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Bayern
Freitag, 19. Januar 2018 3

Ski

Zwei Bretter, die die Welt bedeuten

Sonntagszeitungs-Autorin Kerstin Hafner hat vier Teenager aus der Region besucht, die auf dem Weg zur Ski-Elite sind.

Die jungen Talente – hier Aliah Eichinger beim Freeski – nehmen für ihre Leidenschaft einiges in Kauf. Foto: Roland Haschka

Regensburg.Der Skiverband Bayerwald hat schon öfter große Talente hervorgebracht, zuletzt Monika Bergmann (Mannschaftsweltmeisterin 2005, aus Lam) und Alois Vogl (siebenfacher deutscher Meister, aus Lohberg). Aktuell schicken sich vier vielversprechende Talente an, in den kommenden Jahren Europacup-Luft zu schnuppern. Ihr großes Ziel ist aber der Weltcup. Dafür trainieren sie hart – auf und abseits der Piste. Ausdauertraining im Sommer; Kraft im Fitness-Studio; Geschicklichkeit und Koordination in der Turnhalle; Technik, Beweglichkeit und Spritzigkeit auf der Piste. Sogar ins Internat haben sie gewechselt, besuchen die Eliteschule des Sports CJD in Berchtesgaden, um ihr Talent optimal fördern zu können.

Training nach neuesten sportmedizinischen Erkenntnissen

Anna Schillingers Lieblingsdisziplin ist der Slalom. Foto: Paul

Die Rede ist von Anna Schillinger (16 Jahre, Landeskader BSV, SWC Regensburg), Aliah-Delia Eichinger (16 Jahre, C-Kader Freeski Germany, DJK St. Oswald/Reichenberg), Selina Mezabrovschi (16 Jahre, Landeskader BSV, TV Schierling) und Paul Wickert (14 Jahre, Landeskader BSV, TV Schierling).

Die drei Alpinen hatte bis vor Kurzem noch Skilehrer Sepp Iglhaut aus Bad Kötzing unter seinen Fittichen. Er ist Chefcoach des Regio-Teams Passau-Landshut-Regensburg im Skiverband Bayerwald. „Ich bin stolz auf Anna, Selina und Paul, dass sie an der Eliteschule des Sports angenommen wurden. Wir haben in den letzten zehn Jahren im Regio-Team P-L-R 85 Athleten betreut und versuchen immer, die Kinder nach neuesten sportmedizinischen Erkenntnissen optimal zu trainieren.“

Die Freizeit ist ausgerichtet nach Trainingszeiten

Wichtig bei der Arbeit mit Jugendlichen sei vor allem ein individuell abgestimmtes, abwechslungsreiches Trainingsprogramm. „Es darf kein Stumpfsinn aufkommen“, sagt Iglhaut, der seit 40 Jahren Skilehrer ist. Viel Freizeit bleibt angehenden Leistungssportlern nicht. Schon gar nicht an der Eliteschule in Berchtesgaden. Das trifft natürlich auch auf die einzige Free-Skierin des Quartetts zu. Wir haben Anna, Aliah, Selina und Paul gefragt, was sie antreibt, wovon sie träumen und was sie machen, wenn sie gerade nicht den Berg runterflitzen.

Anna Schillinger:

Anna Schillinger Foto: privat

Anna geht auf das Gymnasium der Christophorusschulen CJD Berchtesgaden. Schon mit drei Jahren nahmen ihre Eltern das Mädchen mit auf die Piste. Ihr Talent zeigte sich früh, in die leistungssportliche Richtung ging es mit elf Jahren. Aktuell fährt Anna Slalom, Riesenslalom und Super G. Die schnellste alpine Disziplin, die Abfahrt, steht bei den meisten jungen Athlet(inn)en erst später auf dem Programm. An die brutale Geschwindigkeit, mit der man beim Downhill fast ohne Kurven den Hang hinunterrast, muss man sich schließlich auch erst mal rantasten.

