mz_logo

Niederbayern
Dienstag, 23. Januar 2018 5

Unglück

Obdachloser wird in Müll-Lkw gekippt

Schwere Verletzungen hat ein 41 Jahre alter Mann in Nürnberg erlitten, der sich in einem Container mit Papier zugedeckt hat.

Mit einem Rettungswagen wurde der Obdachlose ins Krankenhaus gebracht. Foto: Bastian Winter

Nürnberg.Lebensgefährliche Verletzungen hat ein Obdachloser erlitten, der in einem Papiercontainer Unterschlupf gesucht hat. Mitarbeiter der Stadt Nürnberg hatten diesen Container im Stadtteil Zerzabelshof mit der Hebeeinrichtung in ihren Müll-Laster entleert, ohne bei einer optischen Überprüfung auf den Inhalt vorab zu bemerken, dass sich darin ein Mensch befand. Während der Fahrt hörte der Trittbrettfahrer plötzlich Hilferufe auf der Ladefläche. Sofort veranlasste er den Fahrer zu halten und das Schubwerk abzustellen, das den Papiermüll im Lkw zusammenschiebt. Unmittelbar danach machte sich der 41 Jahre alte Obdachlose bemerkbar. Rettungskräfte bargen den lebensgefährlich verletzten Mann aus dem Papier und brachten ihn in ein Krankenhaus.

Wie sich im Zuge der weiteren Ermittlungen herausstellte, hatte der Mann die Nacht in dem Container verbracht und sich mit Altpapier gegen die Kälte geschützt. Weder bei der Nachschau vor dem Einkippen in den Lkw als auch danach war der Mann nach aktuellem Kenntnisstand für die Beschäftigten wohl nicht erkennbar. Die Ermittlungen der Nürnberger Polizei dauern aber noch an.

Der Nürnberger Referent für Jugend, Familie und Soziales, Reiner Prölß, bedauert den Unfall des obdachlosen Mannes, der bei der Leerung eines Altpapiercontainers schwer verletzt wurde: „Das ist ein tragischer Vorfall und ich wünsche dem Mann schnelle Genesung.“ Gleichzeitig appelliert er an Menschen, die aktuell auf der Straße nächtigen: „Bitte nehmen Sie unsere Unterstützungssysteme in Anspruch, gerade jetzt in der kalten Jahreszeit. Eine Übernachtung unter freiem Himmel bei Frosttemperaturen ist lebensgefährlich.“

Prölß, in dessen Zuständigkeitsbereich auch die Obdachlosenhilfe fällt, weiß von etwa 50 Personen, die ohne Unterkunft im Freien, das heißt unter Brücken oder in selbstgebauten Lagern leben. Die Fachstelle Wohnungslosenhilfe im Sozialamt konnte bis heute keinen Fall einer Übernachtung in einem Altpapiercontainer beobachten.

„In der Stadt Nürnberg gibt es ein gut ausgebautes System existenzsichernder Hilfen“, erläutert Prölß. „Es gibt drei Notschlafstellen, eine Straßenambulanz und eine Wärmestube, die Hilfesuchenden rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Durch aufsuchende Arbeit stellen wir sicher, dass jeder und jede Obdachlose dieses Hilfsangebot kennt. Die Einrichtungen weisen niemanden ab, schon gar nicht in den kalten Wintermonaten. In den vergangenen Tagen waren die Einrichtungen zudem nicht voll ausgelastet.“

Ein guter Teil des oben genannten Personenkreises fragt diese Unterstützung allerdings nicht oder nur in Notfällen nach. Die Stadt selbst hat keine Handhabe, die betroffenen Menschen gegen ihren Willen von der Straße zu holen, solange keine Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegt.

Weitere Polizeimeldungen aus dem Raum Nürnberg lesen Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht