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Oberpfalz
Montag, 18. Dezember 2017 1

Bildung

Kleine Schule, starke Gemeinschaft

Mit 30 Schülern ist die Privatschule Fockenfeld das kleinste Gymnasium Bayerns. Viele Absolventen wählen den Priesterberuf.
Von Louisa Knobloch, MZ

Absolvent Bastian Neumann und Seminarleiter Pater Thomas Mühlberger in einem der Klassenzimmer. In der Privatschule St. Josef Fockenfeld werden knapp 30 Schüler in vier Klassen unterrichtet. Foto: Knobloch

Fockenfeld.Von Wiesen und Feldern umgeben liegt das Schloss Fockenfeld in der nördlichen Oberpfalz bei Konnersreuth. Eine Allee führt von der Straße zu dem Gebäudekomplex, der nicht nur ein Kloster des römisch-katholischen Ordens der Oblaten des hl. Franz von Sales beherbergt, sondern auch die Privatschule St. Josef Fockenfeld – mit knapp 30 Schülern das kleinste Gymnasium Bayerns.

Bastian Neumann hat hier 2014 sein Abitur gemacht – er war 19 Jahre alt, der älteste in seiner Klasse war 26. Fockenfeld ist eine sogenannte Spätberufenenschule. 1946 in Eichstätt gegründet, sollte die Einrichtung jungen Männern, die Priester werden wollten, die Möglichkeit geben, ihre oftmals durch den Krieg unterbrochene Schulbildung wiederaufzunehmen und das Abitur zu machen. Seit 1955 befindet sich die Schule am heutigen Standort.

Das Eintrittsalter der Schüler – ausschließlich Männer – liegt zwischen 15 und 30 Jahren, sagt Pater Thomas Mühlberger. Viele kommen direkt von der Mittel- oder Realschule, andere haben bereits eine Ausbildung gemacht und mehrere Jahre gearbeitet. Je nach Schulabschluss können sie in Fockenfeld in zwei bis vier Jahren das Abitur erwerben. Bastian Neumann entschied sich 2011 nach der Mittleren Reife dafür, nach Fockenfeld zu gehen. Schon damals hatte er den Wunsch, Priester zu werden. Die drei Jahre in St. Josef hätten ihn darin bestärkt, sagt er. Nach dem Abitur hat er sein Theologisches Propädeutikum in Passau absolviert, im Herbst tritt er nun ins Priesterseminar St. Wolfgang in Regensburg ein und beginnt sein Theologiestudium an der Universität Regensburg.

Etwa ein Drittel der Absolventen entscheide sich für einen geistlichen Beruf, trete also ins Priesterseminar oder eine Ordensgemeinschaft ein, sagt Mühlberger. Ein weiteres Drittel ergreife kirchliche Berufe wie Gemeindereferent oder Religionslehrer. Die Übrigen wählten andere Studiengänge – Absolventen studieren etwa Jura oder Zahnmedizin – oder kehrten mit Abitur in den bereits erlernten Beruf zurück. Fockenfeld sei kein Priesterseminar, betont Mühlberger. Die Schule führe zum allgemeinen Abitur, den Absolventen stünden dann alle Möglichkeiten offen. Allerdings seien die Schule und das dazugehörige Seminar natürlich christlich geprägt.

Im Kloster Fockenfeld leben derzeit sieben Oblaten des hl. Franz von Sales sowie drei Mallersdorfer Schwestern. Foto: Knobloch

Verpflichtend ist für alle Schüler etwa die Teilnahme am Seminargottesdienst jeden Dienstagabend und an den wöchentlichen Gruppenstunden. Im Wechsel übernehmen die Schüler den Ministranten- und Lektorendienst in den Gottesdiensten sowie jeweils für ein Schuljahr verschiedene Aufgaben in der Gemeinschaft. Das kann wie bei Bastian Neumann der Mesnerdienst in der Sakristei sein, aber auch die Pflege des Aquariums oder die Arbeit in der hauseigenen Kneipe, die einmal pro Woche ihre Türen öffnet. „Dadurch lernen die Schüler, über einen längeren Zeitraum Verantwortung zu übernehmen.“

Latein und Griechisch sind Pflicht

Eine der Besonderheiten von St. Josef ist das Seminar. Auch Bastian Neumann, der aus Konnersreuth – also aus der unmittelbaren Umgebung der Schule – stammt, wohnte wie seine Mitschüler in Fockenfeld. „Hier gibt es keine externen Schüler“, sagt Mühlberger. „Jeder, der bei uns in die Schule geht, wohnt auch hier.“ An das Internatsleben habe er sich anfangs erst gewöhnen müssen, erinnert sich Neumann. Er habe sich in Fockenfeld aber wohlgefühlt und schnell Freunde gefunden. Zwar sei es manchmal anstrengend gewesen, von früh bis spät mit den Mitschülern zusammen zu sein. „Man wächst aber selbst an dieser Gemeinschaft und lernt auch mit Leuten auszukommen, die man vielleicht nicht so gut findet.“

Jeder Schüler bekommt ein eigenes Zimmer mit Bad, Telefon- und Internetanschluss. Für Pension und Nebenkosten werden pro Monat knapp über 500 Euro fällig. „Bei den meisten Schülern werden diese Kosten durch BAföG abgedeckt“, sagt Mühlberger. Der Schulbesuch als solcher ist kostenlos.