„Meine momentane Lieblingsdisziplin ist der Slalom, wobei das immer zwischen Riesentorlauf und Slalom variiert, je nachdem wo es grad besser läuft“, erklärt Anna lächelnd.

„Beim Skifahren in der Freizeit und mit meiner Familie will ich auf der Piste oder im Tiefschnee einfach nur Spaß haben, am liebsten bei gutem Wetter. Beim Training und im Rennen aber geht’s dann natürlich um viel mehr als das. Ich will gute Leistung bringen und da sind dann schon oft auch negative Gefühle dabei, wenn es mal nicht so läuft. Aber umso schöner sind die Erfahrungen, wenn alles klappt.“

Steiles Gelände liegt ihr besser

Beim Slalom dürfen sich die Rennfahrer bei einer Kursbesichtigung vorab den Lauf anschauen und müssen danach alle Tore aus dem Gedächtnis fahren. Anna kennt ihre Stärken und Schwächen genau: „Ich kann mir die Läufe immer gut einprägen, ohne sie sehr oft im Kopf durchgehen zu müssen. Und mir liegt steiles Gelände besser als flaches. Meine Lieblingsstrecken sind Pfelders und Kaunertal. Meine absolute Schwäche liegt aber auf jeden Fall im Bereich Konzentration. Ich mache mir viel zu viele Gedanken über alles Mögliche und muss noch lernen, mich auf das Wesentliche zu fokussieren.“

„Was mich allgemein an den Skisportlern fasziniert, ist ihr unglaublicher Ehrgeiz und das Vermögen, niemals aufzugeben, egal was kommt.“

Anna Schillinger

Sie fährt heuer ihr erstes Jahr im Landeskader und es klappt gut: „Meine größten Erfolge waren zwei Siege in der Wertung des Deutschen Schülercups und der 3. Platz in der Kombination der Bayerischen Meisterschaft 2017.“ Vorbilder gibt es natürlich viele – gerade jetzt, wo auch wieder mehr deutsche Weltcup-Fahrer mit Spitzenresultaten aufhorchen lassen. „Natürlich sind Felix Neureuther und Viktoria Rebensburg bei meinen Idolen ganz vorn dabei“, sagt Anna. „Was mich allgemein an den Skisportlern fasziniert, ist ihr unglaublicher Ehrgeiz und das Vermögen, niemals aufzugeben, egal was kommt. Mein sportliches Ziel ist, eines Tages an der Weltspitze mitzufahren. Trotzdem ist mir der Spaß an der ganzen Sache am wichtigsten. Wenn mich der Skisport irgendwann mal nicht mehr erfüllen sollte, werde ich auf jeden Fall andere berufliche Ziele anvisieren.“

Noch kein Verletzungspech

Sehr schlimme, langwierige Verletzungen musste das Mädchen glücklicherweise noch nicht überstehen. Im Februar vergangenen Jahres erlitt sie bei einem Sturz auf der legendären Kandahar-Piste in Garmisch eine schwere Gehirnerschütterung, die sich über acht Wochen zog, und eine ziemlich starke Ganzkörperprellung. Stürze gehören zum Geschäft und ein Rennanzug hat nun mal keine Knautschzone. Helm und Protektoren schützen nur einige Körperteile. Zuletzt gab es zwei überaus tragische Unfälle in Kanada. Der französische Weltcup-Fahrer David Poisson durchschlug beim Abfahrtstraining zwei Fangnetze, prallte gegen einen Baum und starb. Etwas später, Anfang Dezember, verunglückte der 17-jährige Max Burkhart vom SC Partenkirchen tödlich.

