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Oberpfalz
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Jahresrückblick

Die Luchsmorde blieben rätselhaft

Erst war es ruhig um den spektakulären Fall aus dem Frühjahr 2015. Im Dezember kam es dann zur Hausdurchsuchung in Lohberg.
Von Stefan Weber

Die Morde an zwei Luchsen im Lamer Winkel im Mai 2015 blieben auch im vergangenen Jahr unaufgeklärt. Allerdings ergab sich Ende des Jahres eine neue Spur. Foto: dpa

Lohberg.Der Fall sorgte bereits im Mai 2015 für bundesweites Aufsehen. Im Lamer Winkel wurden Überreste von zwei Luchsen gefunden. Die Empörung war nicht nur bei Tierschützern groß, die Polizei und die Staatsanwaltschaft ermittelten von Anfang an unter Hochdruck. Es wurde geklärt, ob es wirklich zwei Tiere waren, von denen die vier gefundenen Pfoten stammten; bereits im Juli 2015 konnten sie zwei Tieren zugeordnet werden, die Staatsanwaltschaft in Regensburg ging nun offiziell von einem Verbrechen aus.

Dass die Vorderläufe nicht einfach bereits toten Tieren abgetrennt wurden, belegten Schussverletzungen in zwei Läufen. Ein Verdacht fiel schnell auf die Jägerschaft, die sich gegen die pauschale Vorverurteilung wehrte. Aber auch Tierschützer gerieten in den Fokus der Spekulationen. Hatte jemand die Pfoten vielleicht absichtlich im Wald abgelegt, um Stimmung zu machen? Eine handfeste Spur auf den wahren Täter gab es bis Ende des Jahres aber nicht, es blieb bei immer wilderen Spekulationen.

Ermittlung förmlich abgeschlossen

Der Regensburger Oberstaatsanwalt Theo Ziegler räumt ein, dass die Ermittlungen im Laufe des Jahres „förmlich abgeschlossen“ worden waren. Einfach deshalb, weil sich keine neuen Hinweise mehr finden ließen und es keine Spur gab, die weiterverfolgt hätte werden können. So verliefen zahlreiche Anfragen bei der Staatsanwaltschaft während des gesamten Jahres 2016 im Sande. Es gab nichts Neues. Lediglich die extrem hohe Belohnung zur Ergreifung des Täters sorgte Anfang des Jahres noch einmal für Schlagzeilen.

Bis zu jenem ereignisreichen Tag Anfang Dezember. Kurz zuvor war die Reporter-Anfrage nach dem Sachstand von der Staatsanwaltschaft noch mit den üblichen „Nichts-Neues-Antworten“ erwidert worden – und dann, völlig unerwartet, rückt eine Hausdurchsuchung in der 1900-Seelen-Gemeinde Lohberg den Fall wieder in den Mittelpunkt des Interesses.

Beamte der Polizeiinspektion Bad Kötzting, die von benachbarten Dienststellen, der Bereitschaftspolizei und Spurensicherungsexperten der Kriminalpolizeiinspektion Regensburg unterstützt wurden, rückten an. Das Großaufgebot machte im Dorf schnell die Runde, die Staatsanwaltschaft reagierte mit einer Pressemitteilung am 10. Dezember darauf.

Verdächtiger nicht im Fernsehen

Es hätten sich „neue Ermittlungsansätze ergeben“, hieß es darin. Aufgrund von anonymen Hinweisen bestehe ein Tatverdacht gegen einen Mann aus dem Gemeindegebiet von Lohberg. Besonders brisant: Der Mann ist Jäger, es konnten vor allem Jagdwaffen bei ihm sichergestellt werden. „Ihm liegt eine Jagdausübung trotz Schonzeit in Tateinheit mit Tötung einer besonders geschützten Tierart zur Last“, so die Staatsanwaltschaft. Nun stellte sich natürlich die Frage, woher dieser neue Hinweis auf einmal gekommen war.

Der Luchs

  • Die Art

    Die Luchse sind eine Gattung in der Familie der Katzen. Es werden vier Arten zu dieser Gattung gezählt, die alle auf der Nordhalbkugel der Erde vorkommen.

  • Größe

    Luchse können 70 bis 110 Zentimeter lang werden, haben eine Schulterhöhe von 50 bis 75 Zentimeter und können 15 bis 38 Kilo schwer werden. Luchse zählen zwar zu den Kleinkatzen, sind jedoch die größten europäischen Wildkatzen. Ihre Krallen können sie einziehen und ausfahren.

  • Ausbreitung

    Das europäische Verbreitungsgebiet des Luchses reichte zu Beginn der Neuzeit von den Pyrenäen bis zum Ural.

