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Bayern
Samstag, 16. Dezember 2017 10

Agrar

Wenn der Schlachthof zur Herde kommt

Ein Landwirt im Allgäu nutzt eine Methode, bei der die Tiere auf der Weide getötet werden und nichts mitbekommen.
Von Lisa Forster, dpa

Biobauer Herbert Siegel neben der mobilen Schlachtbox: Auch Tierschützer begrüßen die Methode. Foto: dpa

Missen.„Schlachten macht nie Spaß“, sagt Herbert Siegel. „Aber zumindest kann man versuchen, beim Tier Angst und Stress zu vermeiden.“ Seit einem Jahr schlachtet der Landwirt seine Rinder in einer mobilen Box direkt auf seinem Allgäuer Hof in Missen. Er ist einer der wenigen Landwirte in Deutschland, die das tun – und ihren Rindern dadurch ein würdevolles Ende bereiten wollen. Siegel hat sich aus Gründen des Tierwohls für die alternative Schlachtmethode entschieden. Früher wurden auch seine Rinder noch zum Schlachthof transportiert – das löste bei ihnen riesigen Stress aus, erzählt der Biobauer.

Jetzt lässt er seine Rinder direkt auf der Weide von einem Jäger erschießen. Neben dem Schützen ist bei jeder Schlachtung ein amtlicher Tierarzt und ein Metzger dabei. „Wir fahren mit der Schlachtbox zur Herde“, erklärt der Landwirt den Ablauf. „Dem Rind, das zu schlachten ist, schießt der Jäger mit einem Gewehr mit Schalldämpfer direkt ins Gehirn. Der Schuss muss sitzen, dann ist das Rind sofort tot. Die anderen Kühe merken davon so gut wie nichts und regen sich nicht auf“, sagt Siegel. Der anwesende Metzger bringt das tote Tier in die Schlachtbox und lässt es nach einem Halsschnitt ausbluten. Danach wird die Box geschlossen, das tote Rind in die Schlachtstätte gefahren und dort weiter verarbeitet.

Besser als in großen Schlachtstätten

Tierschützer begrüßen die Schlachtungsmethode. Immer wieder kritisieren sie die Bedingungen, unter denen Tiere in großen Schlachtstätten geschlachtet werden. „Wenn denn schon ein Tier getötet werden muss, ist eine Tötung auf der Weide natürlich vorzuziehen“, sagt Andreas Brucker vom Tierschutzbund Bayern. Nach seiner Auffassung wird bei gewerblichen Schlachtungen oft schon beim Transport mit illegalen Mitteln gearbeitet. „Da kommen teils Stockschläge und Elektrotreiber zum Einsatz“, meint Brucker. Beim Abladen müsse dann alles schnell gehen. „Die Tiere kommen in Gatter, die teils total überfüllt sind“, sagt er. „Da entstehen Rivalitäten und Panik, wodurch sich die Tiere oft Verletzungen zuziehen.“ Immer wieder würden einzelne Tiere nicht ordnungsgemäß betäubt – dann sind sie noch bei Bewusstsein, während sie ausbluten.

Höhere Fleischpreise

Dass der Tierschutz bei der Schlachtung zu wenig Beachtung findet, sagt auch Lea Trampenau. Die Agrarwissenschaftlerin berät europaweit Landwirte zu alternativen Schlachtmethoden. Nur eine Handvoll Landwirte in Bayern schlachten ihre Rinder mit dem Gewehr auf der Weide, schätzt sie. Zum Vergleich: 2015 gab es im Freistaat 920 000 gewerbliche Rinderschlachtungen. Bei anderen Tieren ist die Weideschlachtung bisher nicht erlaubt. Dabei sind Schweine laut Brucker deutlich sensibler als Rinder.

Kommentar

Der ideale Tod

Wie den Tod der Rinder von Herbert Siegel wünscht man sich beinahe das eigene Ende: im Grünen, angstfrei, schmerzlos. Der Allgäuer Bauer macht alles richtig....

Der Aufwand ist beim mobilen Schlachten natürlich viel größer als bei Massenschlachtungen, erklärt Siegel. Das hat seinen Preis: Der Allgäuer Biobauer verkauft das Rindfleisch für 18 Euro pro Kilogramm im gemischten Paket. „Ich kann nicht erwarten, dass ich für drei Euro pro Kilo eine artgerechte Schlachtung erhalte.“

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