Anna liebt ihren Sport sehr, aber solche Meldungen kann sie nicht einfach verdrängen. „Wir haben Sportpsychologen im Team, aber nicht an der Schule. Solche unglaublich tragischen Zwischenfälle bringen mich sehr durcheinander – und Angst spielt da auch eine kleine Rolle. Allerdings herrscht diese Angst in meinem Fall nur bei der Disziplin Abfahrt, die ich deshalb auch nicht fahren möchte.“

Sport und Schule unter einen Hut zu bringen, sei am CJD Berchtesgaden auf jeden Fall viel einfacher als auf einem normalen Gymnasium, berichtet sie. Gerade auch weil man dort die sogenannte ‚Schulzeitstreckung‘ in Anspruch nehmen dürfe, also die Oberstufe auf drei Jahre. „In meiner Freizeit treffe ich am allerliebsten meine Freunde und verbringe Zeit mit meiner Familie, weil ich dazu ja ziemlich selten komme.“

Selina Mezabrovschi

Foto: Selina Mezabrovschi

Selina besucht wie Anna die 10. Klasse des Ski-Gymnasiums. Heuer ist ihr drittes Jahr auf der Eliteschule. „Zum Skifahren bin ich durch meinen Vater gekommen, der mich immer mitgenommen hat, als ich noch klein war. Zum ersten Mal stand ich mit drei Jahren auf den Brettern.“ Mit elf Jahren kam sie in die Gau-Mannschaft des Skiverbandes Bayerwald. Auch Selina befindet sich im ersten Jugendjahr, fährt aber alle Disziplinen, auch Abfahrt. Ihre Lieblingsdisziplinen sind Riesentorlauf und Super G. „Ich mag es einfach, mich im Riesenslalom dynamisch von Tor zu Tor weiterzuarbeiten und immer schneller zu werden. Am Super G liebe ich die Geschwindigkeit, da geht es ja auch fast geradeaus den Hang hinunter. Man schiebt sich aus dem Starthaus und vergisst für ein paar Momente einfach alles andere. Es geht nur um den größtmöglichen Speed.“

Trotzdem ist ein junger norwegischer Edeltechniker, der vor allem im Slalom glänzt, Selinas großes Vorbild: Weltcup-Fahrer Henrik Kristoffersen, der diese Saison vielleicht den österreichischen Dauersieger Marcel Hirscher knacken könnte. „Meine eigene Stärke ist ja auch die Technik. Ich konzentriere mich stets darauf, sauber zu fahren und so gut wie möglich die Ideallinie im Lauf zu treffen. Ich muss noch daran arbeiten, selbstsicherer zu werden, weil ich mir im Rennen oft vieles verpatze und kleine Fehler mache, die mir normalerweise im Training nicht passieren.“

„Man schiebt sich aus dem Starthaus und vergisst für ein paar Momente einfach alles andere. Es geht nur um den größtmöglichen Speed.“

Schon drei Knie-Operationen

Selinas Ziel ist es, so weit wie möglich zu kommen und vielleicht irgendwann mal ganz vorn im Weltcup zu stehen. Ihre besten Ergebnisse waren zwei Top-5-Platzierungen bei einem internationalen Slalom- und Riesenslalom-Rennen in der Schweiz. Dass nicht noch größere Erfolge auf der Haben-Seite ihres sportlichen Kontos zu verbuchen sind, liegt an Selinas großem Pech. „Ich hatte schon ziemlich viele Rückschläge. Mit 13 Jahren riss ich mir zum ersten mal mein Kreuzband und mit 15 nochmal. Mittlerweile habe ich schon drei Knie-OPs hinter mir. Im Dezember bin ich bei einem Rennen gestürzt und habe mir die ersten beiden Halswirbel verstaucht, plus Gehirnerschütterung. Am Ball gehalten hat mich die letzten Jahre eigentlich nur, dass ich sehr ehrgeizig bin und mich schlecht gefühlt habe, wenn die anderen beim Skifahren waren und ich immer nur alles erzählt bekam. Ich wollte wieder mitmischen, die Piste runterstürzen und ihnen beweisen, dass ich vorne mitfahren kann, egal wie lange ich pausieren muss.“ Diesen Biss braucht man wohl als Rennläuferin. Selinas Lieblings-Rennstrecke liegt in Davos. Nach langer Verletzungspause hat sie dort tolle Ergebnisse erzielt.

