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Montag, 11. Dezember 2017 4

Bildung

Wird Beatboxing ein neues Schulfach?

Rhythmus-Europameister gibt Seminar für angehende Regensburger Musikpädagogen. Er hat Tipps für den Unterricht parat.
Von Daniel Pfeifer, MZ

Beatboxing-Experte Indra Tedjasukmana benutzt seinen Mund als Percussion-Instrument. Foto: Pfeifer

Regensburg.Bitte mal nachsprechen: B – Ts – Pf – Ts – B – Ts – Pf – Ts. Und jetzt wiederholen. Zack fertig: Beatbox-Track. Na gut, wenn es so einfach wäre, dann wäre das hier ein sehr kurzer Artikel. Wenn es so einfach wäre, gäbe es auch jemanden wie Indra Tedjasukmana nicht.

Der 33-Jährige ist Dozent und ehemaliger Europameister des Beatbox – der Kunst, allein mit dem Mund Schlagzeug und Drumcomputer zu imitieren und auf der Bühne Solo oder im Chor die Percussion zu übernehmen. Am Sonntag und Montag besuchte der gebürtige Stuttgarter das Institut für Musikpädagogik an der Uni Regensburg.

Dort zeigte er knapp 30 Studenten die Basics des Beatbox, damit diese später mit etwas Übung einmal gerüstet sind, für Schüler und Jugendlichen einen modernen Musikunterricht gestalten zu können, der praktisch aus den Schienen von Wiener Klassik und Chor-Kanon ausbricht. Hip-Hop-Beat statt Frère Jacques.

„Singen ist ein elementarer Teil der Musikpädagogik und ich finde es wichtig, dass man nicht nur Hörsaalunterricht macht, sondern auch Praxis.“

Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Magnus Gaul

„Singen ist ein elementarer Teil der Musikpädagogik,“ erklärt Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Magnus Gaul, der Indra eingeladen hatte und das Seminar selbst begeistert besuchte, „und ich finde es wichtig, dass man nicht nur Hörsaalunterricht macht, sondern auch Praxis.“ Man müsse später als Pädagoge und Lehrer immer Wege finden, Jugendliche auch abzuholen und Lehrinhalte dort zu verankern, wo die Begeisterung am größten ist.

Wie menschliche Percussion funktioniert

Aber jetzt mal langsam, wie funktioniert diese menschliche Percussion überhaupt? Indra macht es vor: Der lange Weg hin zum Beatbox-Champion beginnt mit einfachen Konsonanten. Mit einem „Ts“. Je nachdem wie kurz oder lange man dieses „Ts“ ausspricht, und wie viel Druck man dahintersetzt, imitiert man die geschlossene oder geöffnete Hi-Hat eines Schlagzeugs. Für alle Nichtmusiker: Das sind die Bronze-Becken, die man an den Drums mit einem Fußpedal spielen kann.

Da kommt man sich jetzt am Anfang schon etwas blöd vor, auf einem Stuhl zu sitzen und manisch „ts, ts, ts“ zu wiederholen. Dozent Indra schafft es aber sehr locker, seinen Studenten den Komfort zu geben, bei den gemeinsamen Übungen direkt mitzumachen. Und das ist auch wichtig. Viele Menschen, erzählt Indra, sehen Beatbox eher als ein kleines Gimmick, das man schnell mal lernen kann, um Freunde und Kinder zu bespaßen.

Eine Kunst, die Geduld fordert

In Wahrheit sei es eine Kunst, die wie auch Klavier- oder natürlich Schlagzeugspielen Geduld fordert. Genau wie man auf dem Piano jahrelang die Tonleiter hoch und runter nudelt, muss man die einzelnen Beatbox-Sounds immer und immer wieder proben. Dazu kommt die richtige Atemtechnik, Mikrofonkontrolle, Rhythmuskontrolle und Kreativität.

Beatboxer Indra Tedjasukmana gibt eine Kostprobe – das Video:

Beatboxer Indra mit einem MZ-Freestyle.

Im Unterricht wird man es also nicht innerhalb einer Schulstunde schaffen, absolute Profis auszubilden. Aber das ist ja bei konventionellen Instrumenten auch nicht anders. Wann ist auch schon ein Posaunen-Meister vom Himmel gefallen? „Aber es ist trotzdem sinnvoll, Jugendliche anzuregen, sich zu bewegen und etwas wertvolles mit ihrer Zeit anzufangen,“ ist Indra überzeugt, „im Unterricht kann man da gute Impulse geben. Man muss es halt simpel halten“. Den angehenden Musikpädagogen gab er deshalb neben der eigentlichen Musik viele praktische Tipps mit. Wie alt sollten Schüler mindestens sein? Wie viel muss man ausgeben für Mikro und Verstärker? Und wie desinfiziere ich ein Mikro, das durch ein Dutzend Regenschauer von Kinderspucke gegangen ist?

Neunjähriger „beatboxt“ wie ein Profi

Am Ende ist es doch einiges, was hinter dem Beatboxing steckt. Ob Studenten aus dem Regensburger Seminar die Lektionen des deutschen Rhythmus-Großmeisters irgendwann einmal an Schülern anwenden, steht in den Sternen. „Das weiß man am Ende nie. Aber regelmäßig schreiben mir Leute, dass sie nach meinem Kurs jetzt AGs und Acapella-Gruppen gegründet haben“, erzählt Indra stolz. Vor längerer Zeit hatte der Beatboxer ein Seminar für Kinder in Bern gehalten. Unter ihnen ein neunjähriger Bub. Zwei Jahre später traf er ihn wieder. „Da hat er mir was vorgebeatboxt und das war unglaublich. Fast schon profimäßig. Mit elf!“ In Momenten wie diesen, erzählt er, lohne sich das alles.

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