  • Wiederansiedlung

    Zwischen 1918 und etwa 1960 war der Luchs in Westeuropa fast ausgerottet. Durch Auswilderungen sind heute Bereiche wie Alpen, Vogesen, der Harz und Böhmerwald wiederbesiedelt. In Deutschland waren bereits in den 50er Jahren Luchse aus Tschechien in den Bayerwald eingewandert.

Oberstaatsanwalt Theo Ziegler hält sich auf Fragen nach der Quelle verständlicher Weise bedeckt. Ein Gerücht kann er allerdings schnell entkräften. Denn kurz bevor bekannt wurde, dass es einen Tatverdächtigen gibt, hatte der Bayerische Rundfunk eine Sendung ausgestrahlt. Ort der Aufzeichnung war pikanterweise Lohberg gewesen, und es ging um die seit Monaten ungeklärten Luchsmorde im Lamer Winkel. Unglaublich – war der Tatverdächtige in der Sendung darin vielleicht sogar zu sehen gewesen, und hatte sich auf diese Weise selbst verraten?

Reine Spekulation, wie Ziegler erklärte. Denn die Hausdurchsuchung habe zeitlich vor der Ausstrahlung des Beitrages gelegen. Allerdings, so räumt er ein, sei über den Mann, der nun als Tatverdächtiger gilt, „in dem Beitrag gesprochen worden“. Zu ihn geführt habe die BR-Recherche nicht.

Tatverdacht macht keinen Täter

Zum Ende des Jahres 2016 gab es somit zwar eine neue Spur, aber immer noch keinen Täter. Denn „Tatverdächtiger ist nicht gleich Täter“, sagt der Staatsanwalt. Aktuell sei es auch die einzige Spur, die in diesem Fall verfolgt werde, so Ziegler. Mit einem schnellen Abschluss sei darüber hinaus nicht zu rechnen, sagt er. Derzeit würden vorhandene DNS-Spuren ausgewertet und auch ein Abgleich mit der Munition vorgenommen, die an den Pfoten gefunden wurde.

Doch selbst wenn sich der nun bestehende Verdacht bestätigen sollte, blieben noch Fragen offen – so etwa, ob der Mann dann alleine oder mit Komplizen gehandelt habe. Augen und Ohren von Staatsanwaltschaft und Polizei blieben weiter offen, versichert Theo Ziegler. Ob der rätselhafte Fall der Luchsmorde 2017 aufgeklärt werden kann, ist derzeit noch völlig offen. Die Wendungen des Jahres 2016 haben gezeigt, dass vieles möglich ist und auch nach Monaten noch neue Spuren auftauchen können.

Abseits der Ermittlungen

Unterschiedlich hohe Belohnungen Foto: wb

Belohnung: Im März stellte sich die Frage, weshalb zur Aufklärung eines Unfalls, bei dem ein 54-jähriger Rollerfahrer starb, 1000, für Hinweise auf die Luchsmörder 10 000 Euro geboten wurden. Der Grund: Für den Unfall machen das „Organe des Innenministeriums“; die 10 000 Euro in Sachen Luchs kommen vom Umwelt-Ministerium.

Im März wurde ein toter Luchs bei Zwiesel gefunden. Foto: dpa

Unfall: Im März wurde ein toter Luchs bei Zwiesel gefunden. Ein weiterer Mord? Die Ergebnisse in diesem Fall kamen schnell: „Anhand der Tierfährten im Schnee beidseitig der Fahrbahn war ein Unfallgeschehen beim Überqueren der B 11 sehr wahrscheinlich“, so die Polizei. Eine Untersuchung des toten Tieres bestätigte die Annahme.

Im Tierpark in Lohberg gab es Luchs-Nachwuchs zu bewundern. Foto: kfl

Nachwuchs: Im Tierpark in Lohberg gab es Luchs-Nachwuchs zu bewundern. Mutter „Narnia“ hatte 2014 bereits eine Zwillingsgeburt überstanden, 2016 gab es ein Jungtier mehr. „Wir freuen uns über die kleinen Raubkatzen“, so die fachliche Leiterin Claudia Schuh über das Jungtier mit einem Geburtsgewicht von 300 Gramm.

Im November dokumentieren Videoaufnahmen des LBV erstmals zwei junge Luchse im Lamer Winkel. Foto: LBV

Entdeckung: Im November dokumentieren Videoaufnahmen des LBV erstmals zwei junge Luchse im Lamer Winkel. Mindestens fünf Tiere seien in den vergangenen sechs Jahren getötet worden, weitere 14 gelten als verschollen, so der LBV. Die Aufnahmen brächten Gewissheit, dass sich die Luchse in diesem Bereich wieder vermehren.

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