslöst, die Anzahl der Anfragen bei Band und DJ und sogar die Download-Zahlen im Internet können dazu beitragen, dass einem Stück am Ende der 18 Tage die Krone des Wiesn-Hits aufgesetzt wird. Aber was wird nun der große Wiesn-Hit des Jahres 2017? „Despacito“ von Luis Fonsi prognostizieren einige. Denn schließlich ist keiner, der diesen Sommer das Radio angemacht hat oder auch nur auf einer einzigen Sommer-Party gewesen ist, daran vorbei gekommen.

Viele Wiederholungen, eine recht simple Melodie und ein Text, der auch ohne eine Maß intus bei den meisten eher schwammig klingt und somit perfekt zu eigenen Kreationen einlädt. Doch Wolfgang Schmidt, Manager und Bandleader der Gruppe „Frontal“, die in diesem Jahr auf der Regensburger Dult das Glöckl-Zelt aufgemischt haben, schüttelt den Kopf. „Zu langsam“, erklärt er. Sowieso wäre es in diesem Jahr schwieriger, einen klaren Favoriten für den Wiesn-Hit zu erkennen.

Ohne Hype geht nichts

Startet man eine beliebige Wiesn-Playlist auf Youtube, so scheint die Auswahl der speziellen Wiesn-Hits fast schon willkürlich – alle Lieder sind in einem ähnlichen Stil komponiert, der Text ist jedes Mal gleichermaßen anspruchsvoll und sogar die Stimmen sind meist kein Alleinstellungsmerkmal. Es scheint zunächst einfach, einen eigenen Wiesn-Hit zu landen. Doch wer das wirklich schaffen möchte, der darf sich nicht erst Anfang August ans komponieren machen: Erich Mayer, Drummer und Manager der Band Donikkl, sowie der Regensburger Agentur „Tonkultur“ verrät, warum ein Song bereits vor dem Sommer auf den Markt kommen muss, um wirklich durchstarten zu können: „Ein Lied muss im Urlaub von den Leuten gehört und auch gefeiert werden – am besten auf dem Ballermann und Mallorca – und dann zurück nach Deutschland genommen werden. Auf Feiern werden dann diese Lieder vermehrt angefragt und letztendlich auch berühmt!“ Um wirklich erfolgreich zu werden darf man aber nicht nur darauf hoffen, dass ein Lied ein Selbstläufer ist – für Management und PR-Agenten ist es ein großes Stück Arbeit, das Lied zu promoten und DJs anzufragen, den Song in ihr Programm aufzunehmen.

Nicht jedes Stück hat nun aber das Zeug zum nächsten Wiesn-Hit: Das wohl Wichtigste ist, dass die Oktoberfest-Besucher mitsingen, nach einigen Maß auch mitgröhlen können – der Text muss also entsprechend simpel und die Melodie einfach sein und, wie Mayer erklärt, den „Zeitgeist treffen“. Der Meinung ist auch Wolfgang Schmidt. Er erklärt, dass viele Wiesn-Hits noch eine besondere Eigenschaft haben: Ihr Grundschlag ist auf den leicht erhöhten Herzschlag angepasst, der bei so einer Stimmung schnell aufkommt. Doch all das reicht nicht, damit ein Lied am Ende der Oktoberfest-Saison wirklich heraussticht. Es braucht einen Hype, erklärt Mayer, damit der Song groß wird, und zwar bereits vor den Wiesn. Bei seinem bekanntesten Lied hat es zumindest geklappt: Das „Fliegerlied“ wurde auf Youtube nicht nur fast sechs Millionen Mal geklickt, es läuft auch immer noch auf jeder Wiesn, Dult oder Karnevals-Feier rauf und runter.

Bayerisches Despacito als Favorit

Ursprünglich war es nicht als Ballermann-Stück angedacht, sondern als Kinder-Bewegungs-Lied, doch es entwickelte eine gewisse Eigendynamik: Diverse Bands coverten es und in den Zelten wurde es nach und nach öfter angefragt. „Wahrscheinlich, weil Betrunkene Kleinkindern oftmals ähnlicher sind, als sie denken“, lacht Mayer. Den Durchbruch schaffte es bei einer Abstimmung von Bayern3 zum Wiesn-Hit. Danach war der Erfolg unaufhaltbar. Auf die Frage, welches Lied seiner Meinung nach die Bierzelte stürmen wird, findet er ganz klar: „Eine bayerische Version von Despacito – oder wieder ein Donikkl-Lied!“

Nach all den Jahren macht es Mayer übrigens immer noch Spaß, das Lied vor seinem begeisterten Live-Kinderpublikum zu spielen – schließlich freuen sich die jungen Zuschauer immer, wenn sie bei dem Lied mitsingen und -tanzen dürfen. Nur wenn seine dreijährige Tochter in ihrem Zimmer das „Fliegerlied“ hört, schließt er manchmal die Tür. Das ist dann doch zu viel.

Doch nicht jeder findet, dass Schlager und Pop-Schnulzen das Richtige für die Wiesn sind. Musikproduzent und Komponist Klaus Maria Weigert aus Sinzing klagt: „In einem Bierzelt möchte ich doch bitte richtige bayerische Blasmusik hören – und nicht so ein Chart-Zeug! Das gehört für mich einfach da nicht rein!“

Übrigens: Im Anfang des Textes verstecken sich fünf Liedtitel – wenn Sie die alle erkannt haben, können Sie sich wirklich einen echten Festzeltmusik-Profi nennen!

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