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Niederbayern
Montag, 11. Dezember 2017 4

Fliegen

In Straubing landen die Business-Jets

Am International Airport verkehren Unternehmer und Promis. Auch mehrere Ostbayern starten hier mit ihren Maschinen.
Von Martin Kellermeier, MZ

Wer in die teuren Flugzeuge in Straubing einsteigt, bleibt meistens geheim. Foto: Benjamin Franz

Straubing.Nasskaltes Wetter, leichter Nebel und weit und breit kein Mensch zu sehen. Nur oben im Tower des Flugplatzes Straubing-Wallmühle brennt Licht. Drinnen sitzt ein Mann hinter Bildschirmen. Das Telefon klingelt. Der Mann hebt ab. Sekunden später ein Lichtermeer. Die 120 bunten Lampen der Befeuerung – rote, blaue und gelbe – leuchten. Der International Airport in der niederbayerischen Stadt lebt. Es sind noch 15 Minuten bis zur Landung. So viel wissen wir.

Am Himmel nichts zu sehen. Kein Hubschrauber, kein Flugzeug, keine Sterne. Trübe Herbststimmung. Niemand geht bei diesem Wetter freiwillig vor die Tür. Im Tower herrscht Hochbetrieb – und angenehm warm ist es auch. „Runway two seven“, funkt Roland Seifert. Es ist ein Business-Jet, der an diesem Abend in Straubing erwartet wird. Wer darin sitzt, kein Kommentar. Wie viele Fluggäste? Ebenfalls unbekannt. Nur so viel steht fest: Der Flieger kommt direkt aus dem rumänischen Timisoara. Das hat der Fluglotse aus dem Tower in München gerade am Telefon mitgeteilt.

Diskretion steht an erster Stelle

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ist schon in Straubing gelandet. Foto: Flugplatz Straubing-Wallmühle

Für Roland Seifert und die Crew des Flugplatzes stehen derartige Landungen von Business-Jets an der Tagesordnung. Die Straubinger Statistik belegt es: Im Schnitt sind es drei bis vier pro Woche. Spannend und eine eigene Welt sind sie dennoch jedes Mal wieder. Geht die Tür des Fliegers auf, steigen zum Teil illustre Personen aus: Michael Schumacher oder Franz Beckenbauer landeten zum Beispiel schon hier. Wer wird es heute sein? Flugplatz-Geschäftsführer Klaus Hofmann bleibt diskret. „Ein großer europäischer Baumaschinenhersteller“, verrät er. Mehr Infos gibt’s aber nicht. Die Business-Fliegerei ist eben sehr exklusiv.

Die Landung rückt näher. Die Lichter des Jets sind am Straubinger Nachthimmel zu sehen. Weit weg kann er nicht mehr sein. Flugplatzleiter Lothar Mai blickt durchs Fernglas. „Der setzt jetzt gleich mit rund 180 km/h auf“, sagt er. 1450 Meter misst die Landebahn. Nach der Hälfte der Strecke sollte der große Vogel mit den Turbinen stehen – wenn alles klappt.

Im folgenden 360-Grad-Bild können Sie sich im Tower des Straubinger Flugplatzes umsehen. Klicken Sie einfach in das Bild, um zu starten, und nutzen Sie dann ihre Maus (oder ihren Finger, wenn Sie ein mobiles Endgerät nutzen), um sich im Bild zu bewegen.

Post from RICOH THETA. - Spherical Image - RICOH THETA

Kein Funkkontakt. Das ist normal. Der Pilot konzentriert sich voll auf die bevorstehende Landung. Alle Augen im Tower blicken ans Ende der Landebahn. Die Lichter kommen dem Boden immer näher. Dann Bremsgeräusche. Der Business-Jet ist sicher gelandet. „Sie können dann direkt vor dem Eingang parken“, funkt Roland Seifert. Eine knappe Minute später dröhnen die Turbinen vor der Schiebetür des Hauptgebäudes von Straubing-Wallmühle. Die Tür des Jets geht auf. Ein Mann im Anzug und mit Aktentasche steigt aus. Ein kurzes „Guten Abend“ im Vorbeigehen, dann sitzt der Herr schon in der Limousine, die direkt vorm Gebäudeeingang parkt. Er hat jetzt Feierabend. Nach einem Arbeitstag in Rumänien ist der Passagier zurück in der Heimat. Flugzeit: rund eine Stunde. So lange brauchen viele Pendler mit dem Auto, wenn sie zum Beispiel vom Land nach Regensburg fahren.

