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Niederbayern
Mittwoch, 13. Dezember 2017 3

MZ-Serie

Pikante Frühstücke, reelle Preise

Das Restaurant und Hotel „Goldene Sonne“ in Landshut sind eine erste Adresse in der Stadt. Fritz Wepper ist hier Stammgast.
Von Thomas Dietz, MZ

  • Auf den Stufen vor dem Empfang der „Goldenen Sonne“ im schönen Landshut sitzt Eigentümer Karl Baier. Das edle und elegante Vier-Sterne-Haus in der Neustadt ist seit 95 Jahren im Familienbesitz. Foto: Gabi Schönberger
  • Das Wirtshausschild „Goldene Sonne“, im Hintergrund: Burg Trausnitz Foto: Gabi Schönberger

Landshut.Kaum hat man den Torbogen mit den weißen Säulen des Gasthofes „Goldene Sonne“ durchschritten, spürt man: Ah, voilà. Ein schönes, gepflegtes Haus mit guter Aura. Dieser erste Eindruck täuscht selten oder nie. Und überhaupt: Warum kommt man nicht öfter nach Landshut?

Das Hotel „Goldene Sonne“ liegt traumhaft im historischen Stadtkern zwischen gepflegten Giebelhäusern aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Man blickt auf die Burg Trausnitz, deren sagenhafte „Kunst- und Wunderkammer“ Gäste aus aller Welt anzieht und den Turm der Basilika St. Martin, der mit fast 131 Metern der höchste Backsteinkirchturm der Welt ist.

Die „ordnende Hand“ und die scharfen Augen, die alles sehen, hat nun alleine der gebürtige Landshuter Karl Baier (49), der vor 15 Jahren das Schmuckstück „Goldene Sonne“ übernahm. Seine Frau Birgit hat das Haus mit sicherem Geschmack zu der heutigen Vier-Sterne-Adresse gemacht.

1920 erschien diese Annonce: „Geschäfts-Empfehlung. Wir geben werten Stammgästen, der Einwohnerschaft Landshut und Umgebung bekannt, daß wir vom 15. Oktober ab den Betrieb des von uns erworbenen Gasthofs zur Goldenen Sonne Neustadt übernehmen. Wir bitten um gütigen Besuch. Vorzügliches Bier aus der Hackerbrauerei München hell und dunkel, feine Weine, gute Küche, pikante Frühstücke, reelle Preise. Hochachtungsvoll Albert u Therese Baier.“

„Nie zuvor war dieses Haus aus dem 13. Jahrhundert so lange – 95 Jahre – im Besitz einer Familie“, sagt Karl Baier. Albert und Therese Baier, geb. Langmeier, waren zunächst Pächter der benachbarten Gaststätte Hofreiter.

„Ihr schafft das. Ihr seid fleißig“

Ein markanter Punkt: das gelbe Haus mit dem geschweiften Giebel Foto: Gabi Schönberger

Kurz nach dem Ersten Weltkrieg riet Landgerichtsdirektor Anton Oberhofer den Baiers, die „Goldene Sonne“, die wieder mal zum Verkauf stand, zu übernehmen. Die Baiers trauten sich nicht. Dann kam ein örtlicher Bankdirektor und sagte: „Ihr schafft das. Ihr seid fleißig. Und danach gehört’s Euch.“ Die Baiers: „Wir haben aber kein Geld.“ Der Bankdirektor: „Das machen wir schon.“ Kundengespräche dieser Art dürften heute nur noch ganz selten geführt werden.

„Durch Fleiß und Ausdauer, unbedingte Solidität und echte Gastlichkeit machte das Ehepaar Baier die ,Goldene Sonne‘ zu einem der besten Häuser der Regierungshauptstadt“, heißt es in einem alten Landshuter Zeitungsartikel. Es waren harte Jahre voller Arbeit. Es kamen Inflation, Hitlerzeit und Krieg. Bis 1948 war das Haus von der US-Army requiriert, bis es sich „nach gründlicher Renovation“ wieder „in alter Gemütlichkeit darbot“.

1965 rückte die zweite Generation nach: Karl und Maria Baier. Sie waren ein harmonisches und erfolgreiches Paar, das „Ruf und Glanz“ der „Goldenen Sonne“ weiter mehrte. Als Karl Baier 1988 starb, führte seine Frau den Betrieb weiter, bis 2000 der heutige Karl Baier das Haus übernahm.

Karl Baier lernte im Regensburger Hotel Maximilian und trat, nach Bundeswehr und Stationen im Eden Wolff und im Bogenhausener Hof (München) 1988 in den Familienbetrieb ein. Heute hat die „Goldene Sonne“ zwei Küchenchefs: Anton Schwimmbeck (58) und Dirk Adolf (45): „Ein Glücksfall“, schwärmt Karl Baier, „die beiden ergänzen sich perfekt.“

Das Haus bietet „traditionell gutbürgerlich bayerische Kochkunst, die es so in Landshut nicht mehr gibt“, sagt Karl Baier, „etwa ,Böfflamott‘ (eigentlich ja ,Bœuf à la mode‘), Spanferkel, gebackenen Kalbskopf, Kalbsleber oder gefülltes Kalbsbries.“

Historische Wirtshäuser in Niederbayern

Alle üblichen Schmankerln

Die üblichen Schmankerln wie hausgemachte Apfelkücheln, Bayerisch Creme, Wurstsalat, Schweinsbraten und Bier (Paulaner/Hacker-Pschorr) gibt’s natürlich alle auch – besonders heimelig ist es dann im schönen Biergarten. Leider kommen die Landshuter nicht mehr so oft zur Brotzeit, seitdem das Haus so elegant geworden ist, was Karl Baier bedauert: „Sie sind alle willkommen.“ Die meisten Gäste, die in den 60 Zimmern logieren, sind Geschäftsleute, die bei BMW, Flottweg (Zentrifugen), ebm-Papst, Schott oder E.ON zu tun haben. Zum Münchner Flughafen fährt man von Landshut aus nur eine halbe Stunde.

Blick in den goldenen „Sonne-Saal“: Hier war früher der Pferdestall. Foto: Gabi Schönberger

Eleganz und Großzügigkeit des etwa 750 Jahre alten Hauses rühren auch daher, dass die schmalen, „giebelständigen“ Gebäude in „Landshuter Bauweise“ später im Inneren durchbrochen und verbunden wurden.

„Das Gewölbe im ,Sonne-Saal‘ ist natürlich echt“, sagt Karl Baier. Viel Prominenz steht im Gästebuch, F. J. Strauß, Gerhard Schröder, die Kanzlerin. Seit 2002, seit dem TV-Start von „Um Himmels Willen“, sind Fritz Wepper und seine Kollegen Stammgäste – gedreht wird im nahen Schloss Niederaichbach. Für nächste Woche haben sie schon einen Tisch reserviert.

Dann dürfte auch der Waller-Brunnen im Biergarten wieder ins Spiel kommen. Gäste werfen eine Münze über die linke Schulter ins Wasser und behaupten ... aber nein. Wir berichten nur, was sich überprüfen lässt.

Weitere Teile unserer Wirtshaus-Serie finden Sie in unserem MZ-Spezial.

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