Nur ohne Angst an den Start

Selina Mezabrovschi ist in vielen Disziplinen unterwegs. Foto: Mezabrovschi

Zum Risiko im Sport sagt sie: „Mir ist bewusst, dass jederzeit etwas Schlimmes passieren kann, man darf aber einfach nicht daran denken. Mit Angst braucht man gar nicht an den Start zu gehen. Wir haben eine Sportpsychologin im Deutschen Skiverband, die manchmal auf Lehrgänge und Wettkämpfe mitkommt, um uns zu unterstützen, aber wir können uns auch zu jeder Zeit telefonisch bei ihr melden, wenn uns was auf der Seele brennt.“

Schule und Sport unter einen Hut zu bringen, findet das Mädchen oft schwierig, „aber die Lehrer unterstützen uns da sehr und geben auch oft Nachführunterricht, um mit dem Schulstoff hinterherzukommen. Im Winter trainieren wir so ziemlich jeden Tag bei uns am Götschen oder am Jenner, über die Wochenenden fahren wir dann auf Wettkämpfe oder Lehrgänge.“ Im Sommer wird jeden Tag trainiert, vor der Schule meist Rumpf- oder Schnelligkeitseinheiten und nachmittags nochmal eine Einheit im Kraftraum oder eine Ausdauereinheit, zum Beispiel auf dem Rennrad. „Freizeit bleibt mir eigentlich kaum, jeden Abend circa zwei Stunden. Der Vorteil am Internat ist halt, dass deine Freunde auch alle dort sind und man nur ins nächste Haus gehen muss, um was mit ihnen zu unternehmen.“ Sie lacht: „Aber meistens sitzen wir nur da und unterhalten uns, weil wir alle echt kaputt vom Training sind.“

Aliah Eichinger

Aliah Eichinger Foto: Roland Haschka

Aliah sticht aus dem oberpfälzisch-niederbayerischen Elite-Quartett hervor, weil sie Freeski fährt, aus dem tiefsten Bayerwald stammt (Landkreis Freyung-Grafenau) und weil ihre Familie einen eigenen Skilift sowie eine Skischule betreibt. Ihre schneesportbegeisterten Eltern stellten den Zwerg schon mit zwei Jahren auf die Bretter und nahmen das Kind in den folgenden Jahren im Urlaub mit zu diversen Snow-Parks in den Alpen. Die Begriffe Rails, Pipes, Tubes, Kicker oder Boxes lassen schon erahnen, dass Freeski mehr mit Snowboarden zu tun hat als mit den klassischen Alpin-Disziplinen. Es kommt aus den USA und ist frecher, moderner, unkonventioneller.

Heute geht Aliah in die 10. Klasse des CJD und betreibt Freeski leistungsmäßig seit drei Jahren. 2015 war sie Deutsche Vizemeisterin und 2016 Deutsche Meisterin. Im Freeski-Bereich gilt sie als eine der größten Nachwuchshoffnungen Deutschlands. „Der Stangenwald war mir zu unkreativ und auch ein bisschen zu eingefahren. Nachdem ich dann einige Male mit meinem Papa, der selber erfolgreicher Rennläufer war, in den Snowparks unterwegs war und mit meinen ersten Twintips (Freestyle Skiern, Anm. d. Red.) damals noch über ganz kleine Kicker und Boxen gehüpft bin, war schnell klar, dass Freestyle viel mehr meine Welt ist. Es herrscht auch nicht so ein Druck wie in den klassischen Disziplinen. Selbst beim Weltcup ist die Stimmung eigentlich ganz locker. Ich durfte heuer unverhofft das erste Mal bei einem Big Air Weltcup vor 15 000 Zuschauern starten. Dort hab’ ich einige Punkte einfahren können, das war richtig gut.“ Eine 49 Meter hohe Rampe gehörte ebenfalls dazu.

