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Niederbayern
Samstag, 16. Dezember 2017 10

MZ-Serie

Hier ist die Wirtin auch Kabarettistin

In der Pension und Tafernwirtschaft Danibauer bei Freyung ist alles einmalig: Design, Küche – und vor allem die Chefin.
Von Thomas Dietz, MZ

  • Blick aus dem Fenster: die schöne Bayerwaldlandschaft im Winter. Foto: Gabi Schönberger

Falkenbach.Ist hier der Schnee weißer? Sind die Hügel anmutiger gewölbt, glitzern die Eiszapfen an Dachrinnen und Tannenzweigen nicht doch ein bisserl schöner? Und ist hier gar der Blick freier als anderswo? Das sind so Gedanken, die man im hellen Sonnenschein beim Betreten des Dörfchens Falkenbach im südöstlichen Bayerischen Wald hegt. Es gehört zum drei Kilometer entfernten Freyung – Bayerns östlichster Landkreis.

Weiter südlich, in Breitenberg im Wegscheider Land, liegt der östlichste geografische Punkt im Freistaat: „Der Aufenthalt in dieser entzückenden Gegend gehört zu den glücklichsten Tagen meines Lebens“, schwärmte der Dichter Adalbert Stifter.

Wir treffen Eva-Friderike Gruber, Wirtin vom „Danibauer“, mit ihrer Hündin Wawi (abgeleitet übrigens von Barbara), einer hübschen, steirischen Bracke. Eva Gruber bringt der Nachbarin gerade einen Entschuldigungsbrief, weil Wawi deren Katzennäpfe leergefressen hat. Nun, sie wurde ausgesetzt und saß drei Tage lang mit traurigen Augen neben einem Holzstoß, bis eine Anwohnerin sie bei heftigem Gewitter reingeholt hat.

Eva Gruber steckt überhaupt voller Geschichten, und wer ihr zuhören kann, weil sie gerade ein wenig Zeit hat, darf sich glücklich schätzen. „Café Pension Danibauer Tafernwirtschaft“ steht am Haus neben einem hundertwasserähnlich gemalten Baum an der Giebelseite. Seit etwa 1660 wurde der Danibauer-Hof von der Familie Gruber bewirtschaftet, in die die heutige Danibäuerin 1978 einheiratete.

Sie aßen Kuchen und tranken Likör

Bei allen Gästen beliebt: das urige Granitgewölbe aus dem Jahr 1656. Foto: Gabi Schönberger

Als ganz in der Nähe eine Reha-Klinik für Krebspatienten eröffnete, entstand die Gaststätte: „Die Leute kamen in Strömen“, berichtet Eva Gruber, „aßen selbst gebackenen Kuchen, tranken Bier und Likör, denn Krebs-Patienten sollen ja aus therapeutischen Gründen spazieren gehen und auf gute Stimmung achten. Diese Jahre waren wie Champagner und Herbstmilch.“ Dann stellte die Klinik auf Orthopädie um und der Gästestrom versiegte, weil diese Patienten sich gerade nicht bewegen sollten. Aber da war das Danibauer-Wirtshaus mit dem ihm eigenen Charme schon etabliert.

Alles trägt hier über Jahrzehnte hinweg Eva Grubers Handschrift – von der edlen Dekoration bis zum hellblauen Kachelofen im Knechtnhäusl, auf dem ein Künstler ihre Söhne Korbinian und Sebastian mit Ehemann Hanns und sie selbst als „Hüterin des Feuers“ dargestellt hat. Es gab einen Sonderpreis für den romantischen Innenhof und als erstes und lange Zeit einziges Haus im Bayerischen Wald die „Slow-Food-Schnecke“.

Das Kochen hat Eva Gruber von ihrer Großmutter gelernt – sie stand schon mit vier Jahren auf einer Holzkiste, um in die Töpfe gucken zu können: „Damals gab’s noch Gerichte wie ,Hirn mit Ei‘, was man heutzutage nicht mehr anbieten kann“, sagt sie. Jetzt sind – neben den üblichen Brotzeit-Delikatessen – saure Leber in Rotwein mit Majoran und Bratkartoffeln ein Renner, Krautsuppe mit Speck, Spinatknödel mit Parmesan und Butter oder ofenfrisches Bratl von der Haussau mit Reiberknödel. Zum Dessert empfehlen sich die legendären Ingwer-Zwetschgen mit Vanilleeis ...

Ausgeschenkt wird Lang-Bräu aus Freyung. Längst kommen Gäste von weither, um die Atmosphäre zu genießen, etwa in dem urigen Granitgewölbe von 1656 oder der Stub’n mit ihrer schwarzen Holzdecke. Die sieben Zimmer mit 14 Betten sind, man muss es sagen: entzückend – kein Designer hätte sie perfekter gestalten können.
Weitere Teile aus unserer Serie „Historische Wirtshäuser in Niederbayern“ finden Sie hier und auf Mittelbayerische Maps.

Mit goldener Tinte im Gästebuch

Mit Holzbadewanne: die Wohnung im gut geheizten Knechtnhäusl. Foto: Gabi Schönberger

Moderator Tilmann Schöberl („Jetzt red i“) bevorzugt das „Katzenzimmer“, wo er vom Bett aus die Katzen auf dem warmen Blechdach beobachten kann. Berühmter Gast war neben dem verstorbenen Kunstmäzen Hanns Egon Wörlen auch Céphas Bansah, König von Hohoe im Osten Ghanas, der im Tigerfell-Ornat mit Arzt und Leibdiener erschien. „Meine Gäste hielten sie für die Heiligen Drei Könige und verneigten sich“, erzählt Eva Gruber. Der König bestellte gebratenes Gemüse, trank Tee und hinterließ im Gästebuch mit goldener Tinte eine wahrhaft fantastische Unterschrift. Die Köchin war derweil so aufgeregt, dass sie einen Hörsturz erlitt.

Das ist exzellentes Material für Eva Gruber, die einzige Wirtin, die auch Kabarett macht. Ihr Thema ist natürlich – unterstützt von zwei Jazz-Gitarristen – das Wirtshaus, und was sie in all den Jahrzehnten erlebt hat: „Ich hatte mal einen Koch, der war Physiker. Der steckte überall Thermometer rein und zerteilte alles in Atome. Das ging nicht, er war viel zu langsam.“

Wegen Personalmangel hätte Eva Gruber unlängst fast aufgegeben: „Es ist schwer, hier in der Pampa. Gottlob habe ich jetzt einen Koch gefunden.“ Nun sucht sie aber dringend noch Beiköchinnen und Servicepersonal.

Lage der Pension und Tafernwirtschaft Danibauer:

Historische Wirtshäuser in Niederbayern

Mit dieser Folge endet unsere Serie „Historische Wirtshäuser in Niederbayern“. Es geht weiter mit „Historischen Wirtshäusern in Oberfranken“.

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