mz_logo

Im Museum
Samstag, 16. Dezember 2017 6

Eröffnung

Geh hin, wo der Pfeffer wächst

Im neuen Kulmbacher Gewürzmuseum kann man fühlen, schmecken, riechen und viel über die Geschichte der Gewürze lernen.
Von Kathrin Zeilmann, dpa

Ein Korb mit Chili-Gewürz ist im Gewürzmuseum in Kulmbach zu sehen. Foto: dpa

Kulmbach.Gleich im ersten Abschnitt des neuen Gewürzmuseums in Kulmbach dürfen die Besucher hineingreifen in Säcke voller Gewürze. Kümmel, Anis, Nelken, Pfefferkörner – alles da: ein Gewirr exotischer Düfte. „Alle Sinne werden bedient“, sagt Geschäftsführerin Sigrid Daum. Von diesem Wochenende an ist das Museum für die Besucher geöffnet. Entstanden ist eine Ausstellung, die die Welt und die Geschichte der Gewürze mit vielen anderen Aspekten verknüpft – so ist etwa der Reiseweg exotischer Gewürze im Spätmittelalter von Fernost bis nach Venedig nachgezeichnet.

Man erfährt, wie die Kaufleute in Venedig mit Gewürzen handelten und die Stadt reich machten. Man lernt, dass Würzen ein Statussymbol war – wer es sich leisten konnte, verfeinerte seine Speisen mit Gewürzen aus fernen Ländern. Nürnberg war im Spätmittelalter das wichtigste Zentrum für den Gewürzhandel im deutschsprachigen Raum – die Tradition des Lebkuchenbackens mit den vielen Gewürzen zeugt noch heute davon. Wer Gewürze, etwa den teuren und wertvollen Safran, streckte oder fälschte, musste damals mit empfindlichen Strafen rechnen.

Das neue Gewürzmuseum ergänzt ein bereits jetzt belebtes Museumsareal: Auf dem früheren Gelände der Mönchshof-Brauerei gibt es schon ein Brauerei- und ein Bäckereimuseum, jetzt folgen die Gewürze. Etwa vier Millionen Euro hat es gekostet, aus einem noch nicht sanierten Teil der Industriebrache ein modernes Gewürzmuseum zu machen. „Wir sind kein Vitrinenmuseum, das wir morgens aufsperren und abends wieder zusperren“, sagt Daum. Im Museumspädagogischen Zentrum gleich nebenan mit Bibliothek sowie Schau- und Lehrküche gibt es pro Jahr mehr als 200 Veranstaltungen.

Skurrile Museen in Bayern

Herzstück des Gewürzmuseums ist das Botanikum, in dem zu sehen ist, wie die Pflanzen ausschauen, bevor sie zu Gewürzen weiterverarbeitet werden. Anhand von Gewürzen aus verschiedenen Epochen wird zudem gezeigt, wie sich das Kochen von der Antike bis heute entwickelt hat – und wie die Deutschen in den 1960er Jahren ihre Vorliebe für italienisches Essen und damit für Gewürze wie Oregano oder Basilikum entdeckt haben. „Später kamen dann asiatische Gewürze zu uns und auch der Ingwer“, schildert Daum.

Heute beliefert die deutsche Gewürzbranche vor allem Großabnehmer wie das Fleischerhandwerk oder die Lebensmittelindustrie. Nur etwa ein Drittel wird an Endverbraucher verkauft, wie der Fachverband Gewürzindustrie in Bonn erläutert. Der Gesamtumsatz der Branche lag im Jahr 2013 bei etwas über eine Milliarde Euro.

Für das Kulmbacher Museum hat Museumschef Bernd Sauermann jahrelang Exponate zusammengetragen. In der Abteilung, die die Heilkraft der Gewürze beschreibt, steht etwa ein historischer Apothekerschrank aus dem Alpenraum. Die vier Millionen Euro Kosten für das Museum sind weitgehend aus öffentlichen Mitteln finanziert worden, zehn Prozent hat der Trägerverein beigesteuert, der auch für Brauerei- und Bäckereimuseum verantwortlich ist.

Lage des Gewürzmuseums:

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht