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Niederbayern
Sonntag, 19. November 2017 7

Geschichte

Ein Schaufenster für die Schlesier

Ein Straubinger Museum beleuchtet das Leben der Schlesier in Bayern. Für die Landsmannschaft geht ein Traum in Erfüllung.
Von Melanie Bäumel-Schachtner, MZ

Zeigen die Tracht aus dem Riesengebirge: Jürgen Tanne, Vorsitzender der örtlichen Landsmannschaft der Sudetendeutschen (links,) und Landesvorsitzender Christian Kuznik. Foto: Bäumel-Schachtner

Straubing.Am Wochenende ist das „Schlesische Schaufenster in Bayern“ eingeweiht worden. So heißt das neue Museum der Schlesier in Straubing. Nach langer Suche nach einem geeigneten Ort hat es nun eine Heimat: im zweiten Stock des Straubinger Herzogsschlosses.

Nicht alles ist wertvoll im neuen „Schlesischen Schaufenster in Bayern“, wie das neue Museum heißt. Aber irgendwie doch. Denn alles, was die Schlesier bei ihrer Vertreibung ab Anfang 1945 mit ins Exil genommen haben, war den Menschen so viel wert, dass sie es tausende Kilometer mitnahmen auf ihrem Weg in eine ungewisse Zukunft. Sie hatten Glas und Keramik dabei, Puppen, Bekleidung und Figuren, Modelle von bekannten Bauwerken und bestickte Hauben und sogar eine große Holzfigur der Heiligen Hedwig. Erinnerungen an die Heimat, die sie verloren – Stücke, die Emotionen hervorrufen.

Eine Million Schlesier im Freistaat

In so einen Koffer musste ein ganzes Leben passen. Foto: Bäumel-Schachtner

Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs gehörte Schlesien zu Deutschland. Nach dem verlorenen Krieg flohen 4,5 Millionen Deutsche vor der Roten Armee. „Nach Bayern kamen rund eine Million Schlesier“, weiß Christian Kuznik, Landesvorsitzender der Schlesier in Bayern, der das neue Museum mit Helfern in Bayern aufgebaut hat.

„Wir wollten mit der neuen Einrichtung Spuren hinterlassen von den Schlesiern, die in Bayern gelebt haben und leben“, erklärt er. Aber es sollen auch alle Bürger, die keine schlesischen Wurzeln haben, eingeladen werden, sich in die Geschichte von Schlesien zu vertiefen, das 13 Nobelpreisträger hervorgebracht hat, wo man schon Ski fuhr, als viele die Sportart noch gar nicht kannten, und wo es Industriegebiete gab, die älter als der Ruhrpott sind. All diesen Pionierleistungen sind Exponate gewidmet.

Flüchtlingsausweise erinnern an die Vertreibung. Foto: Bäumel-Schachtner

Lange war die Landsmannschaft auf der Suche nach Räumen. Mit Straubing ging ein Wunschtraum in Erfüllung. Der Aufbau des Museums konnte beginnen und hat rund eineinhalb Jahre gedauert. „Wir haben viel mehr Exponate bekommen, als wir ausstellen können“, so Christian Kuznik. „Wir werden daher wechselnde Ausstellungen zeigen.“

8 000 Vertriebene in Straubing

Straubing sei ein geeigneter Ort, erklärt Jürgen Tanne, Vorsitzender der örtlichen Landsmannschaft, der beim Aufbau des Museums maßgeblich beteiligt war: „Hierher kamen rund 8 000 Vertriebene.“ Um das Museum betreiben zu können, wurde die „Stiftung Schlesien.Bayern MMIX“ gegründet. Gefördert wird die Einrichtung vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales.

Ist ideell wertvoll: Glas aus der Heimat. Foto: Bäumel-Schachtner

Statt langer Erklärungen gibt es im Museum nur kurze Infotafeln – die Ausstellungsstücke machen die Geschichte Schlesiens plastisch und lebendig. Und so werden in Zukunft wohl auch viele junge Menschen vor dem kleinen, alten Koffer stehen, in dem so wenig Platz hatte für einen Start in ein neues Leben fernab der Heimat. „Fluchtgepäck“ steht auf einem Schild vor dem grauen Reisestück.

In der Vitrine oben liegen Flüchtlingsausweise. Und doch zeigt gerade der letzte Raum, was die Schlesier trotz ihrer Vertreibung geschafft haben: zum Fortschritt in Bayern beizutragen, egal, ob auf dem Agrarsektor, bei der Wirtschaft oder in kulturellen Angelegenheiten, und gleichzeitig ihre Identität zu bewahren.

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230 Quadratmeter Ausstellungsfläche

  • Aufbau:

    Die Landsmannschaft der Schlesier hat sich viele Jahre um ein Museum bemüht und mehrere Standorte im Visier gehabt, doch nirgends wurde etwas daraus – bis jetzt.

  • Eintritt:

    Der Eintritt für das neue Museum beträgt 2,50 Euro. Unterteilt ist die 230 Quadratmeter große Schau in die vier Teile Fahnen, Geschichte, Wirtschaft und Nachkriegszeit.

  • Adresse:

    Schlesisches Schaufenster in Bayern, Schlossplatz 2 b. Das Museum ist über Haupteingang und Treppenhaus des Straubinger Herzogsschlosses am Fuße der Donau zu erreichen.

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