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Niederbayern
Montag, 11. Dezember 2017 3

MZ-Serie

Und die Brotzeit wird mitgebracht

Beste Brautradition und immer gute Stimmung: Das Aldersbacher Bräustüberl gilt als ein Inbegriff bayerischer Behaglichkeit.
Von Thomas Dietz, MZ

Stüberlwirt Klaus Seidl, kurz vor dem Gästeansturm um 14 Uhr. Motto des Hauses: „Fürchte Gott, so wirst du selig, trinke Bier, so wirst du fröhlich, fürchte Gott und trinke Bier, so wirst du selig fröhlich hier.“ Foto: Gabi Schönberger

Aldersbach.Zu den Orten, deren Aura einen sofort gefangen nimmt, gehört fraglos das legendäre Bräustüberl im Kloster Aldersbach. Hier ist der positive genius loci, der Geist des Ortes, erstaunlich mächtig. Man spürt es z. B. bei auswärtigen Gästen, die zum ersten Mal lächelnd und über die Maßen erstaunt das Gewölbe des ehemaligen Zisterzienser-Refektoriums durchstreifen. Alle anderen kennen das schon und fühlen sich einfach nur wohl.

„Nirgendwo lernen Sie Gemütlichkeit, Geselligkeit und niederbayerisches Gemüt besser kennen als im Bräustüberl der Brauerei Aldersbach“, liest man auf der Website. „Musiker und Gäste singen und musizieren zusammen. Jeder, der Lust hat, ist eingeladen, sein Instrument mitzubringen.“ Nur Geld darf er keins verlangen.

Auch moderne Gewölbe gibt es: in das alte Fass passen 4879 Liter. Foto: Gabi Schönberger

Der Stüberlsound aus Geraune, Gerede, Gejohle, Gelächter und Gesinge ist schon einmalig. „Besonders lustig geht es beim ,Hundsbuam‘-Stammtisch zu“, berichtet Stüberlwirt Klaus Seidl. „Die sind gut drauf, besonders der Sepp. Da sind sie schon mal alle mit der ganzen Stuhlreihe nach hinten gekippt, so haben die gelacht.“

Nach guter, alter Art pflegt man seine Brotzeit noch selbst ins Bräustüberl mitzubringen. Was da aus den Körberl auf die langen Tische kommt, kann man sich vorstellen. „Sie glauben ja nicht, was ich von Stammgästen schon alles habe probieren müssen“, erzählt der Seidl Klaus. Er ist einer von drei Stüberlwirten, gleichberechtigt mit dem Franz Buchbauer, genannt Michael und dem Herbert Preiß. „Wir sind hier alle per Du“, erklärt Klaus. Sogar zu seinem Chef, Georg Adam Freiherr von Aretin, sagt er „Griaß di.“

Selbstabholung im Steinmaßkrug

Niemand bleibt hungrig, wenn er keine Brotzeit zur Hand hat. Eine kleine Auswahl steht immer parat: knusprige Stüberlbrezn und Weißbierschuberl, Wurstsalat und Bratensulz, Presssack rot oder weiß, Jagd-, Leber- und Streichwurst im Glas. Brotzeitteller, Servietten und Besteck, die man hinterher selber wieder zurückbringt, gibt es genug. Na, und dann fließt natürlich das eigene, etliche Male preisgekrönte Klosterbier in Strömen – zur Selbstabholung in Steinmaßkrügen und zu erstaunlich zivilen Preisen, eine Maß Helles kostet 4,80 Euro. An jedem letzten Sonntag des Monats gibt’s einen Weißwurst-Frühschoppen mit musikalischer Umrahmung.

Wer partout etwas Warmes essen möchte, kann sich ins hauseigene Restaurant Klosterhof begeben, und die exzellente Küche vom „Mayerhofer“ wird fairerweise auch empfohlen.

Der anmutige Klosterhof mit der Asamkirche Mariä Himmelfahrt. Foto: Gabi Schönberger

Kaum ein Gast lässt den Besuch der Asamkirche Mariä Himmelfahrt auf dem Klostergelände aus. Nachdem man Größe, Helligkeit und Übersichtlichkeit des 64 Meter langen Kirchenschiffes gewürdigt hat, kann man sich den überreichen Details zuwenden. So haben die genialen Brüder Cosmas Damian und Egid Quirin Asam im Hauptdeckenfresko „Weihnachtsvision des Hl. Bernhard“ die „Aldersbacher Schwalbe“ platziert, die man unbedingt gesehen haben muss, die aber durchaus nicht leicht zu finden ist.

Auch der Hochaltar des Passauer Bildhauers Matthias Götz von 1723 hat es in sich – er gehört zum Grandiosesten, was die Rokokozeit hervorgebracht hat. Wer es sich zutraut, mag die Engel zählen, die die Heiligste Dreifaltigkeit umgeben – es sollen 88 sein.

Das Kloster Aldersbach wurde um 1120 gegründet, 1146 übernahmen es die Zisterzienser. Rund 750 Jahre lang galt Aldersbach als eine Art blühendes Musterkloster, bis zum Jahresende 1803 der Abt und seine 42 Mönche im Verlauf der Säkularisation kurzerhand rausgeschmissen und das Inventar mitsamt der einzigartigen Bibliothek verschleudert wurden.

Historische Wirtshäuser in Niederbayern

„Bier in Bayern“ ab 29. April 2016

Tradition seit 1268: das Wappen der Aldersbacher Klosterbrauerei. Foto: Gabi Schönberger

1811 kaufte Johann Adam von Aretin das Kloster, in dem mindestens seit 1268 Bier gebraut wurde. Da die Urkunde der Braugerechtigkeit im Dreißigjährigen Krieg verloren ging, stellte der bayerische Kurfürst Maximilian I. 1644 netterweise eine neue aus. Im 1734 errichteten Sudhaus ist heute das Brauereimuseum untergebracht: es wird allerdings gerade umgestaltet – für die Bayerische Landesausstellung „Bier in Bayern“, die am 29. April 2016 im Kloster Aldersbach eröffnet wird und bis Ende Oktober läuft.

Anlass ist das 500-jährige Jubiläum des Bayerischen Reinheitsgebotes. „Natürlich wird die Ausstellung interaktiv sein“, verrät der Aldersbacher Braumeister Peter Wagner, „es soll ja auch Spaß machen.“ Die gesamte Klosteranlage ist schon seit Jahren tipptopp hergerichtet worden und jetzt zum größten Teil in einem Zustand, in dem sie seit ihrer Gründung so wohl noch nie gewesen ist. Dem Besucheransturm dürften die vielen Säle (allein der Fürstensaal fasst 250 Personen) und der Klosterhof, in dem ein Zelt errichtet wird, leicht gewachsen sein.

Kloster Aldersbach und die Familie Freiherr von Aretin sind für die Landesausstellung eine vorzügliche Adresse. Und nach Annette von Aretin (1920-2006) aus Robert Lembkes ewiger Quizsendung „Was bin ich?“ wird im Klostershop immer noch gefragt.

Lage des Gasthauses

Alle Teile unserer Serie „Historische Wirtshäuser in Niederbayern“ finden Sie hier und auf mittelbayerische maps.

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