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Bayern
Dienstag, 12. Dezember 2017 7

MZ-Serie

Zwischen Bühne und Gipfelkreuz

Werner Schmidbauer ist Musiker mit Leib und Seele. Weitere „Gipfeltreffen“ mit prominenten Gästen sind schon in Planung.
Von Alois C. Braun, MZ

Seit diesem Jahr steht Werner Schmidbauer wieder solo auf der Bühne. Foto: Braun

München.Man kennt ihn von begeisternden Konzerten mit Martin Kälberer und auch Pippo Pollina. Und als variationsreichen Musiker, der in der BR-Sendung „Aufgspuit!“ mit den unterschiedlichsten Gästen bekannten Liedern neue Facetten abgewinnt. Werner Schmidbauer ist aber auch Journalist durch und durch. Einer, der unter anderem in seiner Serie „Gipfeltreffen“ die Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Zwei Menschen sitzen am Gipfelkreuz und prosten sich vor der atemberaubenden Kulisse der Alpen zu. Wieder einmal ist Werner Schmidbauer mit einer prominenten Persönlichkeit auf einen Berggipfel gewandert. 85 Folgen gibt es inzwischen. „Das ist schon eine besondere Situation. Man geht nebeneinander her und ratscht vor sich hin“, erklärt er die Vorzüge dieser Art von Interviews und, warum seine Gäste so locker reden. Sein Freund Sigi brachte den Journalisten einst auf die Idee zu „Gipfeltreffen“. Mit ihm ging Schmidbauer zum Reden viel lieber in die ruhigen Berge, als in die laute Kneipe. Nach einer dieser Touren meinte Sigi: „Jetz hamma wieda gscheit vui gredt. Sowas gibt’s im Fernsehn no ned, oda?“ – und schon die Idee war geboren. Dem gebürtigen Münchener geht es aber in den Sendungen nicht darum, nur Menschen aus der ersten Reihe auf den Gipfel zu locken: „Mir ist wichtig, dass es interessante Leute sind.“

Aufgewachsen ist Werner Schmidbauer in München, als „typisches Arbeiterkind“, wie er sagt. „Mein Großvater war Trambahner und Schlosser und mein Vater Werkzeugmacher.“ Zunächst wohnte er im Westend. Als ein Großonkel starb, erbte die Familie ein Haus in Großhadern und es wurde umgezogen. „Für mich als Kind war das nicht schön, denn ich musste alle meine Freunde zurücklassen“, erinnert er sich und schwärmt: „München ist meine Stadt, ich mag sie immer noch gerne.“ Und das ist kein Widerspruch zu seinem aktuellen Wohnort Bad Aibling. „Es haben sich halt irgendwann die Schwerpunkte verlagert. Statt ins Kino bin ich lieber in die Natur und die Berge gegangen.“ Dazu kommt, dass seine erste Ehe im Alter von 30 Jahren in die Brüche ging und seine zweite Frau aus Feldkirchen-Westerham kommt. „Mir hat es gleich gefallen da draußen und so kam ich nach Aibling.“

Andere Schwerpunkte gesetzt

Schmunzelnd erzählt er über sein Studium. „Ich hatte mich damals an der LMU nur eingeschrieben, weil ich nicht zur Bundeswehr wollte.“ Er hatte gehört, dass man nicht eingezogen wird, wenn man bis ins dritte Semester kommt, radelte ohne Plan für einen Studiengang zur Uni. „Ich habe die Aushänge studiert und da stand auch das Studium für Kommunikationswissenschaften. Da ich gerne mit Leuten rede, schrieb ich mich ein.“ Dazu kamen noch „Deutsche Literatur“ und „Werbepsychologie“. Allerdings hatte er damals schon andere Schwerpunkte im Leben: „Ich machte zu dieser Zeit schon Musik und darauf lag auch mein Fokus.“ Entsprechend verlief die Studienzeit. „Zwar habe ich tatsächlich abgeschlossen, aber nach ‚glorreichen‘ 16 Semestern“, lacht er. Sein Markt- und Werbeprofessor verabschiedete ihn mit den Worten: „Herr Schmidbauer, ich gebe ihnen eine Vier, aber nur wenn sie mir versprechen niemals in diesem Metier zu arbeiten“.

Werner Schmidbauer hat früh mit der Musik begonnen. „Folksfest“, zusammen mit Valerie McLeary und Ecco Meinecke, ist nur eine seiner erfolgreichen Stationen. 1994 kam mit „SchmidbauerS“ seine erste Solo-CD, nach der Schmidbauer Band das Duo Schmidbauer/Kälberer. Höhepunkt sicher, die erweiterte Besetzung mit Pippo Pollina. „Der Abschluss der ‚Süden-Tour‘ in der Arena von Verona war wirklich unglaublich“, ist der Musiker immer noch begeistert. Trotzdem wagte er einen Einschnitt: Seit diesem Jahr steht Werner Schmidbauer wieder solo auf der Bühne. „Ich hatte das über 20 Jahre nicht mehr gemacht und war wahnsinnig nervös vor der ersten Show. Aber es war super schön, wieder alleine zu spielen.“ Er nutzt die Freiheiten, eines Sologigs aus: „Ich spiele Songs, die ich teilweise noch nie live gebracht habe und kann auch kurzfristig auf der Bühne das Programm noch ändern.“ Besonders stolz ist er auch, dass sein Sohn Valentin ein paar Stücke im aktuellen Programm spielt und am Ende sogar mit ihm zusammen auf der Bühne steht.

Nichtsdestotrotz geht es 2018 aber auch mit Martin Kälberer wieder an den Start, im Trio zusammen mit Pippo Pollina in einer Neuauflage des „Süden“-Projektes. „Wir kennen und schätzen uns schon so lange. Es ist einfach wunderbar mit den beiden zusammenzuspielen!“

Einzigartige Talentschmiede

Schmidbauers journalistische Karriere begann im Bayerischen Rundfunk mit der inzwischen legendären Reihe „Live aus dem Alabama“. Diese Sendung war eine wohl einzigartige Talentschmiede. „Günther Jauch, Amelie Fried, Sandra Maischberger, Giovanni di Lorenzo und viele andere waren damals in Team“, blickt Schmidbauer zurück. „Oft hat der Rundfunkrat getagt, weil wir irgendwo angeeckt waren. Wir wussten im Endeffekt einfach nicht, wie es genau geht. Aber der BR ließ uns machen und stand hinter uns.“

Wohl auch ein Grund, warum sich das damalige Team so vielfältig und bis heute erfolgreich entwickeln konnte. „Wenn ich Musik mache, singe ich sehr viel von mir selbst“, sagt der 56-Jährige. „Wenn ich journalistisch tätig bin, muss ich mich auf andere einlassen. Das hält sich wunderbar die Waage. Und durch das Einstellen auf unterschiedliche Leute und das Fragen lernt man immer dazu“, benennt der Sänger Vorzüge seines beruflichen Lebens.

Und so plant er auch weiter an künftigen Sendungen. Mit wem er künftig noch gerne auf den Berg wandern würde, verrät er nicht. Aber: „Es gibt aber noch genügend interessante Persönlichkeiten, mit denen ich am Gipfelkreuz Brotzeit machen will.“

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