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Bayern
Freitag, 15. Dezember 2017 3

Wanderbare Region

Hoch hinaus, schnell hinunter

Diesmal geht es in der Freizeitserie nach St. Englmar. Dort schauen wir auf dem Waldwipfelweg den Bäumen bis in die Spitzen und testen unser Naturwissen.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

  • In bis zu 30 Metern Höhe läuft man auf dem Waldwipfelweg an den Bäumen vorbei. Bei gutem Wetter hat man eine phantastische Aussicht – wer Glück hat, kann sogar den Watzmann sehen.Fotos: Stöcker-Gietl
  • Fußmarsch über den Skihang Richtung Sommerrodelbahn
  • Riese und Zwerge: Das Phänomen des Beuchet-Stuhls.

Maibrunn. Zwischen Beschleunigen und Entschleunigen liegen nur ein Kilometer und eine Steigung. Wir sind im Bayerischen Wald unterwegs, genauer gesagt in St. Englmar. Im Ortsteil Maibrunn gibt es seit 2008 den Waldwipfelweg. Auf einer Länge von 370 Metern kann man in 30 Metern Höhe den Bäumen bis in die Spitzen schauen. Auf unserer heutigen Tour wird dies der geruhsame Teil sein. Für den Nachmittag bestehen die Kinder auf Tempo. Das nehmen wir einen Hang weiter im Ortsteil Grün auf.

Fernsicht bis zum Watzmann

Von Regensburg aus fährt man in weniger als einer Stunde nach St. Engl-mar. Wer am zeitigen Vormittag in den Waldwipfelweg kommt, der kann sich an den einzelnen Stationen noch Zeit lassen und die herrlichen Ausblicke genießen, ohne den Besucherstrom zu blockieren. An ganz wenigen Tagen im Jahr kann man von der Aussichtsplattform bis zum Watzmann oder zum Wilden Kaiser schauen – so verspricht es die Info-Tafel. Wir schaffen es nicht ganz so weit. Aber immerhin bis in die Gäubodenebenen.

Weitere Besucher schlendern heran. Der Boden der Plattform in luftiger Höhe fibriert. Das ist für empfindliche Menschen schon eine gewisse Herausforderung. Das merken auch die Kinder und hüpfen gleich noch hinterlistig ein paarmal auf und ab, damit es den Erwachsenen so richtig weich in den Knien wird.

Die Wanderung über den imposanten Holzsteg wird immer wieder durch kleine Ratespiele unterbrochen. In Schaukästen kann man Vögel begutachten und ihre Singstimmen erraten. Aus 30 Metern riskieren wir einen Blick nach unten, wo die Menschen in Ameisengröße vorbeilaufen. Ganz neu ist eine Hängebrücke – ein Höhepunkt für die Kinder. Wir müssen erst mal unsere Höhenangst hinunterschlucken, um diese zu überqueren.

An den Fichtenästen vorbei geht es nun wieder zurück auf den duftenden Waldboden. Dort machen sich Anna-Lena, Antonia, Johanna und Theresa auf die Spur der Naturgeheimnisse. An Mitmachstationen müssen sie Fragen zu Waldbewohnern beantworten. Dann geht es um die Müllsünden im Wald. Wie lange braucht ein Schuh, bis er sich zersetzt hat? Immerhin 50 Jahre. Als es um die Verrottung von Glas geht, liegen Kinder und Erwachsene völlig falsch. Es würde 50 000 Jahre dauern. „Da sind wir ja schon nicht mehr da“, stellen die Kinder fest.

Aus Kindern werden Riesen

Ein riesiger Ameisenhaufen säumt wenig später unseren Weg. Eine Lupe erlaubt einen genauen Blick auf das wilde Gewusel. Gleich daneben geht es in eine Höhle, wo der Pfad der optischen Phänomene startet. Wer in Physik nicht aufgepasst hat, kann hier so einiges lernen. Wie etwa anamorphotische Bilder funktionieren und wer sie früher verwendete oder wie die Pferdeschwanztäuschung unser Auge austrickst. Es ist gar nicht so einfach, manche Sinnestäuschung zu erkennen. „Da muss man sich ganz schön anstrengen“, finden Antonia und Theresa und laufen wieder ins Freie. Sie wollen ihre Energie heute noch für andere Dinge verwenden und halten sich deshalb nicht allzu lange mit den optischen Phänomenen auf.

Im Vorbeilaufen nehmen wir noch einen kurzen Blick auf ein neugeborenes Alpaka mit und testen den sogenannten Beuchet-Stuhl, der die Kinder wahlweise in Riesen oder Zwerge verwandeln kann.

Im Woid-Wipfe-Häusl ist es inzwischen gut voll. Bei herrlichem Sonnenschein sitzen die Gäste bei der Sonntagsbrotzeit. Hier hat man nicht nur einen tollen Blick auf den Waldwipfelweg, sondern auch den Kinderspielplatz mit vielen schönen Geräten gut im Auge. Die Tiergehege sind gleich um die Ecke. Derzeit entsteht hier auch eine neue Attraktion: ein Haus, das auf dem Kopf steht. Noch ist es allerdings eingerüstet und wir können nicht sehen, was sich dahinter verbirgt. Und die Kinder drängen sowieso zum Aufbruch.

Wir laufen vom Parkplatz über die Straße am Berghotel Maibrunn vorbei immer am Skilift entlang den Hang hinunter. Ein kurzes Stück müssen wir noch die Verbindungsstraße entlanglaufen und beim Kramerwirt die Straße überqueren, dann erreichen wir das Gelände der Sommerrodelbahn. Dort ist in den Mittagsstunden kein allzugroßer Andrang und die Kinder starten abwechselnd mit Bob und Coaster. Als sie hören, dass im Sommer noch eine Wasserbahn hinzukommen wird, planen sie schon den nächsten Ausflug nach St. Englmar. Die Freizeitanlage auf dem Egidi-Buckel bietet neben den Bahnen auch einen Wasser- und Sandspielplatz, Rutschen, Trampoline, Bumper-Boote und eine preiswerte Gastronomie. Sonntags werden auch frische Kiachl gebacken. Das gefällt uns Erwachsenen besonders gut.

Der Rückmarsch über den Skihang wird für die fünfjährige Johanna anstrengend. Mit Ruhepausen auf den Aussichtsbänken und einem Gehstock schafft sie es aber. Und könnte nun glatt noch einmal den Waldwipfelweg laufen. Zur Entschleunigung.

Informationen zu diesem Ausflugstipp:

Die Route: Für den knapp 3 Kilometer langen Waldwipfelweg sollte man zwei Stunden Zeit einplanen. Die Sommerrodelbahn ist ca. 1 Kilometer entfernt.

Für wen geeignet: Für die ganze Familie. Waldwipfelweg und Sommerrodelbahngelände sind kinderwagengeeignet.

Kosten: Waldwipfelweg: Familieneintritt 18 Euro, Sommerrodelbahn pro Fahrt 2 Euro für Kinder. Ermäßigung mit der MZ-Card.

Anreise: Von Regensburg über die A 3 bis Straubing-Bogen dort der Beschilderung Richtung St. Engmar folgen und Richtung Maibrunn abbiegen.

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