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Donnerstag, 18. Januar 2018 7

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Von der Bühne ins Klassenzimmer

Elli Erl begeisterte 2004 bei DSDS mit ihrer rockigen Stimme. Als Lehrerin bleibt ihr keine Zeit für Aufnahmen.
Von Julia Weidner, MZ

Ein Popstar wurde Elli Erl nach ihrem Sieg bei DSDS nicht. Die Musik begleitete sie als Musiklehrerin aber weiter in ihrem Leben. Foto: dpa

Regensburg.Vom Rampenlicht in den Unterricht, von der Rockröhre zur Lehrerin: Diesen Weg hat Elli Erl in den letzten zwölf Jahren zurückgelegt. 2004 hat sie die zweite Staffel von Bohlens Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“ gewonnen. Zum Star wurde sie durch diesen Triumph nicht. „Mit dem Stempel DSDS auf dem Kopf ist es unglaublich schwer“, erzählt die 38-Jährige im Gespräch mit unserem Medienhaus.

Trotzdem bereut Elli nicht, dass sie an DSDS teilgenommen hat. „Durch die Show habe ich Thomas Stein kennengelernt und viel über Musik gelernt“. Stein, damals Jury-Mitglied bei DSDS, war von 2004 bis 2008 Ellis Manager. Auch jetzt sind die beiden noch befreundet. Zu Dieter Bohlen und den anderen Jurymitgliedern der zweiten Staffel hat Elli keinen Kontakt mehr. Die Realschullehrerin bezeichnet Bohlen als oberflächlich. „Er hatte nie wirklich Interesse an mir“, erzählt Elli. Außerdem habe sie erfahren, dass der Pop-Titan „hinten rum“ schlecht über sie geredet hat.

Langer Atem hat gefehlt

Nach ihrem Erfolg bei DSDS macht Elli ihr erstes Staatsexamen, reiste nach Amerika, spielte in Pubs und traf dort viele Musiker und Songwriter. Mit Grammy-Preisträger Gary Baker und Anthony Little aus Nashville arbeitete sie für ihr 2007 erschienenes Album „Moving On“ zusammen. „Doch es hat einfach nicht geklappt“, sagt Elli. Sie hat nie den Fuß in die Tür zum großen Musikbusiness bekommen. Nur ihr erstes Album „Shout It Out Loud“ schaffte es in die deutschen Album-Charts. Da blieb es genau zwei Wochen: erst auf Platz 33, dann auf Platz 68. Ihr habe der ganz lange Atem gefehlt, vermutet die 38-Jährige heute. Der große Traum, irgendwann nur von der Musik leben zu können, war gescheitert. Nach sechs Jahren ohne den erhofften Durchbruch in der Pop- und Rock-Szene hängte Elli ihre Karriere als Vollzeit-Musikerin an den Nagel und begann ihre Laufbahn als Lehrerin. „Wenn ich noch länger mit dem Referendariat gewartet hätte, wäre mein erstes Staatsexamen verfallen, das wäre dämlich gewesen“, sagt sie.

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Jetzt unterrichtet sie an einer Realschule in Düsseldorf Musik, Sport und Englisch. Und sie geht in ihrem Job auf. „Tatsächlich muss man das Lehrer-Sein lieben, sonst geht man ein“, erzählt Elli. Am besten gefällt ihr zu sehen, wie die Schüler von Fünftklässlern zu Erwachsenen heranwachsen. Nächstes Jahr feiert ihre Klasse Abschluss. Wenn sie daran denkt, wie ihre Schüler in schicken Abendkleidern und im Anzug vor ihr stehen, muss sie schlucken: „Ich weiß jetzt schon, dass ich an diesem Tag weinen werde.“

Ihre Schüler wussten nicht, dass ihre Lehrerin einmal eine der größten Casting-Shows in Deutschland gewonnen hat. „Die waren teilweise damals noch gar nicht auf der Welt“, sagt Elli. Erst die Eltern erkennen sie und so verbreitet sich Ellis Vergangenheit. Für die 38-Jährige ist das kein Problem: „DSDS ist kurz Thema in der Klasse, dann blenden die Schüler das aus und ich bin nur noch Frau Erl.“

Elli schrieb über DSDS

Ihre Erfahrung aus der DSDS-Zeit kann sie im Unterricht kaum einbringen. Für eine Schulbuchreihe schrieb sie ihr Abenteuer 2011 aber in einem autobiographischen Jugendroman nieder. Zuerst war Elli skeptisch. „Ein Buch schreiben? Eigentlich bin ich Musikerin und Lehrerin.“ Doch mit der Hilfe einer Co-Autorin machte das Ganze „sau viel Spaß“. Im Rahmen einer Partnerschaft mit einer Schule in Nambia stellte Elli in den Osterferien 2013 ihr Buch dort in einer deutschen Schule vor. In dem afrikanischen Land wurde „Gecastet“ fest in den Lehrplan für Deutsch als Fremdsprache aufgenommen, erzählt Elli stolz.

„In den letzten Jahren habe ich die Musik schleifen lassen“

Elli Erl

In ihrem eigenen Unterricht hat sie den pädagogischen Jugendroman behandelt. Sie würde ihren Schülern niemals raten, sich bei einer Casting-Show anzumelden. „Oft überschätzt man sich. Und niemand sollte sich im Fernsehen blamieren“, sagt die Realschullehrerin. Am Ende sei die Teilnahme Entscheidung der Eltern.

In den letzten Jahren wollte Elli sich vollkommen auf ihren Beruf konzentrieren, nebenbei hat die Ruhe und Kraft für ein Album gefehlt. „In den letzten Jahren habe ich die Musik schleifen lassen“, sagt sie wehmütig. 2016 hatte sie wieder mehr kleine Auftritte, spielte in Kneipen und Restaurants, sang auf Hochzeiten. Für 2021 plant Elli ein Sabbatjahr. Bis dahin will sie Lieder für ein neues Album schreiben. Drei Songs hat sie schon fertig, bis sie zu hören sind, dauert es noch ein Weilchen. Dann legt Elli den umgekehrten Weg zurück: Es geht vom Klassenzimmer ins Rampenlicht.

Was macht eigentlich...? Alle Teile unserer Serie zu ehemaligen Casting-Show-Teilnehmern aus der Region finden Sie hier.

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