mz_logo

Oberpfalz
Dienstag, 12. Dezember 2017 7

Kriegsschicksal

Ein Soldatenschicksal ging um die Welt

Der Flieger Hans Wunderlich kam 73 Jahre nach seinem Absturz in ein Soldatengrab. Volksbundarbeit für den Frieden
Von Alois Dachs, MZ

Im Nordjyllands Historiske Museum in Aalborg sind die Trümmer des Messerschmitt-Jagdflugzeuges ausgestellt, mit dem der 19-jährige Hans Wunderlich aus Neusorg (Oberpfalz) am 10. Oktober 1944 bei Birkelse abgestürzt war. Sie wurden auf einem Feld entdeckt.Foto: Nordjyllands Historiske Museum

Regensburg.Es ist ein Soldatenschicksal von über 60 Millionen, die im Zweiten Weltkrieg den Tod fanden. Trotzdem ist das Schicksal von Hans Wunderlich aus Neusorg in der Oberpfalz ein „Sonderfall“, den der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. genauer beschreibt.

Am 10. Oktober 1944 war der am 22. Juli 1925 in Neusorg geborene Pilot mit seinem Messerschmitt-Jagdflugzeug bei Birkelse in Nordjütland (Dänemark) auf einem Feld abgestürzt. Anlässlich eine Schulprojektes seines 14-jährigen Sohnes Daniel Kristiansen zum Zweiten Weltkrieg erinnerte sich Klaus Kristiansen an Erzählungen seines Großvaters, der damals den Flugzeugabsturz beobachtet hatte. Vater und Sohn suchten mit Metallsonden das Feld ab, fanden zunächst Kleinteile aus Flugzeugaluminium und schließlich die Trümmer des gesamten Flugzeuges, die von Mitarbeitern des Nordjyllands Historiske Museum in wochenlanger Arbeit gesäubert und für eine Ausstellung geordnet wurden.

Viele persönliche Dokumente

Die Bergung der Flugzeugteile förderte aber auch eine ganze Reihe von persönlichen Ausrüstungsgegenständen zutage, die das Ergebnis einer forensischen Untersuchung der sterblichen Überreste von Hans Wunderlich bestätigten. Neben Teilen der Uniform mit dem Kragenspiegel der Luftwaffe wurden die aus Pforzheim stammende Armbanduhr mit den Initialen HW und das Bordbuch von Unteroffizier Hans Wunderlich gefunden, in dem bis zum 24. September 1944 sämtliche Flüge genau verzeichnet waren. Die Armbanduhr war um 2 Uhr Nachmittag stehengeblieben, so dass der Zeitpunkt des Absturzes genau festzustellen war. Fallschirm, Rettungsweste und Mütze wurden ebenso gefunden, wie eine Geldbörse mit Münzen, Zigarettenpapier, Kondome und der Taschenkalender des Piloten, der bei einem Trainingsflug abgestürzt war. Selbst die Essenmarken für die Luftwaffenkantine in Aalborg – Dänemark war damals von der Wehrmacht besetzt – wurden noch gefunden.

Für das Nordjyllands Historiske Museum war der Fund, 73 Jahre nach dem Absturz des Jagdflugzeuges, so bedeutend, dass extra für mehrere Wochen eine Sonderausstellung im Museum organisiert wurde. Dabei wurde auch der von Daimler-Benz hergestellte Motor des Messerschmitt-Jagdflugzeuges zusammen mit verschiedenen Instrumenten, Propellerteilen, dem Bord-Maschinengewehr, dem Heckrad und Teilen der Landeklappen der Öffentlichkeit präsentiert.

Ostsee wurde vielen nasses Grab

Verschiedene Kriegsgräberstätten an der deutschen und dänischen Ostseeküste zeigen insofern eine Besonderheit, als neben Soldaten viele Zivilisten hier beigesetzt sind, die als Flüchtlinge aus Ost- und Westpreußen, Pommern, Ostbrandenburg und Oberschlesien dem Zugriff der Roten Armee entkommen wollten.

Rund 17 Millionen Menschen waren nach Schätzungen der Reichsregierung im März 1945 auf der Flucht in den Westen. 33 082 Flüchtlinge fanden bei Angriffen auf Transportschiffe in der Ostsee den Tod. Bis heute gilt die Versenkung der „Wilhelm Gustloff“ durch ein sowjetisches U-Boot am 30. Januar 1945, mit bis zu 9000 Opfern, als ein besonderes Mahnzeichen. Wie perfide die SS mit KZ-Häftlingen zum Kriegsende umging, zeigte sich am Beispiel des Konzentrationslagers Neuengamme bei Hamburg. Rund 7000 Häftlinge aus 24 Nationen fanden in der Neustädter Bucht den Tod, nachdem sie auf Schiffen – darunter die „Cap Ancona“ – zusammengepfercht worden waren, die von englischen Tieffliegern versenkt wurden, wie die SS aus den Erfahrungen der letzten Kriegswochen erhofft hatten.

Information der Jugend wichtig

Bei der letzten Kriegsgräberfahrt für Journalisten, die Dr. Wilhelm Weidinger als Volksbund-Präsident begleitete, nannte er die pädagogische Information der Jugend über diese Zeit besonders wichtig, um Fremdenhass vorzubeugen und Verständnis für das Leid von Flüchtlingen zu wecken. Die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren, sei eine Aufgabe der Politik.

Landesgeschäftsführer Jörg Raab, der die Reisegruppe unter anderem zum Marinedenkmal in Laboe und zum benachbarten U-Boot-Ehrenmal in Möltenort geführt hatte, erinnerte auch an die Leistung des dänischen Volkes, das vom 9. April 1940 bis 5. Mai 1945 unter deutscher Besatzung zu leiden hatte und trotzdem zum Kriegsende 240 000 deutsche Flüchtlinge aufnahm. Erst 1949 wurde die Rückführung der Flüchtlinge, die über die Ostsee ins Land gekommen waren, von Dänemark nach Deutschland abgeschlossen. Entlang der Ostseeküste liegen mehrere deutsche Kriegsgräberstätten, so auch in Haddebyer Noor, wo 1 124 Tote des Zweiten Weltkriegs bestattet sind. Mittelpunkt der Anlage ist dort ein stilisiertes Hünengrab.

Weitere Nachrichten aus der Oberpfalz lesen Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht