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Im Museum
Freitag, 15. Dezember 2017 3

MZ-Serie

Museum zeigt Feuerwehrgeschichte

Es gab Zeiten, da hatte die Münchner Feuerwehr nur einen Einsatz pro Woche. Davon erzählt heute noch das Feuerwehrmuseum.
Von Katia Meyer-Tien, MZ

  • Auch das ist Feuerwehrgeschichte: Der Nachbau eines Luftschutzbunkers aus dem Jahr 1943. Alle Installationen im Museum sind von Münchner Feuerwehrleuten gebaut worden. Foto: Meyer-Tien
  • Andreas Felsner mit einem historischen Feuerwehrwagen. Foto: Meyer-Tien

München. „Ich staune jedes Mal wieder, wenn ich hier stehe“, sagt Andreas Felsner und deutet auf eine große Glasvitrine. Darin steht, aus edlem Holz, mannshoch und verziert mit Schnitzereien, ein Brandmeldetelegraph. Bis 1965 gingen hier die Brandmeldungen aus dem Münchner Stadtgebiet ein, per Morsezeichen. „Bis 1965!“, ruft Felsner: „Da haben die Leute schon ferngesehen und telefoniert!“.

Andreas Felsner ist Pressesprecher der Branddirektion München. Immer wieder wundert er sich, immer wieder liest er selber gewissenhaft nach, als durch das Museum führt. Das Münchner Feuerwehrmuseum, 1979 zum 100jährigen Bestehen der Münchner Berufsfeuerwehr eingerichtet, ist eine kuriose Mischung aus Zeit-, Stadt- und Technikgeschichte, liebevoll präsentiert und komplett in Eigenarbeit eingerichtet: Ein Museum von Feuerwehrleuten über die Feuerwehr. Da gibt es das, was man von einem Feuerwehrmuseum erwartet: Schauvitrinen mit antiken Helmen, Dienstabzeichen und Uniformen, das alte Haustürschild der Haupttfeuerwache. Nachbildungen und Bilder alter Rüstfahrzeuge und Löschzüge.

Doch das erwartbare ist längst nicht alles, was sich in den zwei Räumen der Münchner Hauptfeuerwache finden lässt. Detailgetreu nachgebaut in einer kleinen Wandnische entdeckt der Besucher das Turmzimmer des Alten Peter, von dem aus früher der Turmwächter über die Stadt schaute. Brannte es links der Isar, schwenkte er die blaue Fahne aus dem Fenster, war das Feuer rechts der Isar, hielt er die rote Fahne heraus. Und Felsner hat noch mehr zu bieten: Eine Treppe hinab, ein paar Schritte um die Ecke, und schon ist es dunkel. An der Wand hängt ein Schild „Vorsicht bei Gesprächen! Feind hört mit!“, eine dürftige Notbeleuchtung erhellt einen kleinen Holztisch, darauf eine Schreibmaschine, zwei Telefone, dahinter eine Tafel, mit Kreide darauf das Datum: 22.3.1943. Es ist der Nachbau eines Lufschutzkellers, beklemmendes Zeugnis einer düsteren Zeit, in der selbst die Feuerwehr nicht mehr Feuerwehr sein durfte, sondern als „technische Polizeitruppe“ geführt wurde. Feuerwehrautos waren grün zu jener Zeit.

Ein Feuerwehreinsatz pro Woche

Bis 1965 gingen hier die Münchner Feuermeldungen ein. Foto: Meyer-Tien

Seit 1879 gibt es in München ein Berufsfeuerwehr. Arnold von Zenetti, als Stadtbaurat unter anderem für den Bau der Schrannenhalle, zahlreicher Villen und Stadthäuser, für den Entwurf des Karlstors, der Maximiliansbrücke und des Schlachthofes verantwortlich, hatte zunächst 1866 eine Freiwillige Feuerwehr geschaffen und auch geleitet. Eine Reihe von Glockenschildern zeugen im Museum von dieser Zeit: Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr hängten sie an ihr Haus und nahmen sie ab, wenn sie zum Einsatz gingen. Sah jemand trotz Feueralarms ein Glockenschild am Haus eines Feuerwehrmannes, wusste er: Dem muss ich noch Bescheid sagen.

Das funktionierte eine Weile gut, doch die Stadt wuchs, und so nahmen am 1. Juli 1879 die ersten 24 Berufsfeuerwehrmänner Münchens ihre Arbeit auf. Noch hatten sie nicht allzu viel zu tun: etwa einen Einsatz pro Woche hatten die Männer in diesen Anfangszeiten.

Doch das änderte sich schnell. Aus der Zeit zwischen den Weltkriegen findet sich ein Gerät, bei dem auch Felsner wieder genauer hinschauen muss: Ein „Wiederbeleber“ bei dem die Arme eines Bewusstlosen an ein Holzgestellt gehängt werden, das auf und ab bewegt wird. So sollte die Atmung des Patienten ersetzt werden.

Skurrile Museen in Bayern

In der Zeit nach den Weltkriegen bseschäftigen Stürme und Überschwemmungen, Großbrände und Zugunglücke die Feuerwehr. 1953 brennt das Deutsche Museum, 1958 durchschlägt ein Flugzeug den Begrenzungszaun des Flughafen München-Riem, trifft ein Haus und fängt Feuer. Für 22 Menschen kommt jede Hilfe zu spät. Nur zwei Jahr später fällt über der Münchner Innenstadt das Triebwerk eines Flugzeugs aus, die Maschine stürzt auf eine Straßenbahn, 50 Menschen sterben.

So wächst mit ihren Aufgaben auch die Feuerwehr. Ende der 1960er Jahre gibt es bereits einen speziellen Rüstwagen für Ölunfälle, ab 1966 ist auch der Müncher Notarztdienst Teil der Feuerwehr, 1978 wird er um einen speziellen Neugeborenen-Notdienst ergänzt, seit 1972 gibt es einen gemeinsamen Notarztdienst der Landeshauptstadt und des Landkreises München. Der 1980 beim Anschlag auf das Oktoerfest im Dauereinsatz ist: Mehr als ein Dutzend Menschen sterben, mehr als 200 Verletzt müssen versorgt werden.

Beklemmung auf Knopfdruck

Die Überreste der 1983 in München verunglückten U-Bahn. Foto: Meyer-Tien

Ebenso viele Menschen sind in Gefahr, als 1983 ein Kurzschluss in einem Lüfterkabel einen U-Bahnzug am Königsplatz in Brand setzt. Im Museum hat der völlig zerstörte Zug von damals hat einen eigenen Raum. Beklemmung auf Knopfdruck: Der Schalter zum Öffnen der Türen startet ein Tonband, das das Unglück von damals nacherzählt. Sekundenschnell waren damals die Tunnel voll von dichtem Quam, es dauerte, bis die Einsatzkräfte überhaupt die Brandstelle fanden. Im Museum sieht man lebensgroße Feuerwehrpuppen, die sich durch das Dunkel kämpfen. Gänsehaut.

Heute würden bei einem solchen Nofall Wärmebildkameras eingesetzt. Auch die werden eines Tages im Museum zu sehen sein. Dann wird die heutige Feuerwehr Geschichte sein. Und mit ihr ihre heute 1725 Beschäftigten, die in zehn Feuerwachen mehr als 70 000 Alarme im Jahr bewältigt. Der Brandmeldetelegraph in der Vitrine wäre damit wohl überfordert gewesen.

Weitere Teile unserer Museums-Serie gibt es hier.

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