Flugplatz-Geschäftsführer Klaus Hofmann hat die Mittelbayerische exklusiv in die Hangars blicken lassen. Foto: Benjamin Franz

Die Zeitersparnis ist der Hauptgrund für viele Manager, wenn sie in die kleinen, luxuriösen Jets steigen. Genau auf dieses Kundenfeld zielt der Flugplatz Straubing ab. „Bei uns kann man von Straubing aus ganz Europa problemlos erreichen“, sagt Geschäftsführer Klaus Hofmann. Daher ist der Flugplatz auch ein „International Airport“. Zollabfertigung und Personenkontrolle gibt es in Straubing auch. Für die Jets wurde 2002 extra die Start- und Landebahn vergrößert.

Ein Jet ist in Straubing stationiert

Zahlreiche Unternehmer aus Ostbayern schätzen den Flugplatz mit der internationalen Abkürzung „EDMS“. In den 13 Hallen auf dem rund 550 000 Quadratmeter großen Areal sind rund 120 Luftfahrzeuge – vom Segelflieger bis zum Jet – eingelagert. Ein großer Businessflieger ist in Straubing auch stationiert. Die Maschine vom Hersteller Cessna gehört einem Unternehmer aus dem Landkreis Cham.

So sieht es in einem Business-Jet aus. Im folgenden 360-Grad-Bild können Sie sich umsehen. Klicken Sie einfach in das Bild, um zu starten, und nutzen Sie dann ihre Maus (oder ihren Finger, wenn Sie ein mobiles Endgerät nutzen), um sich im Bild zu bewegen.

Blick ins Innere eines Businessjets - Spherical Image - RICOH THETA

Die Promis bringen auch die am Flugplatz ansässigen Firmen nach Niederbayern, weil die Stars hier ihre Maschinen warten lassen. Avionik Straubing, MT Propeller, Pilotenservice Rieger und MS Helicopter Service machen Straubing-Wallmühle zu einem Arbeitsplatz für über 250 Menschen.

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Fakt ist: Die ganz großen Maschinen werden auf dem Straubinger Flugplatz nie landen. Pläne für Linienflüge hat die Flugplatz-GmbH nicht. Nur im äußersten Notfall könnte ein Airbus in Straubing landen. „Einem A319 reicht laut einem Piloten unsere Landebahn“, sagt Flugplatzleiter Mai.

Unsere Grafik zeigt Ihnen die Lage des Straubinger Flugplatzes:

Zurück ins Geschehen. Der Business-Jet der Marke Embraer, ein brasilianischer Hersteller, rollt auf die Startbahn. Feierabend ist für die beiden Piloten erst in Friedrichshafen. Dort ist die über acht Millionen teure Maschine stationiert. Der Flieger startet durch. Sekunden später ist er in der Luft. Der Pilot gibt seine Höhe durch und wünscht einen schönen Abend. „Guten Flug“, funkt Roland Seifert zurück. Die Lichter der Befeuerung gehen aus. Es ist Feierabend in Straubing-Wallmühle.

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  • WK
    Werner König
    23.11.2017 09:38

    Da Straubing ja auch in Ostbayern liegt, ist es wohl normal, dass Ansässige dort auch ein Flugzeug halten. Dass ein Fluggast aus Rumänien direkt vom Flugzeug ins Auto steigt, kann ich mir nicht vorstellen, eine gewisse Zollkontrolle müsste ja erfolgen. Dass Michael Schumacher aussteigt, halte ich auch für ausgeschlossen !

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