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Kirche

Mysteriöse Todesfälle in Kirchengemeinde

Im niederbayerischen Ering sind fünf kirchliche Funktionsträger gestorben. Bischof Oster soll einen Inquisitor schicken.
Von Josef König

Der Passauer Bischof Stefan Oster wurde von Endre Graf Esterházy aufgefordert, einen Inquisitor nach Ering zu schicken, um die Todesfälle aufzuklären. Foto: dpa

Ering.Fünf mysteriöse Todesfälle rund um die spätgotische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt im niederbayerischen Ering am Inn (Lkr. Rottal-Inn) beunruhigen die 1700 Seelen-Gemeinde. Einem prominenten Bewohner reicht es. Er will wissen, was los ist: „Bischof Stefan Oster muss einen Inquisitor schicken, der aus kirchlicher Sicht für Aufklärung sorgt“, fordert Endre Graf Esterházy (65) in einem Schreiben an den Passauer Oberhirten.

Graf Esterházy hat den Fall beim Ordinariat ins Rollen gebracht. Foto: König

Die vielen Sterbefälle kirchlicher Funktionsträger in kurzer Zeit lassen den früheren Pfarrgemeinderat nicht zur Ruhe kommen: „Es kann so nicht weitergehen. Eine Art bischöflicher Inquisitor muss in die Pfarrei kommen und die seltsamen Vorkommnisse aufklären.“ Der kirchliche Ermittler soll herausfinden, warum die Sterblichkeitsrate bei den Mitgliedern des Pfarrverbands so hoch ist, meint Graf Esterházy, der als Unternehmensberater mit seiner Frau, der Opernsängerin Dr. Christine Gräfin Esterházy (56), in Ranshofen bei Braunau auf der österreichischen Innseite und im burgenländischen Eisenstadt lebt. Das Stammschloss der Familie Esterházy steht in Ering am Inn.

Der Inquisitor

  • Entstehung:

    Als Inquisition (lateinisch inquirere ‚untersuchen‘) werden jene spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Gerichtsverfahren bezeichnet, die sich unter der Mitwirkung oder im Auftrag von katholischen Geistlichen in erster Linie der Verfolgung von Häretikern widmeten und sich dabei der Prozessform des Inquisitionsverfahrens (lat. inquisitio ‚Untersuchung‘) bedienten. Ein geistlicher Vorsitzender eines Inquisitionsgerichts wurde als Inquisitor bezeichnet.

  • Neuausrichtung:

    1908 wurde die Römische Inquisition als Organ des Vatikans von Pius X. umbenannt in Sacra congregatio Romanae et universalis Inquisitionis seu Sancti Officii oder kurz Sanctum Officium. Diese Kongregation wurde zum Aufsichtsorgan der lokalen Inquisitionen. Der Papst selbst trug den Titel Präfekt, nahm aber keine Tätigkeit wahr. Stattdessen ernannte er einen Kardinal zum Sekretär. Letzter Sekretär des Sanctum Officium war der zu seiner Amtszeit von einigen Theologen gefürchtete Kirchenjurist und Kardinal Alfredo Ottaviani.

  • Glaubenskongregation:

    Papst Paul VI. restrukturierte 1965 im Rahmen einer Kurienreform das Sanctum Officium. Es verlor seine Sonderstellung als oberste Kongregation und wurde in „Kongregation für die Glaubenslehre“ umbenannt.

  • Zuständigkeit:

    Präfekt ist seitdem nicht mehr der Papst selbst, sondern – wie bei allen anderen Kongregationen auch – ein Kurienkardinal. Viele Jahre leitete Joseph Kardinal Ratzinger die Glaubenskongregation, inzwischen ist der frühere Regensburger Bischof Gerhard Kardinal Müller zuständig. In der Glaubenskongregation beschäftigt sich die „Abteilung für die Disziplin“ sich mit Vergehen gegen den Glauben, die Moral oder bei der Feier von Sakramenten. Quelle: Wikipedia

In seinem Brief an den Bischof führt der Graf fünf Todesfälle an: Mesnerin Anneliese W. (2010), der stellvertretende Pfarrgemeinderatsvorsitzende Joseph M., Pfarrer Martin Sch. (Oktober 2013/52 Jahre), Wortgottesdienstleiter und Kommunionhelfer Otto Sch. (2014/56 Jahre) und vor wenigen Tagen Pfarrgemeinderatsvorsitzender Manfred H.

In Ering fragt man sich, ob auf der Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt ein Fluch liegt. Foto: König

Der überraschende Tod des 64-jährigen Gremiumschefs, der auch den Dekanatsrat führte, war der Auslöser für das Nachfassen von Endre Graf Esterházy. Der Pfarrgemeinderatsvorsitzende hatte am 14. Februar noch den Sonntagsgottesdienst mitgefeiert. In der Nacht darauf war er plötzlich und unerwartet gestorben. „Dass sein menschliches Herz so abrupt aufgehört hat zu schlagen, ist für viele noch nicht fassbare Wirklichkeit“, hieß es in einem Nachruf.

Kein Fall für Staatsanwalt

„Die Tode geben Rätsel auf, darauf will ich eine Antwort“, sagt Endre Graf Esterházy. Er bittet den Bischof, einen Inquisitor zu schicken, der vor Ort klären soll, „wie aus kirchlicher und christlicher Sicht die ominösen Sterbefälle dieser Würdenträger zu erklären sind“. Als Fall für einen weltlichen Ankläger sieht der adelige Unternehmensberater die erhöhte Sterblichkeitsrate nicht. Die engagierten Pfarreimitglieder seien ohne Zweifel eines natürlichen Todes gestorben. Pfarrer Peter Kieweg weihte Endre Graf Esterházy nicht in seine Pläne ein. Es sei „reine Eigeninitiative“ gewesen.

Wie wird das Bistum Passau reagieren? Monika Zieringer, Pressesprecherin von Bischof Stefan Oster, wollte auf Anfrage den Eingang des Briefes weder bestätigen noch dementieren. Im Vatikan ist für Fragen der Inquisition die Glaubenskongregation zuständig. Deren Leiter ist Gerhard Kardinal Müller, der frühere Bischof von Regensburg. Aufgabe der päpstlichen Behörde ist es, die Glaubens- und Sittenlehre in der katholischen Kirche zu fördern und schützen.

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