Im Seminar wäre Platz für 60 Schüler. Aktuell sind es jedoch nur knapp die Hälfte. Mit 26 oder 27 Schülern rechnet Seminarleiter Mühlberger im neuen Schuljahr. Die meisten von ihnen kommen aus Bayern, einzelne aber auch aus Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein oder Berlin. Unterrichtet wird in vier Klassen, eine davon ist ein Vorkurs für Teilnehmer, die von der Mittelschule oder aus dem Berufsleben kommen. „Diese werden hier an das Niveau der 10. Klasse herangeführt“, sagt Mühlberger.

Geschichte der Schule

  • Gründung

    Gegründet wurde die Spätberufenenschule St. Josef 1946 in Eichstätt durch die Oblaten des hl. Franz von Sales. 1948 zog die Schule nach Hirschberg bei Weilheim um.

  • Fockenfeld

    Im Jahr 1951 kaufte der Orden der Sales-Oblaten das Schloss und Gut Fockenfeld. Unterstützt wurden die Patres bei dem Vorhaben von Therese Neumann („Resl von Konnersreuth“).

  • Anerkennung

    Der Schul- und Seminarbetrieb in Fockenfeld begann im Jahr 1955. Seit 1966 ist die Schule staatlich anerkannt.

  • Schüler

    Etwa 1300 Schüler haben seit ihrer Gründung die Schule durchlaufen, 500 davon sind zu Priestern geweiht worden.

  • Kloster

    Heute leben noch sieben Oblaten des hl. Franz von Sales (OSFS) sowie drei Mallersdorfer Schwestern im Kloster.

  • Schlossfest

    Am 20. September 2015 ab 10 Uhr findet das traditionelle Schlossfest statt, zu dem auch viele Ehemaligen kommen.

St. Josef ist ein humanistisches Gymnasium; wer wie Bastian Neumann in der 10. Klasse einsteigt, hat in der Woche sechs Stunden Alt-Griechisch und zehn Stunden Latein. Auch am Samstagvormittag ist Unterricht. „Die schulische Belastung ist schon groß“, räumt Mühlberger ein. „Wenn man sich hinsetzt und lernt, ist es machbar“, findet Neumann. Sein Graecum hat er nach dem Abitur im Propädeutikum nachgeholt.

Gleich mit zwei fremden Sprachen auf einmal konfrontiert zu werden, sei nicht einfach, sagt auch Alexander Huber, seit 2011 Pfarrer in Lappersdorf. Er kam vor 20 Jahren, im Herbst 1995, nach Fockenfeld. Die Schule kannte er, da zwei Patres von dort, Friedhelm und Hubert Czinczoll, wie er aus Pielenhofen (Lkr. Regensburg) stammten und im Urlaub in der dortigen Pfarrkirche die Gottesdienste zelebriert hatten. Nach der Mittleren Reife fuhr Huber nach Fockenfeld, um sich die Schule einmal anzusehen. „Mein erster Eindruck war, dass es schon sehr einsam liegt“, sagt er. Doch die gute Atmosphäre des Hauses habe ihn überzeugt. Niemand dränge einen dazu, später einen geistlichen Beruf zu wählen, betont er. Die Schule sei für jeden das Richtige, der „gerne in einem guten Miteinander mit Mitschülern und Lehrern leben möchte“.

Gutes Verhältnis zu den Lehrern

Heute kommen die meisten Lehrer an der Schule von außerhalb, von den sieben Patres aus dem Kloster unterrichten noch vier – neben dem stellvertretenden Schulleiter Pater Friedhelm Czinczoll und dem Seminarleiter Pater Thomas Mühlberger noch Pater Benedikt Leitmayr und Bruder Markus Adelt. Das Leben im Seminar habe er als sehr bereichernd empfunden, sagt Huber. „Wenn man Fragen zum Stoff hatte, konnte man jederzeit zu den Patres kommen.“ Auch Neumann lobt das gute Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern: „Man lernt nicht nur den Lehrer, sondern den ganzen Menschen kennen.“

Absolvent Bastian Neumann und Seminarleiter Pater Thomas Mühlberger in der hauseigenen Kneipe, die einmal pro Woche von Schülern betrieben wird. Foto: Knobloch

Zeit für Gespräche gibt es etwa beim gemeinsamen Mittagessen. Hier wird im Gegensatz zum Frühstück oder Abendessen erwartet, dass alle Schüler teilnehmen. In ihrer Freizeit können die Schüler den Sportplatz, den Fitness- oder den Fernsehraum nutzen. Angeboten werden auch Fahrten zu Konzerten und ins Theater, Spielerunden oder gemütliche Abende in der urigen Kneipe.

Auch evangelische, methodistische oder Schüler ohne Bekenntnis waren schon in Fockenfeld. „Entscheidend ist, dass sie sich auf das Leben hier einlassen“, sagt Mühlberger – dazu gehöre eben auch die Teilnahme am Seminargottesdienst oder den Gruppenstunden. Gerade in Ostdeutschland seien Jugendliche, die freiwillig in die Kirche gingen, oftmals Außenseiter. „Bei uns blühen sie zum Teil richtig auf, weil Glaube hier etwas ganz Normales ist, das den Alltag prägt – etwa beim Tischgebet“, sagt Mühlberger. Er würde sich freuen, wenn die Absolventen diese Einstellung später in ihren Familien oder ihrem gesellschaftlichen Umfeld weitergeben würden.

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