Ziel: Fixer Startplatz im Weltcup

Aliahs Lieblings-Parks sind Laax, Flachauwinkl und die hauseigene ‚Snowtopia‘ daheim in Reichenberg. Neben Big Air fährt sie am liebsten Slopestyle und auch ein bisschen Halfpipe. Als Vorbilder nennt sie „eigentlich alle, die schon mal bei den X-Games gewonnen haben.“ Ein fixer Startplatz im Weltcup ist ihr Ziel und natürlich eine Teilnahme an den Olympischen Spielen. An der Technik gebe es immer was zu verbessern, sagt sie, aber an der Nervenstärke sei sie noch nie gescheitert. „Nach dem ersten Start im Weltcup weiß ich nun auch, wie viel ich für dieses Niveau noch trainieren muss.“

Keine Zeit für Heimweh

Das erste Jahr im Internat in Berchtesgaden sei schon eine ziemliche Umstellung gewesen, erklärt sie. „Aber eigentlich hat man dort gar keine Zeit für Heimweh und es ging mir recht schnell wieder gut. Ich fahre, wenn möglich, etwa jedes dritte Wochenende nach Hause oder zu meinem Freund ins Allgäu, wenn er – da ebenfalls Leistungssportler – nicht selber gerade irgendwo bei Wettkämpfen oder Trainings unterwegs ist. Im Sommer gibt’s ein paar freie Wochen, aber man gewöhnt sich an die wenige Freizeit.“

„Freestyle ist meine Welt“, sagt Aliah Eichinger. Foto: Roland Haschka

Wenn noch kein Schnee liegt, trainieren die Freeskier jeden Tag nach der Schule mehrere Stunden im Kraftraum oder in der Trampolinhalle am CJD für die akrobatischen Sprünge, die sie in der Luft vollführen. Salti und Schrauben inklusive. Danach geht es bis acht Uhr abends nochmals in den Nachführunterricht. Die letzte Wintersaison musste Aliah mehrere Monate aussetzen und dafür täglich diverse Stunden beim Physiotherapeuten verbringen. Knie, Hüfte und Sprunggelenk waren angeschlagen. „Aber dank dem guten Programm von Physio Marcus Hirschbiel bin ich jetzt wieder topfit.“

Aliahs Mutter Steffi macht sich ab und zu schon Sorgen um das unerschrockene Töchterlein. „Solange sie nach einem Sturz gleich wieder aufsteht, ist das noch auszuhalten. Aber an dem Tag, als sie im Weltcup praktisch ohne Big Air Training spontan von der für sie bisher größten Schanze springen sollte, da war uns den ganzen Tag schlecht. Bei der Liveübertragung konnten wir kaum zuschauen vor Nervosität. Auch wenn dein Kind aus Russland anruft, dass es gerade auf dem Weg in ein russisches Krankenhaus ist, bleibt dir erst mal das Herz stehen – aber es war zum Glück nur eine kleine Verletzung. Wir sind natürlich wahnsinnig stolz auf Aliah und sind uns sicher, dass sie ihren Weg gehen wird.“

Tipps für tolle Skigebiete und mehr rund um das Thema Skifahren lesen Sie hier in unserem Spezial.

Paul Wickert

Paul Wickert Foto: Schindler

Paul ist der Jüngste im Bunde und hat gerade erst auf die Eliteschule des Sports, ebenfalls ans Gymnasium, gewechselt. „Ich hatte als ganz kleines Kind auf dem Hintertuxer Gletscher Skifahrer gesehen und wollte das unbedingt ausprobieren.“ Auch Paul stand schon mit zwei Jahren auf Mini-Skiern. Kaum eingeschult, wollte der Bub Rennen fahren, nachdem er das auf der Seiser Alm versucht hatte. „Ich bin so gerne an der frischen Luft in den Bergen. Mir geht’s einfach richtig gut, wenn ich eine Rennpiste runterflitzen oder einen Tiefschneehang herunterschwingen kann.“ Paul fährt Slalom, Riesentorlauf und seit heuer auch Super G. Slalom ist seine Lieblingsdisziplin. „Hier muss man schnell reagieren und sich sofort auf wechselnde Bedingungen einstellen können.“

