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Niederbayern
Montag, 11. Dezember 2017 4

MZ-Serie

Omas Motto: „Von Nix kimmd nix“

Der Gasthof „bayr. Löwe“ in Osterhofen ist ein Bilderbuchbetrieb mit eigener Metzgerei. Seit 1937 gehört er Familie Gerstl.
Von Thomas Dietz, MZ

  • Freundlicher Empfang in der Halle des „bayr. Löwen“ in Osterhofen: Chef Sepp Gerstl jr. mit seiner Frau Elisabeth, dahinter Sepp jr. jr., der sich auf die Leitung des Familienbetriebes glänzend vorbereitet hat. Fotos: Thomas Dietz

Osterhofen.„Suchen Sie die Asam-Basilika?“, fragt die hilfsbereite Dame auf dem Stadtplatz in Osterhofen, „sie ist die schönste von allen. Nach der zweiten Ampel rechts – und dann unbeirrt immer der Straße folgen.“

Die Basilika St. Margaretha im Ortsteil Altenmarkt ist wahrhaftig das bedeutendste Bauwerk der mindestens 1000 Jahre alten Gäubodenstadt zwischen Donau, Isar und Vils. Mit ihren neun Altären, den spiralförmig gedrehten Säulen und der bekannt üppigen Ausstattung haben die genialischen Kirchenausstatter Cosmas Damian und Egid Quirin Asam auch an diesem Ort ein prall-raffiniertes Gesamtkunstwerk hinterlassen.

Ein Deckengemälde unter der Empore zeigt z. B., wie Jesus mit erhobenem Seil die à la Commedia dell’arte kostümierten Räuber aus dem Tempel vertreibt: ihr gotteslästerliches Treiben wird durch herabfallende Schafkopfkarten symbolisiert ...

„Vor allem ist diese Asamkirche heller als die in Weltenburg“ (MZ vom 4. Juli 2015), sagt der Sepp jr., Josef Gerstl (61), Wirt vom „Bayrischen Löwen“ – Hotel, Gasthof, eigene Metzgerei. Der Löwe hier gehört zu jenen heimeligen Wirtshäusern, die seit Generationen von einer hochprofessionellen Gastronomiefamilie geführt werden und in deren Gaststuben man sich auf der Stelle wohlfühlt.

1937 hatten Josef und Maria Gerstl das Anwesen in der Vorstadt erworben, in ihre Fußstapfen trat 1951 deren Sohn Alois mit seiner Frau Anna. Alois Gerstl gründete auch 1954 die heute noch für ihre Qualität berühmte Hausmetzgerei. Es gab eine Goldmedaille für die Weißwurst, der schwarzgeräucherte Schinken ist legendär. Sepp jr. trat 1973 ans Ruder, seine Frau Elisabeth (56) schenkte ihm vier Kinder: Elisabeth, Viktoria, Mariele und Josef (27), der Junior vom Sepp jr., der sich auf die Übernahme des Löwen mit bewundernswertem Ehrgeiz vorbereitet.

Historische Wirtshäuser in Niederbayern

Die Buchdruckerei dazugekauft

Das Gebäude wurde 1643 in Osterhofen registriert, als letzter Bierbrauer taucht 1862 ein Josef Schmerold auf. Durch Zukauf der benachbarten Buchdruckerei Dietrich rechter Hand und eines weiteren Hauses konnten die Gerstls den Betrieb kontinuierlich vergrößern, daher auch die langgestreckte Fassade. Heute gibt es ein modernes Hotel mit Tiefgarage, 33 Zimmern und 58 Betten. In diverse Gaststuben passen bis zu 250 Personen, in den romantischen Biergarten nochmal 80.

„Unser Großmuada hot ollawei g’sogt: Von Nix kimmd nix“, sagt Sepp Gerstl jr. und lacht fröhlich. Sein Sohn Sepp hat diese Maxime in bravouröser Art und Weise umgesetzt – sein Lebenslauf ist eine unglaubliche Erfolgsgeschichte aus dem Bilderbuch.

Hübsche Idee: Alte Steinkrüge, vermauert in der Treppenhaus-Säule

Zunächst wurde der gut aussehende Junior vom Junior mit 18 Jahren Metzgergeselle – „bei Pappa gelernt“ – als Jüngster in Bayern und mit „sehr gut“. Dem folgte der Meisterpreis der Bayerischen Staatsregierung für die Prüfungsbesten, bevor Sepp eine Kochlehre im Landshuter Fürstenhof bei Sternekoch André Greul begann.

Nach einem Praktikum bei Heinz Winkler trat Sepp in den Gasthof Post in Lech am Arlberg ein: „Das war zu der Zeit, als der holländische Prinz Johan Friso unter eine Lawine gekommen war. Leider“, sagt der Doppeljunior. Der Prinz starb bekanntlich 2013, 18 Monate nach seinem Unglück.

Nach dem Studium BWL Handwerk machte Sepp in den 5-Sterne-Hotels Klosterbräu in Seefeld (Tirol) und Central in Sölden im Ötztal weiter, bevor er mit 24 Jahren in Passau die Küchenmeisterprüfung ablegte – wieder als Lehrgangsbester und mit dem Meisterpreis. Chapeau.

„Es gab immer viel Arbeit“

Natürlich sind die Eltern stolz: „Alle unsere Kinder wurden hart ’rangenommen. Es gab immer viel Arbeit“, sagt Mutter Elisabeth. Unglücklich wurden sie dabei offenbar nicht. „Es klappte immer alles reibungslos.“

Vom Hochstand der Löwen-Küche überzeugte sich auch das Bayerische Fernsehen in der Sendung „Landgasthäuser – Genuss mit Tradition“. Auf der Karte stehen seltene Schmankerl wie Beeftatar mit Wacholderschinken und Parmesan, Kartoffeltascherl mit Blauschimmelkäse an Rotwein-Zwiebelconfit oder gebratene Leber mit Natursafterl, Specksauerkraut, Senf und Semmel – hausgemacht, versteht sich. „Dank unserer Metzgerei haben Leber und Nieren die beste Qualität.“

Das hat sich bei Geschäftsreisenden herumgesprochen, die die Weltfirma Wolf System (Größe des Osterhofener Firmengeländes: 20 Hektar) besuchen, auch Radlgruppen, die die Donau-, Isar- oder Vilsradwege und den abschließbaren Fahrradkeller im Löwen schätzen, kehren gern ein.

Im Gästebuch stehen Eisschnellläuferin Anni Friesinger, die Spider Murphy Gang, Beckstein & Huber und der steirische Fußballverein Sturm Graz: „Die hatten hier ein Gauditurnier“, sagt Sepp jr. jr. Seit fast 110 Jahren wird das gräfliche Arco-Bräu ausgeschenkt – an die vielen Vereine, die im Löwen ihre Heimstatt haben und an Besucher des spektakulären Festzuges Rossmarkt, immer am Palmsonntag.

Lage des Gasthauses:

Weitere Teile unserer Wirtshaus-Serie finden Sie in unserem Spezial.

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