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Niederbayern
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Justiz

Schutzgeld-Erpressung hinter Gitter?

Ein Gefängnisinsasse der JVA Straubing soll für Tabak gewalttätig geworden sein. Jetzt droht ihm Sicherungsverwahrung.
Von Marion von Boeselager, Mz

In der JVA Straubing soll ein Häftling Tabak als Schutzgeld gefordert haben. Dabei wurde er auch gewalttätig. Foto: dpa

Regensburg.Um Tabak als Schutzgeld zu erpressen, soll ein Gefangener der Justizvollzugsanstalt Straubing einen Mithäftling im Februar letzten Jahres massiv unter Druck gesetzt, geschlagen und bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben. Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Regensburg bestritt der 27-jährige Angeklagte am Dienstag die ihm vorgeworfene versuchte räuberische Erpressung in zwei Fällen und die gefährliche Körperverletzung. Für den mehrfach wegen Gewaltdelikten – auch während seiner Haft – vorbestraften Mann geht es in diesem Prozess um viel: Ihm droht die Sicherungsverwahrung.

Zweimal soll der Angeklagte das mutmaßliche Opfer in Begleitung eines weiteren Häftlings aufgesucht haben. Beim ersten Mal verlieh er seiner Forderung nach der „Knastwährung“ Tabak durch „leichte Kopfstöße“ gegen dessen Stirn Nachdruck, heißt es in der Anklageschrift. Beim zweiten Mal nahm er das Opfer in den Schwitzkasten, drückte ihm seinen Hals mit den Händen zu und zog seinen Kopf weit nach unten „bis er schwarze Punkte sah.“ Zuletzt habe er dem Mann gezielt mit Faust oder Knie ins Gesicht geschlagen. Dieser erlitt eine Unterblutung des Auges, Würgemale, Atemnot und Schluckbeschwerden.

Angeklagter: Vorwürfe frei erfunden

Der Angeklagte, der seit 2011 hinter Gittern sitzt, bezeichnete die Vorwürfe indes als frei erfunden. Mögliche Motive für die falschen Anschuldigungen gebe es dagegen viele: „Ich habe damals keinen guten Stand in Straubing gehabt“, erläuterte er. Der Grund: „Ich war seit knapp zwei Jahren Gefangenensprecher.“ Als solcher habe er den Aufsehern öfters Hinweise gegeben, wenn ein Mithäftling Drogen nahm, oder unerlaubt einen USB-Stick oder ein Handy besaß. Die Folge seien schlimme Repressalien gewesen: „Ich musste den USB-Stick mit übelsten Zinsen zurückzahlen.“ Auch von sexuellen Übergriffen sprach der 27-Jährige. Der mutmaßliche Geschädigte soll ihn aufgefordert haben, ihm „einen zu blasen“. Ein anderer Gefangener soll den Angeklagten in seiner Zelle heimgesucht, ihn gewürgt und gedroht haben, ihn umzubringen. Auch jetzt noch, nach seiner Verlegung in eine andere bayerischen JVA, erhalte er Morddrohungen. Auch das mutmaßliche Opfer, meinte der 27-Jährige, habe ein Motiv für die angeblich falschen Behauptungen gehabt: „Er wollte verlegt werden.“ Zu den Tatzeiten will der Angeklagte mit Mitgefangenen Karten gespielt, beziehungsweise gefrühstückt haben.

Opfer im Gerichtssaal unter Medikamenteneinfluss

Das mutmaßliche Opfer verwunderte die Prozessbeteiligten durch seine stark verlangsamte Redeweise. Auf Frage des Verteidigers, ob er unter Drogen stehe, erklärte der 34-Jährige, er nehme wegen einer psychischen Erkrankung „Neuroleptika, Antidepressiva und Beruhigungsmittel“. Dies sei auch zur Tatzeit schon der Fall gewesen. „Es fällt mir heute schwer, mich an alles zu erinnern“, meinte er. Er wisse noch, dass der Angeklagte „Tabak von mir wollte. Er drohte, er würde sonst publik machen, dass ich ein Kinderschänder bin. Aber das stimmt gar nicht. Ich sitze wegen eines ganz anderen Delikts.“ Als der 27-Jährige den Tabak aus dem Schrank nehmen wollte, „bin ich dazwischen gegangen“, so der mutmaßlich Geschädigte weiter. „Da ging er auf mich los. Ich lag mit dem Rücken auf dem Bett. Er lag auf mir und würgte mich mit einer Hand. Mir wurde schwarz vor Augen. Ich hatte einen Filmriss.“ Durch seine späteren Angaben auf der Krankenstation sei das Verfahren dann ins Rollen gekommen.

Der Prozess ist auf drei Tage ansetzt. Nun sollen weitere Zeugen aus der JVA gehört werden.

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