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Oberpfalz
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„Alles spielt sich hier im Wirtshaus ab“

Wer das Altmühltal besucht, ist bei der Wirtsfamilie Sollinger im Gasthof Zur Post in Riedenburg bestens aufgehoben.
Von Thomas Dietz, MZ

  • Altmühltaler Gastlichkeit mit Tradition: Vater Karl Sollinger (genannt „Heinz“), Sandra Schmid, Mutter Brigitte mit Enkelin Marlene, Corinna Sollinger und Großmutter Traudl Pollinger (v. l.) Foto: Gabi Schönberger
  • Ein Engelchen im böhmischen Gewölbe: Hier wird gefrühstückt. Foto: Gabi Schönberger

Riedenburg.Dass es mit dem schönen Altmühltal eine besondere Bewandtnis haben muss, weiß man seit langem – noch aus der Zeit vor den Kelten und Römern. Auch dass die spirituellen Energieströme hier besonders positiv sind, hat sich herumgesprochen. An den Kalksteinfelsen des Jura soll die Kraft besonders stark sein. „Offenbar ist das so“, sagt Brigitte Sollinger, Wirtin des Gasthofes Zur Post in Riedenburg, „denn es kommen immer wieder Gäste, die das behaupten.“

Und so spaziert man gut gelaunt durch die Altstadt, bis man vor dem Gasthof am Fuße der mächtigen Rosenburg und mit Blick auf die Pfarrkirche St. Johannes steht. Vor zwei Jahren ließ die Familie Sollinger die von italienischen Stuckateuren um 1900 geschaffene Fassade aufwändig restaurieren, deren Wappen und Gesichter, Giebel, Zinnen und Eckpilaster repräsentativ in weiß und gelb leuchten.

Gasthof Zur Post: die prächtige Fassade wurde aufwändig restauriert. Foto: Gabi Schönberger

Aus dem Jahr 1618 stammt die früheste urkundliche Erwähnung des Gasthofes „Bauernbräu“ in diesem Hause. Um 1680 richtete man in Riedenburg die erste Posthalterei ein, aber am 30. Mai 1772 stellte die Fürstl. Taxis’sche Verwaltung das Postgeschäft ein. Erst am 10. Juli 1849 wurde hier wieder ein Expeditor bestallt.

In einer Annonce aus der Kaiserzeit wird das Wirtshaus so beschrieben: „Gasthof u. Brauerei „Zur Post“ von Karl Halbritter, kgl. Posthalter, Riedenburg im Altmühltal, am Marktplatz empfiehlt seinen Gasthof mit guten Betten, bürgerl. Küche, gute Weine, braunes Bier von eigener Brauerei u. helles Flaschenbier; sowie seinen herrlich gelegenen Sommerkeller, mit heizbarer Kegelbahn, Schiessstätte u. schönste Aussicht in das Altmühltal. Jagd- und Fischereigelegenheit beim Besitzer. Gute Fremdenstallungen. Fuhrwerke stehen jederzeit zur Verfügung. Tummelplatz, sowie grosser Saal vorhanden. Civile Preise.“

60 Jahre Gastwirts-Erfahrung

Seit 1853 besorgte die Familie Halbritter Postexpedition und Posthaltung. Vom Erben Karl Halbritter kaufte die Familie Sollinger zum Jahresende 1994 das ehrwürdige Haus, das, nach gründlichen Umbauten, dann am 19. Mai 1995 wieder eröffnet wurde.

Die Sollingers sind eine fröhliche, lebhafte Familie, die auf eine 60-jährige Erfahrung gepflegter Gastlichkeit zurückblickt. Trotzdem zögerte Brigitte Sollinger, als Halbritter ihr vor zwanzig Jahren das Gasthaus Zur Post anbot: „Herr Halbritter, diese Trauben san mir zu sauer“, fürchtete sie anfangs. Doch dann führte er sie stundenlang „mit einem kiloschweren Schlüsselbund“ durch das große Anwesen und am Ende sagten sie und ihr Mann Heinz „Ja“. „Aber ohne ein Darlehen ,zur Erhaltung der bayerischen Wirtshauskultur‘ wäre es damals nicht möglich gewesen.“

Blick in ein Fremdenzimmer: Jeder Raum wurde individuell gestaltet. Foto: Gabi Schönberger

Heute hat das Haus 100 Plätze im Wirtshaus und noch mal 70 Plätze im schönen „Rossstall-Gewölbe“, dazu kommen 25 liebevoll eingerichtete Zimmer mit insgesamt 60 Betten. Die Küche bietet klassische Schmankerl wie Schäuferl, ofenfrischen Schweinsbraten, Grill- und Wildspezialitäten, Zander oder Forelle „mediterran“, aber auch leichte Salate. Solche guten, alten, soliden Speisen standen schon auf der Speisekarte vom „Montag, 8. 1. 1967: Schweinerücken/ Klöß/ gem. Salat DM 3.–, Rinderbraten/ Butterbohnen/ Salzkart./ Salat DM 3.50.“ In den 1950er Jahren wurde das Haus noch nach anderer Art geführt: „Halbritter saß bis spät in die Nacht mit seinen Freunden beim Schafkopfen in der Wirtsstube und wenn die Getränke alle waren, langte er hinter sich und klopfte mit dem Besenstiel an die Decke“, erzählt Brigitte Sollinger. „Sofort sauste seine Frau die Treppe herab und zapfte frisches Bier. Und wenn ein unkundiger Gast von auswärts nach der Speisekarte verlangte, bemerkte sie: ,Bei uns gibt’s das, was es gibt.‘“

Die Sollingers sind eine Gastwirtsfamilie mit Leib und Seele: „Wir sind immer hier, zwölf bis 15 Stunden täglich“, sagt Corinna Sollinger, die ein kleines Töchterchen – Marlene – hat. „Alles spielt sich hier bei uns im Wirtshaus ab, hier haben wir Freunde, Leben, Gesellschaft.“

Zur Post gesellte sich der Schwan

Das Engagement der Familie ist offenbar erfolgreich: im vorigen Jahr haben die Sollingers auch den Brauereigasthof Schwan schräg gegenüber übernommen – die jahrhundertealte Konkurrenz zum Gasthof Zur Post. „Das Haus ist jetzt noch Baustelle“, berichtet Sandra Schmid geb. Sollinger. „Beim Ausräumen haben wir im Keller 2200 Weckgläser aus Kriegszeiten gefunden, Pflaumen und Blaubeeren. Leider alles verdorben. Beim Öffnen platzen sie und stinken fürchterlich, schad drum. Auch ein Weinregal soll eingemauert worden sein, wir vermuten auch, wo, haben aber die Mauer noch nicht durchbrochen.“

Der „Schwan“ hat eine noch spektakulärere Geschichte als der Gasthof Zur Post (wir berichten in einer späteren Folge unserer Serie). Man will sich später im Angebot „gegenseitig ergänzen“ – denn die Zahl der Gäste, die das anmutige Altmühltal besuchen, steigt erfreulicherweise weiter an.

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