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Oberpfalz
Mittwoch, 25. Mai 2016 13° 5

Konferenz

Fahrgeschäfte bangen um ihre Existenz

Der Landesverband der Marktkaufleute und Schausteller tagt in Regensburg. Diskussionsstoff liefert auch eine EU-Norm.
Von Christine Straßer, MZ

Das Riesenrad gehört zu den Attraktionen auf der Regensburger Dult. Archivfoto: Pieknik

Regensburg.Die Regensburger Dult ohne Riesenrad? Das Straubinger Gäubodenfest ohne Karussell? Das Münchner Oktoberfest ohne Achterbahn? Die Attraktionen auf vielen Volksfesten sind bedroht. Die Umsetzung einer Sicherheitsvorgabe treibt Fahrgeschäfte in den Ruin, warnt Wenzel Bradac, Präsident des Bayerischen Landesverbands der Marktkaufleute und der Schausteller (BLV). Bradacs Verband, der unter Einbeziehung aller Zulieferer nach eigenen Angaben 500 000 Arbeitsplätze sichert, tagt ab Mittwoch drei Tage in Regensburg. Ein Thema, das den Schaustellern unter den Nägeln brennt, verbirgt sich hinter dem Kürzel DIN EN 13814. Eigentlich ist das eine Norm, die europaweit einheitlich gelten soll. Für viele deutsche Schausteller könnte sie Bradacl zufolge aber das Ende bedeuten, weil Deutschland höhere Anforderungen an sogenannte fliegende Bauten stellt als der Rest Europas. Das hatte bereits mehrere Gerichtsverfahren zur Folge.

Auf Bestandsschutz verzichtet

Im Unterschied zu anderen EU-Staaten verzichteten die 16 deutschen Landesbauministerien auf einen möglichen Bestandsschutz für ältere Fahrgeschäfte, die der neuen Norm nicht entsprechen. Damit sollen die neuen Vorgaben auch für Jahrmarkts-Attraktionen gelten, die vor 2004 gebaut wurden. Bradac schätzt, dass ungefähr 70 Prozent aller Karussells betroffen sind. Die DIN EN 13814 regelt eine Fülle von technischen Details. So müssen beispielsweise Kettenkarussells künftig Personen mit einem durchschnittlichen Körpergewicht von 100 Kilogramm tragen können, statt wie bisher nur 75 Kilogramm. In der Vergangenheit war es wiederholt zu Unfällen mit Fahrgeschäften gekommen.

Neuberechnung kostet tausende Euro

Tritt die neue Norm in Kraft müssen alle beweglichen Teile eines Fahrgeschäfts neu berechnet werden, um zu prüfen, ob sie den neuen Vorgaben entsprechen. „Allein diese Neuberechnung kostet für ein Karussell 70 000 Euro“, sagt Bradac. „Für ein Riesenrad sind es 400 000 Euro und für einen Fünferlooping etwa 1,2 Millionen Euro.“ Es gehe nicht darum, auf Kosten der Sicherheit zu sparen, betont Bradac. Aber in Deutschland seien die Fahrgeschäfte schon vor der Einführung der neuen Norm einer regelmäßigen Sonderprüfungen unterzogen worden. Dass Fahrgeschäfte, die seit Jahrzehnten unfallfrei seien, nun höheren Auflagen unterliegen sollen als Konkurrenten aus Europa oder Fahrgeschäfte in Freizeitparks, hält Bradac für ungerecht. Außerdem habe der TÜV bislang keinen Beweis erbracht, dass die neue Norm einen Sicherheitsgewinn bringen wird.

Eine weitere Forderung des BLV betrifft das Schwarzarbeiterbekämpfungsgesetz. „Die Branche bietet keinerlei Anlass für die Führung in dieser Liste“, sagt Bradac. Die Einstufung der Schausteller beruhe auf Erkenntnissen aus dem Jahr 2004. Seitdem habe sich aber vieles verbessert, führt Bradac aus. Auch im Zusammenhang mit dem Mindestlohn sieht der BLV Nachbesserungsbedarf. Der Interessenverband stört sich nicht am Mindestlohn selbst, einer Bezahlung, die in der Branche sowieso schon die Regel gewesen sei, betont Bradac. Was Probleme bereite, sei die Dokumentationspflicht. „Wir schreiben uns ins Koma“, kritisiert Bradac.

Höhepunkt der Tagung der Marktkaufleute und Schausteller in Regensburg wird eine Großkundgebung am Freitag. Als Festredner ist Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) angekündigt. Ein Grußwort wird Fürstin Gloria von Thurn und Taxis sprechen. Ihre Zusage hält Bradac in Ehren. So ein wunderbares Schreiben habe er noch nie bekommen, sagt Bradac. Er werde es rahmen lassen und in seinem Büro aufhängen.

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