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Bayern
Montag, 11. Dezember 2017 4

Serie

Die Geburt Christi von Hand gemacht

Unterwegs mit dem Krippenbauer Raimund Pöllmann. In fünf bayerischen Kirchen gestaltet er die Weihnachtsgeschichte in verschiedenen Szenen.
Von Philipp Froschhammer, MZ

  • Die aktuelle Darstellung in der Neupfarrkirche zeigt Maria und Josef auf Herbergssuche. Fotos: Froschhammer
  • Ganz gewissenhaft gestaltet Raimund Pöllmann seine Krippe.

Regensburg.Ein kühler, winterlicher Wind weht über den Neupfarrplatz. Die Leute drängen sich vor den Ständen des Christkindlmarkts zusammen und der Weihnachtsrummel ist in vollem Gange. Doch davon will man in der Neupfarrkirche nichts wissen. In dem besinnlichen Umfeld des evangelischen Gotteshauses wird gerade das Herzstück der abendlichen Adventsgottesdienste vorbereitet: die Krippe.

Im Nebenzimmer des Altarraums kramt der Krippenbauer Raimund Pöllmann in zwei unscheinbaren Kisten. In diesen Umzugkartons lagern fast elf Monate lang die zehn Krippenfiguren in der Stube des Mesners und warten auf ihren großen Einsatz in der Adventszeit. Bereits in den späten 1950er Jahren hat Pöllmann den Krippenbau für sich entdeckt. Vor neun Jahren hat er dann für die Neupfarrkirche eine Krippe samt Figuren angefertigt. Neben dieser Darstellung ist er für die Krippe in der Regensburger Karmelitenkirche, der Kirche Kreuzberg Schwandorf, der Kirche in Ettmannsdorf sowie des Gotteshauses bei Reisach an der österreichischen Grenze verantwortlich. Bis zum Dreikönigstag am 6.Dezember verändert er dort jede Woche die Krippenbesetzung, so dass die Weihnachtsgeschichte fortlaufend dargestellt wird. „Nach der Verkündigung, in der der Engel Maria die Geburt von Jesus prophezeit, kommt die Heimsuchung am zweiten und die Herbergssuche am dritten Advent. Dann kommt natürlich Weihnachten und zum Schluss die Heiligen Drei Könige“, erklärt Pöllmann die einzelnen Stufen der Weihnachtsgeschichte.

Marias Bauch aus Fadenwerk

Sehr liebevoll und vorsichtig sortiert Pöllmann die Figuren, trägt sie zur Krippe, legt sie dann aber vorerst zur Seite. Denn schon bevor er richtig mit dem Aufbau angefangen hat, sticht ihm ein optischer Fehlgriff ins Auge: „Ein violettes Tuch als Umrandung für den Tisch sieht nicht gut aus. Ein dunkelgrüner oder brauner Stoff wäre am schönsten.“ Darum kümmert sich Hans Köhler, der Diakon und Mesner der Neupfarrkirche, der fünf Minuten später mit einem perfekten, braunen Tuch auftaucht. Währenddessen bereitet Pöllmann die Krippe für den nächsten Schritt der Weihnachtsgeschichte vor, indem er das Stroh auf dem Boden verteilt, den Baum in der Ecke richtig platziert und die kleine, weiße Taube, die den heiligen Geist darstellt, in die richtige Position rückt. Zusammen befestigen Köhler und Pöllmann das braune Tuch an der Tischkante und sorgen dadurch für die passende Optik. Und schon können die Figuren mit einem Nagel im Tisch an der passenden Stelle befestigt werden. „Die Figuren stehen aber nicht immer an der selben Stelle. Ich platziere sie, je nachdem wie es mir gerade in den Sinn kommt“, meint Pöllmann und geht ein paar Schritte zurück, um sein Werk zu betrachten.

Um die zeitlichen Sprünge der einzelnen Darstellungen zu verdeutlichen greift Pöllmann zu einem Trick. Nach der Verkündung, bei der Maria Jesus durch den heiligen Geist empfangen hat, stopft der Krippenbauer nach und nach Fadenwerk unter Marias Kleidung. Dadurch wächst der Bauch der heiligen Jungfrau in jeder Darstellung und verdeutlicht somit den Fortschritt der Schwangerschaft. „An Weihnachten, wenn Jesus geboren ist, nehme ich das Werk wieder raus“, erklärt Pöllmann.

Die Figuren hat der Krippenbauer speziell für die Neupfarrkirche angefertigt. Kein Problem für Pöllmann, der als Leiter des Schwandorfer Marionettentheaters jährlich für die Stücke neue Figuren herstellt. Der Kopf ist dabei aus Terrakotta und wurde von Pöllmann nach dem Vorbild alter Zeichnungen und Statuen modelliert. Die Hände und Füße hat er aus Holz gemacht. „Auch die Flügel habe ich mit einem scharfen Messer und spezieller Technik geschnitz“, berichtet Pöllmann und deutet dabei auf die Figur von Engel Gabriel. Der Körper wird aus fest verknotetem Fadenwerk modelliert, so dass die Körperhaltung der Figur je nach dargestellter Szene verändert werden kann. Darüber tragen die Figuren Kleidungsstücke, die von Christine Pöllmann, der Frau des Krippenbauers, genäht wurden. „Wie die Körper der Figuren aussehen ist egal, weil sie sowieso alle Klamotten tragen“, sagt Pöllmann und entblößt dabei das Bein der heiligen Jungfrau Maria, das etwas an einen Fadenknäuel aus dem Baumarkt erinnert. Auch die Krippe hat er selbst entworfen. Doch um das Gebäude zu konstruieren, hat sich auch der erfahrene Handwerker Hilfe geholt. Unter seiner Leitung bauten Mitglieder des Krippenvereins Regensburg an zehn Arbeitstagen die Krippe aus Karton.

„Wir haben so viele Figuren“

Über spezielle Farbsymbolik bei den Kleidungsstücken der Figuren hat sich Pöllmann keine Gedanken gemacht. Natürlich ist auch die Maria in der Neupfarrkirche in den Farben Rot und Blau gekleidet, die auf christlichen Kunstwerken charakteristisch für die heilige Jungfrau sind. Ansonsten entscheidet er die farbliche Abstimmung der Stoffe selbst, je nachdem wie es ihm gefällt. Eine Lieblingsfigur hat Pöllmann nicht. Er baut bereits seit 1957 seine eigenen Krippen. „Wir haben so viele Figuren, dass ich gar nicht mehr weiß, was es da alles gibt“, gesteht Pöllmann im Gedanken an seine Sammlung.

Nach nicht einmal einer Stunde hat der routinierte Krippenbauer alle Figuren platziert, die Krippe auf Vordermann gebracht und die Kleidung der Figuren mit Textilerfrischer gereinigt. „Bei mir muss das schnell gehen, ich hab nicht so viel Zeit. Andere brauchen für eine Aufstellung oft eine ganze Woche“, meint Pöllmann und räumt sein Werkzeug auf. So muss er auch hier nach getaner Arbeit gleich ans Weiterfahren denken. Vor allem in der Adventszeit quillt Pöllmanns Terminkalender über: „Ich war heute morgen noch in Reisach, weil ich gestern dort die Krippe aufgebaut habe. Jetzt muss ich dann noch ein Stück im Marionettentheater aufführen.“

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