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Dienstag, 27. September 2016 24° 1

Tagung

Wie die Sicherheitskonferenz sicher wird

Die internationale Tagung in München ist jedes Jahr auch ein Großeinsatz für die Polizei. Ein Ortsbesuch.
Von Katia Meyer-Tien, MZ

Sprengstoffsuchhündin Kanis mit Hundeführer Albert Kaindl zeigt, was sie kann. Vor der Sicherheitskonferenz geht es vor allem um die Sicherheit der Gäste. Foto: Meyer-Tien

München.Am Freitagmorgen vor dem Bayerischen Hof in München richten sich all Augen gespannt auf Kanis. Kanis ist fünfeinhalb Jahre alt, hat etwa zwei Jahre Ausbildung hinter sich und springt gerade beherzt über eine Bank, als hinter ihr eine Kolonne schwarzer Limousinen vor dem Haupteingang des Hotels hält. Canis ist einer von zwölf Sprengstoffsuchhunden, die auf der 52. Münchner Sicherheitskonferenz für die Sicherheit der Teilnehmer sorgen.

Rund 600 Gäste haben sich angekündigt, darunter knapp 25 Staats- und Regierungschefs, 63 Außen- und Verteidigungsminister und auch fünf Geheimdienstchefs, die in diesem Jahr zum ersten Mal auf offener Bühne über ihre Aufgaben und ihre Rolle diskutieren sollen. Im Fokus der Konferenz stehen der Krieg in Syrien, die Flüchtlingskrise und die Terrorgefahr in der Welt.

Vor den Tagungsort im Hotel Münchner Hof kommt nur, wer eine Berechtigung dazu hat. Dafür sorgen die Polizeibeamten. Foto: Meyer-Tien

Die Terrorgefahr hat auch die Planungen der Sicherheitskräfte beeinflusst, sagt Thomas Baumann, Pressesprecher der Münchener Polizei. Der steht an diesem Morgen ebenfalls auf dem Promenadenplatz vor dem Bayerischen Hof, der Platz ist an allen Seitenstraßen abgeriegelt, Polizisten bewachen die Sperrgitter. Hinein kommt nur, wer sich ausweisen kann und ein „berechtigtes Interesse“ hat. „Wir haben uns noch mehr als in den vergangenen Jahren im Kontakt mit dem BKA, dem Verfassungsschutz, aber auch mit den ausländischen Diensten bemüht, detaillierte Informationen über die Gefahrenlage zu sammeln“, sagt Polizeisprecher Thomas Baumann. Das Ergebnis: „Wir haben keine Erkenntnisse über eine akute Bedrohungslage. Aber wir haben in München schon seit längerem eine erhöhte abstrakte Gefährdungslage, mit der wir auch in den kommenden Tagen leben müssen“. Besondere Maßnahmen habe man in diesem Jahr im Vergleich zu den vergangen Jahren aber nicht getroffen, das Konzept sei erprobt. Mit rund 3700 Beamten seien zwar etwa 100 Polizisten mehr im Einsatz als in den vergangenen Jahren, das liege aber nur am Treffen der Syrien-Kontaktgruppe, das schon am Donnerstag im Vorfeld der Konferenz stattfand.

Wenn ein Gast joggen will, muss die Polizei mitlaufen

Ebenfalls im Bayerischen Hof, vor dem Sprengstoffsuchhund Kanis nun gewissenhaft die Bank absucht, an den Reifen der Limousinen schnüffelt, Gullydeckel und den Teppich vor dem Eingang untersucht. Gefunden hat sie noch nie etwas, „zum Glück“, sagt Hundeführer Albert Kaindl, der den Schäferhundmischling an diesem Morgen der Presse präsentiert. Eigentlich kommen Kanis und ihre Kollegen nur zum Einsatz, wenn die Polizei einen konkreten Verdacht hat, denn für die Hunde ist das Sprengstoffsuchen Schwerstarbeit: Eine halbe Stunde können sie suchen, dann brauchen sie eine Pause.

„Wir haben keine Erkenntnisse über eine akute Bedrohungslage. Aber wir haben in München schon seit längerem eine erhöhte abstrakte Gefährdungslage, mit der wir auch in den kommenden Tagen leben müssen.“

Thomas Baumann, Pressesprecher der Münchener Polizei

Im Führungsstab im Münchner Polizeipräsidium wird der Einsatz der 3700 Polizisten koordiniert. Foto: Meyer-Tien

Koordiniert wird ihr Einsatz aus dem Führungsstab im Münchner Polizeipräsidium, etwa zwei Minuten Fußweg vom Bayerischen Hof entfernt. Auf großen Leinwänden verfolgen bis zu 35 Beamte gleichzeitig hier seit Donnerstagmorgen, sieben Uhr, bis Sonntagabend rund um die Uhr das Geschehen rund um den Tagungsort und in der Münchner Innenstadt, es sind die Bilder, die von den Überwachungskameras aufgezeichnet werden. Über mehrere Funkkanäle kommunizieren sie mit den Einsatzkräften, koordinieren die Straßensperrungen und die Eskorten für die Ankunft der Staatsgäste, reagieren auf Spontandemonstrationen und mögliche Störungen. Und organisieren Sonderwünsche: Wenn ein Staatsgast, wie schon mal geschehen, joggen gehen will, müssen die Beamten mitlaufen, will ein anderer ins Alpenvorland fahren, bekommt er auch dafür eine Polizeieskorte. „Wir bewerten das nicht“, sagt Polizeivizepräsident Werner Feiler, der entspannt vor dem Raum steht, „wir sorgen nur für die Sicherheit“. Den Führungsstab vergleicht er mit einem Dirigenten, der ein 3700-köpfiges Orchester dirigieren muss. Bisher laufe alles gut, bis auf einige „kleine Misstöne, die aber nur der Dirigent hört und die dem Publikum nicht auffallen“.

Demo in der Innenstadt geplant

In der Münchner Fußgängerzone ist am Freitagmorgen noch alles ruhig, Touristen fotografieren das Rathaus, ein paar Aktivisten halten ein Transparent gegen Hinrichtungen im Iran in die Höhe, daneben stehen die Reiseführer, die Touren durch die Stadt anbieten. Noch ist es ruhig in München, eine Stadt im Ausnahmezustand zwar, aber bei laufendem Normalbetrieb. Doch für den Samstag haben sich wie in jedem Jahr die Gegner der Sicherheitskonferenz angemeldet: Etwa 4000 Teilnehmer erwartet die Polizei in der Innenstadt, darunter auch wieder etwa 200 bis 300 gewaltbereite Demonstranten. Erstmals soll in diesem Jahr auch eine Protestkette aus etwa 600 Menschen die Konferenzteilnehmer „umzingeln“, wie es im Aufruf der Gegner heißt. Sie kritisieren die Konferenz als Treffen von „Kriegstreibern und Rüstungslobbyisten“.

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