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Niederbayern
Samstag, 20. Januar 2018 10

Asyl

Eine Kleinstadt aus Zelten erhebt sich

In nur 72 Stunden entsteht in Feldkirchen bei Straubing ein gigantisches Zeltlager. Die ersten Flüchtlinge sind schon da.

Bei der Gäubodenkaserne in Feldkirchen steht nun ein Zeltlager für bis zu 5000 Flüchtlinge. Foto: dpa

Feldkirchen. Es dauerte nur 72 Stunden – dann wurde in Niederbayern eine Stadt aus Zelten geboren. Ursprünglich hatte man dafür acht bis zehn Tage eingeplant. Doch die Kurzeit-Bewohner sind schon unterwegs: Bundeswehr, Technisches Hilfswerk und das Rote Kreuz haben in Feldkirchen bei Straubing mehr als 200 Zelte aufgestellt, in denen bis zu 5000 Flüchtlinge untergebracht werden können. Das bestätigte Rotes-Kreuz-Sprecher Günther Geiger der MZ. Bis Montagnachmittag habe man hier 148 Flüchtlinge bereits registriert. Die Zeltstadt soll aber nach den Worten von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nur ein „Wartebereich“ sein. Niemand soll hier auf Dauer untergebracht werden.

Der Bund will mit diesen neuen „Wartebereichen“ die Bundesländer in Grenznähe entlasten. Eine weiteres derartiges Zentrum soll bald im oberbayerischen Erding geplant. Noch vor kurzem wollte die Politik Zeltlager parteiübergreifend vermeiden. Nun sind auch in anderen Bundesländern Zeltlager geplant. Das Gelände neben der Gäubodenkaserne in Straubing unterliegt seit Montag nicht mehr der Bundeswehr. Das Gebiet sei dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge übergeben worden, teilt die Bundeswehr mit.

Die Zelte können beheizt werden

„Militärischer Bereich und Wartebereich“ seien klar getrennt worden, erklärt auch DRK-Sprecher Geiger. Man sei völlig eigenständig. Zwar sei das Gelände eingezäunt und werde auch von Sicherheitskräften überwacht, aber: „Wir sind offen. Jeder kann rein- und rausgehen, wie er will. Da gibt es keinerlei Beschränkungen.“ Die Zelte seien qualitativ zwar hochwertig, sagt Geiger, aber momentan nicht für Minusgrade ausgelegt. Die Zelte könnten aber beheizt werden. Ob das bald der Fall sein wird, kann Geiger nicht sagen. „Wir werden sehen, wie sich das längerfristig weiterentwickelt.“ In Feldkirchen seien aber Einsatzkräfte aus aller Welt versammelt – unter anderem seien Experten aus Norwegen und Kanada vor Ort. Die Stärke der Mitarbeiter und Helfer im Lage richte sich immer nach der aktuellen Lage. „Wir erfahren immer zwei Stunden vorher, wenn was kommt“, sagt Geiger.

In Bayern sind unterdessen am Wochenende wieder mehr Flüchtlinge angekommen. Am Sonntag reisten nach Angaben des Innenministeriums 5378 Asylsuchende ein, deutlich mehr als in den Vortagen, aber sehr viel weniger als an den Rekordwochenenden der ersten Septemberhälfte. Der Freistaat beherbergt nach den Worten von Innenminister Herrmann mittlerweile 30 000 Flüchtlinge, die eigentlich von den übrigen 15 Bundesländern aufgenommen werden müssten. „Es kann nicht sein, dass Bayern allein ständig den Puffer bildet“, sagte der CSU-Politiker. (pd/dpa/afp)

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