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Oberpfalz
Samstag, 30. Juli 2016 28° 2

Entwicklung

Ich hacke, du hackst, wir hacken

Was passiert, wenn Programmierer, Designer und Journalisten 2,5 Tage an Ideen arbeiten? Eine ganze Menge mehr als nur Arbeit
von Christine Straßer, MZ

Die Programmierer hauen beim MZ-Hackathon in die Tasten. Fotos: Ronja Bischof

Regensburg.Die Pizzen werden kälter, die Getränke wärmer, die Köpfe in den Konferenzräumen des Mittelbayerischen Verlags immer heißer. Das ist ein Hackathon, genau so wie man sich das vorstellt. In 2,5 Tagen und zwei Nächten wird ganz massiv alles durchkonjugiert, was so einen Programmierwettbewerb ausmacht. Auf den über den Laptops gesenkten Gesichtern von Julian und Bastian zeichnet sich das ab. Sie haben schon am Freitagvormittag Augenringe und sehnen sich nach Energydrinks.

Die Nacht war kurz und unruhig. Die Putzfrau hat die beiden Hackathon-Nesthäkchen auf einem Sofa, das im Verlagsfoyer steht, und einem Bett, das sich Bastian aus Sesseln zusammengeschoben hat, aufgeschreckt. Früh, zu früh für die zwei Amberger Schüler, die bis in die Nacht programmiert, darüber ihren Zug verpasst und deshalb im Verlagsgebäude übernachtet haben. Ein bisschen aber auch, weil sie das für ganz normal hielten. „Wir sind davon ausgegangen, dass alle das so machen“, sagt der 14-jährige Bastian, entwaffnend unbedarft.

Der Papa ist auch Informatiker

Es ist sein erster Hackathon, umso eifriger ist er dabei. Auf den Termin aufmerksam gemacht, hat ihn sein Vater. Der ist Informatiker an der OTH in Amberg. Vom Unterricht an der Schönwerth-Realschule Amberg hat sich Bastian befreien lassen. „Der Direktor hat eine Bescheinigung unterschrieben“, bekräftigt er. Das kauft man ihm ab, ohne dass er Beweise vorlegt. Zu überzeugend ist der Kleine-Jungen-Charme, der aus seinem Pumuckl-Gesicht blitzt.

Im Team mit Julian und den Studenten Emmanuel und Jonas bastelt Bastian an einer App, über die Menschen auf dem Land Mitfahrgelegenheiten in die umliegenden Städte finden sollen. Emmanuel und Jonas kommen aus den Orten Wörth und Wiesent im Landkreis Regensburg und kennen das Problem aus eigener Erfahrungen, wenn sie in die Disco nach Regensburg wollten. Mit der App Ridewithme sollen Nutzer ihre Facebook-Freunde in drei Schritten abfragen: Ist jemand Fahrer oder Mitfahrer? Wohin soll es gehen? Wann soll die Abfahrt sein? Mit einer Rohversion geht es am Nachmittag hinaus, um Passanten – also mögliche Nutzer der App – nach ihrer Meinung zu der Idee zu fragen.

Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie, um zu lesen, was Teilnehmer über den MZ-Hackathon sagen:

Teilnehmer beim MZ-Hackathon

Regionale Talente präsentieren sich

Die Mittelbayerische Verlag ist das erste regionale Medienhaus, das eine solche Veranstaltung gemeinsam mit dem Partner Next Media Accelerator (nma) ausrichtet. An der Hamburger nma ist unter anderem die Deutsche Presse Agentur (dpa) beteiligt, Hauptgeschäft ist die Förderung innovativer Medien-Startups. MZ-Chefredakteur Manfred Sauerer setzt darauf, dass junge Talente – gerade aus der Region – die Möglichkeit haben, ihr Können zu beweisen und ihre Ideen umzusetzen. Nichtzuletzt können sie so auch kompetente Partner für ihre Projekte finden. Als Ansprechpartnerin steht unter anderem Isabelle Sonnenfeld (Hier geht’s zum Interview mit ihr!) bereit. Sie ist die Leiterin des Google News Lab in Deutschland und für die rund 70 Hackathon-Teilnehmer schon so etwas wie ein Star.

Was ist ein Hackathon überhaupt? Alle Details dazu lesen Sie hier!

Apps für Kontaktsucher, Flüchtlinge und Beschwerdeführer

Das Team „Dampf im Kessel“ arbeitet an einer Beschwerde-App. Foto: Ronja Bischof

Der Umgangston ist locker. Man duzt sich, schaut allerdings durchaus auch kritisch darauf, wie es bei den anderen läuft. Denn die Mitbewerber sind auf Zack. Die Teams – oft kannten sich die Mitglieder vorher nicht oder nur über Ecken – beschäftigen sich mit Projekten wie einer Tauschplattform mit sozialem Faktor, einer App, die Flüchtlingen und Flüchtlingshelfern bei Anliegen des täglichen Lebens weiterhilft oder der Frage, wie Menschen, die sich nicht kennen, aber eines Nachmittags Lust auf beispielsweise Bowlen haben und nach Gleichgesinnten suchen, zusammenfinden können. Eine andere Idee: eine Beschwerde-App. Medieninformatikstudent Markus vom Team „Dampf im Kessel“ erklärt, dass sogar Problemhotspots, also Orte, an denen sich die Beschwerden häufen, aus der App ersichtlich werden sollen. Ein Beispiel: Ein Bankautomat frisst die EC-Karten von mehreren Kunden. In der App sieht der Kunde, in diesem Fall die Bank, wo sich Probleme häufen.

Bastian und Julian haben die App für eine Beschwerde genutzt: Für den nächsten Hackathon wünschen sie sich Feldbetten. Denn auch die zweite Nacht wird lang. Das steht schon am frühen Abend fest. Nach einer Straßenumfrage ist für das Team klar. Mehrere Änderungen sind noch notwendig. Das beginnt beim Namen. Der soll nun Friendshuttle lauten. Und die Oberfläche wird nochmal radikal vereinfacht. Auswahlmöglichkeiten bei der Abfahrtszeit fallen weg. Es gibt nur noch Smileys. Die bringen Leute zusammen, die zum gleichen Ort wollen. Genauer absprechen müssen diejenigen sich dann untereinander selbst. Die Jungs hauen in die Tasten. Am Samstagnachmittag muss alles stehen. Dann müssen sie ihre App präsentieren und es entscheidet sich, wer die 2000 Euro Preisgeld gewinnt.

Unser NewsBlog zum MZ-Hackathon:

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