Kein Wunder, dass Felix Neureuther auch hier als Vorbild genannt wird. „Ich habe ihn schon ein paar Mal auf der Piste getroffen. Er ist sehr sympathisch, ein toller Mensch und Sportler. Er nimmt sich immer ein wenig Zeit, um mit seinen Fans zu reden. Bei der Deutschen Meisterschaft bin ich einmal zu ihm hingegangen und er hat sich eine Viertelstunde mit mir unterhalten. Das war super.“

Sieg beim Nachtslalom

Über den Weltcup als Ziel macht sich der Junge noch wenig Gedanken, er möchte „erstmal einfach nur gut skifahren.“ Klappt auch ganz ordentlich: In der vergangenen Saison erreichte der Lengfelder Platz zwei der U14-Rangliste des Deutschen Skiverbands. Drei Siege hat er in der Vorsaison eingefahren. Der schönste war der erste Platz beim Nachtslalom im Skizentrum Sonnenbichl in Bad Wiessee. „Dieser Sieg war für mich so schön, weil ich die ganze Woche vorher im Training schlecht gefahren bin und mein Papa absolut dagegen war, dass ich an den Start gehe. Ich habe ihm sogar Frühstück gemacht, damit ich starten durfte. Papa wollte mich vor einer Enttäuschung bewahren. Und dann hab’ ich gewonnen.“ Paul bezeichnet sich als nervenstark. „Und mein Trainer meint, ich könne gut auf Schnitt fahren, aber manchmal mit zu viel Innenlage.“ In den schnellen Disziplinen wäre mehr Körpermasse förderlich, aber das Kind wächst ja noch und ab 16 steigt man dann auch stärker ins Krafttraining ein.

Schule steht an erster Stelle

Paul Wickert kann sich auf seine guten Nerven verlassen. Foto: Paul

„Wir sind froh, dass unser Sohn an der Eliteschule des Sports aufgenommen wurde, weil er so seinen Sport optimal betreiben kann. Auch ist uns sein weiterer schulischer Werdegang sehr wichtig. Das steht bei uns nach wie vor an erster Stelle“, betont Pauls Vater Werner. „Für uns als Familie war es anfangs nicht leicht, ihn gehen zu lassen. Es war schon gewöhnungsbedürftig, sein Kind nur noch alle vier Wochen zu sehen. Deshalb fahren wir oder sein großer Bruder Christoph und seine Patentante auch immer wieder nach Berchtesgaden und besuchen ihn in seiner trainingsfreien Zeit.“

„Schule und Sport konnte ich in der letzten Saison, als ich noch das Donaugymnasium besucht habe, kaum noch unter einen Hut bekommen“, sagt Paul heute. Lange Anfahrtswege zum Training in Mitterfirmiansreut und am Arber sowie häufige Lehrgänge von August bis Mai in Österreich lassen sich mit dem Besuch einer „normalen“ Schule kaum vereinbaren. „Am CJD habe ich kurze Wege und die Schule nimmt stets Rücksicht auf meinen Trainings- und Rennplan.“ Viel Freizeit bleibt da zwar auch nicht, weil der versäumte Stoff nachgelernt werden muss. „Aber an den Wochenenden, an denen ich zu Hause in Lengfeld bin, treffe ich mich mit meinen Freunden, weil ich sie ja sonst nicht mehr sehe und sie mir fehlen.“

Der Text ist eine Leseprobe aus der Sonntagszeitung, die die Mittelbayerische exklusiv für ePaper-Kunden auf den Markt gebracht hat. Ein Angebot für ein Testabo der Sonntagszeitung finden Sie in unserem Aboshop.

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