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Niederbayern
Dienstag, 16. Januar 2018 7

Justiz

Rockerprozess: Zäh bis widersprüchlich

Die Aufklärung der Messerstecherei zwischen Rockern in Straubing bleibt schwierig: Die Zeugen tragen kaum etwas bei.
Von Pascal Durain, MZ

NPD-Mann Sascha Roßmüller (links) lehnt sich entspannt zurück: Die Vorwürfe wegen gemeinschaftlichen schweren Landfriedensbruchs zerschlagen sich zusehends. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Am Mittwochmorgen fährt Richter Georg Kimmerl unbeeindruckt im Prozess gegen fünf Bandidos fort Der Befangenheitsantrag gegen ihn, den Verteidiger Helmut Mörtl vergangene Woche gestellt hat, ist abgelehnt worden. Auch die Beiordnung eines weiteren Verteidigers für Mörtls Mandanten Stephan H. wird abgelehnt. Doch die Verstärkung hat schon Platz genommen. Und das Antragstellen geht unverändert weiter: Der Bremer Jurist Hans Meyer-Mews fordert sodann, das Verfahren einzustellen bzw. auszusetzen. Die Anklageschrift sei nicht zulässig, weil sie den Straftatbestand nicht ausreichend eingrenze. Zudem müsse der Haftbefehl gegen Stephan H. ausgesetzt werden; die Dauer der U-Haft sei mittlerweile völlig unverhältnismäßig. Das Gericht fährt dennoch fort.

Sechs Monate bis zehn Jahre

Seit Mitte August geht es vor dem Landgericht um einen Vorfall, der beinahe fünf Jahre zurückliegt: Die Bandidos vom Chapter Regensburg sitzen auf der Anklagebank; ihr Secretary Treasury (Kassier), der NPD-Funktionär Sascha Roßmüller, soll am ersten Weihnachtsfeiertag 2010 einen blutigen Angriff mit den konkurrierenden Kuttenträgern Gremium MC angezettelt haben. Dabei wurden mindestens zwei Personen schwer verletzt. Roßmüller habe insgesamt neun Brüder mobilisiert, die sich dann in einem Lokal gegenüber der Gremium-Kneipe auf die Lauer gelegt haben sollen. Als um 1 Uhr nachts Gremium-Rocker auf der Straße standen, soll Klaus S. zum Angriff gerufen haben. Die Bandidos – bewaffnet mit Schlagwerkzeugen, Messern und Reizgas – schlugen und stachen auf die verfeindeten Rocker ein. Ein Mann erlitt in der Massenschlägerei eine klaffende Schnittwunde im Gesicht. Ein Bandido wurde schwer verletzt.

Den Rockern wird unter anderem schwerer gemeinschaftlicher Landfriedensbruch vorgeworfen; das Strafmaß reicht hier von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Mit entscheidend dafür ist, wie viele Personen dabei mitgemischt haben.

Keine Spur mehr von der Tatwaffe

Am Mittwoch stellt sich heraus: Das Messer, mit dem der befeindete Rocker-Chef des Gremium MC aus Straubing verletzt worden sein soll, wurde von der Polizei zwischenzeitlich vernichtet, nach dem das Verfahren bereits einmal gestellt worden war. Erst als Ralf K. eine Lebensbeichte bei der Polizei ablegte, wurde das Verfahren wieder aufgerollt.

Nach einer Unterbrechung, weil die Mikros im Saal nicht funktioniert haben, sagt der erste Zeuge an diesem Tag aus: Ein junger Mann, der an diesem Abend in nahe gelegenen Clubs der Rocker-Kneipe in Straubing unterwegs war, und die Schlägerei beobachtet hatte. Es folgt eine zähe Vernehmung mit vielen Widersprüchen.

Der Vorfall ist lange her. Der Mann kann nur sagen, dass es „auf einmal losging. (...) Ich weiß bloß, dass es eine Massenschlägerei war.“ Er erinnert sich an zwei Verletzte – einer am Arm, einer im Gesicht; nur wer das war, will er nicht mehr wissen. Erst auf Nachfrage räumt er ein, dass wohl der Blackout-Wirt im Gesicht verletzt worden sei. Die Leute, die hier links neben ihm sitzen, kenne er nicht – er wisse auch nicht, ob sie daran beteiligt waren. Jedenfalls hätten beide Gruppen auch weggehen können.

Bandidos ja, Gefahr nein

Der zweite Zeuge, ein Taxifahrer, der damals am Ort des Geschehens vorbeifuhr, kann sich ebenfalls nicht an Details erinnern – er habe zwar zwei verhaftete Bandidos gesehen, aber keine Waffen oder eine Schlägerei. Das sagt später auch ein ehemaliger Stammgast aus der Kneipe, in der die Bandidos zuvor gewesen sein wollen. Im Lokal seien sicher keine 15 Bandidos gewesen. Vier bis fünf vielleicht. Alle hätten Kutten getragen und die Kneipe flotten Schrittes verlassen. Er habe sich aber nicht von den Bandidos bedroht gefühlt. Alles Aussagen, die die Verteidiger gerne hören. Der Vorwurf des Landfriedensbruchs droht so, weiter im Sande zu verlaufen.

Die Wirtin jener Kneipe nimmt ebenfalls Platz vor der Kammer, sagt am Dienstag erstmal gar nichts aus. Ihr Schwiegersohn ist Mitglied bei Gremium. Ohne einen Rechtsbeistand an ihrer Seite fühlt sie sich überfordert, sagt sie. Wieder wird die Verhandlung unterbrochen; das Gericht überlegt sich, ihr einen Beistand beizuordnen.

Am Donnerstag soll dann ein Sachverständiger aussagen: Welche DNA-Spuren fanden sich am Messer, das am Tatort gefunden wurde? Lässt sich die Waffe einem der Angeklagten zuordnen? Wird das Verfahren gegen Stephan H. abgetrennt? Das Gericht stellte das in Aussicht.

Am ersten Prozesstag kündigten die Angeklagten an, keine Aussage machen zu wollen. Am zweiten Prozesstag packte der ehemalige Präsident des Bandidos-Chapters Regensburg als Kronzeuge aus. Am dritten Tag wurde eine Verlängerung des Prozesses beschlossen.

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