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Studium

Deutschland und Tschechien verbinden

Seit 1996 bündelt das Bohemicum Regensburg-Passau Forschung und Lehre zu Tschechien. Nun feiert es sein 20-jähriges Jubiläum.
Von Louisa Knobloch, MZ

Die Studenten Florian Würsch und Magdalena Höcherl, die aktuell am Bohemicum teilnehmen, mit Prof. Dr. Marek Nekula Foto: Knobloch

Regensburg.Im August wird Magdalena Höcherl im Freilichtspiel „Pascher – Die Nacht der langen Schatten“ wieder in die Rolle der Wanka schlüpfen. Auf der Bühne spricht die Studentin dann Deutsch und Tschechisch. „Hier kann ich meine Sprachkenntnisse aktiv einsetzen“, freut sich die 22-Jährige, die aus Schönsee im deutsch-tschechischen Grenzgebiet stammt. Berührungspunkte mit der Sprache des Nachbarlandes hatte Höcherl zwar schon zu Schulzeiten, etwa bei einem Schüleraustausch mit einer Klasse aus Prag. Intensiv lernt sie die Sprache aber erst, seit sie sich im vergangenen September für die Zusatzausbildung Bohemicum an der Universität Regensburg eingeschrieben hat.

Dieses bundesweit einmalige Angebot, bei dem Studenten innerhalb von zehn Monaten Kenntnisse in Sprache, Geschichte und Kultur Tschechiens erwerben, gibt es seit 1996. Mit einem Festakt feiert das Bohemicum Regensburg-Passau an diesem Donnerstag (23. Juni) sein 20-jähriges Jubiläum. Zu der Veranstaltung werden neben den Präsidenten der Universitäten Regensburg und Passau, Prof. Dr. Udo Hebel und Prof. Dr. Carola Jungwirth, auch Wissenschaftsstaatssekretär Bernd Sibler und der tschechische Generalkonsul in München, Milan Coupek, erwartet.

Eigenen Studiengang aufgebaut

„Tschechien zählt wie auch Österreich zu unseren nächsten Nachbarn, so dass die wissenschaftliche Partnerschaft mit diesen Ländern für uns auf der Hand liegt“, betont Jungwirth. Die internationale Vernetzung eröffne große Potenziale für die grenzüberschreitende Lehre und Forschung. „Ich freue mich deshalb sehr, dass die Universität Passau ein sehr aktiver Teil der Erfolgsgeschichte des Bohemicums ist und auch bleiben wird.“

Auch Hebel spricht von einer „20-jährigen Erfolgsgeschichte“. Mit seiner international ausstrahlenden Leistungsstärke in Forschung und Lehre sei das Bohemicum „eine feste und wertvolle Säule im Kontext des Ost- und Südosteuropaschwerpunkts“ der Universität Regensburg, so der Präsident.

Die Leitung der wissenschaftlichen Einrichtung Bohemicum hatte Prof. Dr. Marek Nekula 1998 von Prof. Dr. Klaus Trost übernommen. Im Verlauf seines 20-jährigen Bestehens habe sich das Bohemicum stetig weiterentwickelt, sagt er. Zur studienbegleitenden Zusatzausbildung kam – nach dem Vorbild der binationalen Studiengänge in der Romanistik – im Jahr 2007/08 der Bachelorstudiengang „Deutsch-Tschechische Studien“ (DTS) hinzu, der in Kooperation mit der Karlsuniversität Prag angeboten wird.

Auch in der Forschung zu Themen wie Sprachkontakt und Mehrsprachigkeit oder Erinnerungskulturen ist das Bohemicum national und international vernetzt. Als Beispiele nennt Nekula Projekte wie „Sprache und Identität. Franz Kafka im mitteleuropäischen sprachlichen und kulturellen Kontext“, „Interkulturelle Übersetzung in grenzregionalen Organisationen“ oder „Tod und Auferstehung einer Nation: Pantheon in der tschechischen Literatur und Kultur.“ Der Festvortrag, den Prof. Dr. Christoph Cornelißen (Universität Frankfurt a.M.) am Donnerstagabend zum Thema „Zur Europäisierung von Erinnerungskulturen im Spannungsfeld widerstreitender Gedächtnisse“ hält, ist zugleich Teil der bis Samstag dauernden Tagung „Lokalisierung Europas in ostmitteleuropäischen Erinnerungskulturen“.

Mehr als 500 Absolventen

Bereits am Donnerstagnachmittag findet ein Treffen von Studenten und Ehemaligen des Bohemicums und der Deutsch-Tschechischen Studien statt. Rund 500 Absolventen haben seit 1996 die Zusatzausbildung des Bohemicums durchlaufen, dazu kommen etwa 100 Absolventen der DTS. Viele von ihnen arbeiten heute in der deutsch-tschechischen Zusammenarbeit bei Institutionen oder Unternehmen.

Für Florian Würsch, der im Promotionsstudiengang katholische Theologie eingeschrieben ist, hat das persönliche Interesse den Ausschlag für die Anmeldung zum Bohemicum gegeben. „Tschechisch ist eine im wahrsten Sinne des Wortes naheliegende Sprache“, findet er. Durch die landes- und kulturkundlichen Veranstaltungen lerne man zudem die Hintergründe kennen. Als bereichernd empfindet Würsch den Austausch mit Studenten aus anderen Fachrichtungen. „In der Gruppe sind tolle Freundschaften entstanden“, berichtet auch Magdalena Höcherl. Beide freuen sich nun darauf, Tschechien bei einer Sommerschule im Juli oder August noch ein bisschen besser kennenzulernen.

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