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Niederbayern
Freitag, 18. August 2017 28° 2

Nachwuchs

Starallüren im Raubtiergehege

Die Tigerbabys haben in Straubing ihre Außenanlage erkundet. Wie echte Promis lassen sie die Fotografen dabei warten.
Von Martin Kellermeier, MZ

Vorsichtig aber gleichzeitig mit viel Neugier haben die Tigerbabys das Außengehege erkundet. Foto: Kellermeier

Straubing.Ja, so ist das, wenn man ein Star ist: Da müssen die anderen auf einen warten. Foto hier und Video da – das sind die beiden Sibirischen Tigerbabys, namentlich Tambi und Aziza, im Straubinger Tiergarten schon gewöhnt. Gemütlich im Innengehege liegend, Mama Suna gleich daneben: verständlich, dass die Fotografen und Kameramänner da keine große Belastung sind. Alles entspannt. Aber jetzt dafür auch noch raus gehen?` In ein fremdes Gehege, mit Düften, die die kleinen Tigernasen noch nie gerochen haben? Schwierig. Man hätte es vielleicht gleich mit Bambus versuchen sollen. Aber dazu später mehr.

Schon nach wenigen Minuten unter freiem Himmel haben die Jungtiere zu Spielen begonnen. Foto: Kellermeier

Es ist neun Uhr. Der Straubinger Tiergarten hat zum großen Premiere-Termin geladen. Die neuen Stars des Zoos zum ersten Mal im Außengehege. Das lassen sich die Journalisten nicht nehmen. Ausgestattet mit den großen Objektiven und den Videokameras stehen sie wie Bäume in einem Wald vor dem Gehege. Es sieht aus wie bei der Jagd. Alle haben ihre Kamera im Anschlag, warten nur darauf, dass sie den Auslöser wie den Abzug an einem Gewehr drücken können. Aber die „Beute“ kommt nicht. Noch nicht.

Revierleiter Günter Hartl– seit fast 40 Jahren im Dienst – bleibt ruhig. „Der Vorführeffekt“, meint er nur. „Das kann noch zehn Minuten dauern“, fügt der grauhaarige Mann mit seiner grünen Arbeitsweste hinzu. Am Ende war es eine Stunde. Auch, weil die Tigerbabys erst noch gesäugt werden wollten. Vor dem großen Auftritt verständlich.

Ohne Mama nach draußen

Aber Tambi und Aziza– übersetzt „der kleine Bruder“ und „die Wertvolle“ – wären keine echten Tier-Stars, wenn sie nicht doch noch zum Fototermin für ihre Fans erscheinen würden. Also: Genug getrunken, aufgestanden. Ab durch den Laufgang, raus ins Gehege. Gemütlich biegen die beiden um die Ecke und beginnen zu posen. Tambi entscheidet sich für die liegende Variante, seine Schwester bleibt stehen, zeigt ihren Tigerkörper in voller Länge. Die Fotografen freut’s: Klick, klick, klick macht es nur. Nach knapp einer Minute ist die Show vorbei. Die Geschwister haben die Tigerschnauze voll. Ab zu Mama Suna. Sie ist im Durchgang zum Innengehege stehen geblieben.

Das Muttertier ermuntert ihren Nachwuchs scheinbar, das Gehege weiter zu erkunden. Und das machen die beiden dann auch. Kurzes Beschnüffeln durchs Gitter mit Papa Claudius, der im Nebengehege eingesperrt ist. Hintergrund: Tiger sind Einzelgänger. Claudius – so die Befürchtung von Tiergarten-Direktor Wolfgang Peter – könnte die Jungtiere töten. „Dieses Risiko wollen wir auf keinen Fall eingehen“, sagt der Diplom-Biologe. Und eines gefällt den Tiger-Stars besonders: Der Bambus. Perfekt zum Verstecken spielen und schattenspendend außerdem.

Kein Wasser im Schwimmteich

Revierleiter Hartl ist zufrieden. Seine Schützlinge fühlen sich wohl. „In spätestens einem Tag haben sie das ganze Gehege erkundet“, ist er sich sicher. Das ist 1600 Quadratmeter groß und abwechslungsreich gestaltet – zum Beispiel auch in Sachen Boden. Es gibt Rindenmulch, Gras oder auch Hackschnitzel. Das Zoo-Personal hat aber auch darauf geachtet, dass es keine Gefahrenstellen für den Nachwuchs gibt. So wurde das Wasser im Schwimmteich abgelassen. Nach und nach soll es wieder aufgefüllt werden.

Sehen Sie in unserem Video, wie die Tigerbabys ihr Gehege erkundet haben!

Die Tigerbabys haben die Außenanlage erkundet. Video: dpa

Wer die Tigerbabys, die mittlerweile elf Kilogramm schwer und drei Monate als sind, sehen will, kommt am besten am frühen Vormittag oder am späten Nachmittag am Gehege vorbei. Zu diesen Zeiten besteht laut Zoo-Direktor Peter die größte Chance, dass die Kleinen unterwegs sind und nicht schlafen.

Hat der Tierpark die Geburt in Sachen Besucherzahlen bereits registriert? Der Zuspruch sei aktuell höher als sonst, meint Wolfgang Peter: „Es gibt in letzter Zeit auch vermehrt Besucher, die vorher anrufen und fragen, ob die Tigerbabys zu sehen sind.“ Und der Zoodirektor ist auch selbst ganz angetan vom Nachwuchs. „Es ist ja nicht so, dass man alle 14 Tage Tigerbabys hat“, schmunzelt Peter.

Teil eines Zuchtprogramms

Zwischen all dem Erkunden muss auch mal eine Pause gemacht werden. Foto: Kellermeier

Bis zu zwei Jahre bleiben die neuen Stars noch im Straubinger Tiergarten. Dann heißt es für die Pfleger und die Fans Abschied nehmen. Tambi und Aziza sind Teil eines Europäischen Erhaltungs-Zuchtprogramms für Tiger. Das heißt: Ein Koordinator, der die Gene aller 560 Sibirischen Tiger, die in einem Zoo leben, kennt, vermittelt die Jungtiere. „Das wird hart. Aber gleichzeitig leistet man damit einen Beitrag zur Artenerhaltung“, sagt Revierleiter Günter Hartl. Ob es in Straubing dann wieder Tigerbabys gibt, ist offen. Nur wenn der Koordinator anruft und die Tiere somit sicher vermittelt werden können, wird weitergezüchtet.

Aber das ist Zukunftsmusik. Jetzt sind alle Augen auf die Tambi und Aziza gerichtet. Die beiden sortieren übrigens auch schon am Esstisch aus. Hackfleisch mögen sie gar nicht mehr, Gulasch ist ok. Aber am liebsten sind ihnen große Fleischstücke. Stars eben.

In unserer Grafik sehen Sie, wo Tiger noch in der Wildnis leben!

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