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Oberpfalz
Mittwoch, 17. Januar 2018 9

Kulturprogramm

Kultur zwischen den Feiertagen

Unser Autor Michael Scheiner hat einige Veranstaltungen für die Weihnachtsferien herausgesucht und zusammengestellt.
Von Michael Schreiner, MZ

Foto: Stefan Breunig

Regensburg.Die Weihnachtsgans besteht nur noch aus abgenagten Knochen, die Geschenke sind schon im Gebrauch, der Skiurlaub ist erst Ende Januar. Was tun mit der freien Zeit an den Feiertagen und „zwischen den Jahren“? Ins Fitnessstudio? Das reicht noch nach den Feiertagen. Fernsehen? Meist nur unterirdische Schnulzen. Also lesen? Im Regal stehen noch Bücher von Weihnachten der letzten zwei Jahre, jungfräulich und ohne Falz im Buchrücken. Dann eben Kultur, das geht immer. Da sind natürlich die großen Events und Klassiker wie die Traumfabrik, am 28. Dezember im Regensburger Audimax, und der Regensburger Weihnachtscircus auf dem Dultplatz. Viele kleinere Bühnen und Veranstalter aber machen in dieser Zeit selbst Pause. Auf interessante Konzerte oder unterhaltsame Theaterabende muss dennoch niemand verzichten. Eine Auswahl unseres Autos Michael Schreiner:

Insel der Pinguine

Es ist eine familienpolitische Aufgabe, die das Figurentheater im Stadtpark seit Jahren an Heiligabend erfüllt. Mit ihren Vorstellungen tragen Evi Robl und Heinz Polkehn dazu bei, dass viele Kinder beschäftigt sind – und die Eltern in Ruhe den Christbaum schmücken können. Heuer steht das Musical „Die Insel der Pinguine“ auf dem Programm. Die beiden Theatermacher haben es zusammen mit Sepp Frank selbst geschrieben. Auf dieser Insel ist alles schwarz und weiß, einschließlich der Pinguine. Nach der Vorstellung des Oberpinguins soll es auch so bleiben. Doch die Pinguine bekommen Sehnsucht nach Farbigkeit. Daher schickt einer, Schlubbl, heimlich eine Flaschenpost los. Darin bittet er die anderen Tiere, den Oberpinguin zu überreden, auch Buntes gelten zu lassen. Bald schon besuchen ein blauer Wal, ein grüner Frosch, ein gelber Zitronenfalter und ein roter Pavian die Insel. Das Musical zeigt „wie das eigene Leben bereichert wird, wenn man mit Fantasie und kindlicher Neugier die Vielfalt der Welt entdecken darf“, sind Polkehn und Robl ganz und gar überzeugt.

Findet statt am: Sonntag, 24. Dezember, 11 und 13 Uhr, Figurentheater im Stadtpark Regensburg, Kartenreservierung unter Telefon (0941) 28328

Renner Ensemble und BlechBläserConsort

Vor einigen Jahren hat das nach einem früheren Domorganisten benannte Renner Ensemble Regensburg Ausschau nach einer passenden Location für ein Konzert zum Abschluss des Chorjahres gehalten. Weil viele Familien und Freunde von Mitgliedern im westlichen Landkreis leben, ist man auf Kallmünz und die dortige Pfarrkirche gekommen. Seither findet dort am 2. Feiertag das Weihnachtskonzert statt, bei dem die Besucher keinen Eintritt zahlen, aber spenden dürfen. „Heuer haben wir uns etwas Besonderes ausgedacht“, freut sich Chorleiter Dr. Hans Pritschet sichtlich auf den festlichen Auftritt, „und haben das Blech-Bläser-Consort eingeladen, mitzuspielen.“ Neben bekannten Motetten und Chorälen stehen auch ausgefallene und moderne Weihnachtslieder von Guy Forbes und dem Barclay-James-Harvest-Gründer John Lees auf dem Programm. An Heiligdreikönig wird das Programm noch einmal gemeinsam um 16 Uhr in Ettmannsdorf aufgeführt.

Findet statt am: Dienstag, 26. Dezember, 17 Uhr, Pfarrkirche St. Michael / Kallmünz (Vilsgasse 1), Eintritt frei

Die Gitarrenmeisterin mit Bigband

Weihnachten pflegt der Jazzclub Traditionen. Ganz im Unterschied zur Musik, der man sich seit über 30 Jahren mit Leidenschaft widmet. Die geht immer wieder neue Wege und wagt sich dabei oft auf unerforschtes Terrain vor. Auch die gern federtragende Fränkin Monika Roscher wandelt mit ihrer Bigband auf wenig begangenen Pfaden durchs weite Jazzgelände, hört auf das Pfeifen der Vögel und sonstiger Monster, um setzt es abends im Komponierstübchen in eigene Töne um. „Of Monsters and Birds“ heißt das neue Programm, mit dem die Echo Jazz gekürte Monika Roscher Bigband zum wiederholten Male das Konzert am zweiten Weihnachtsfeiertag bestreitet. Das ist traditionell einer Großformation vorbehalten. Sie freue sich sehr, verrät die Gitarristin, Sängerin, Bandleaderin und Komponistin, „dass wir wieder im Leeren Beutel spielen können. Wir bringen hypnotisch-tanzbare Trommelgrooves mit, hauchzarte Gesangspartien und orchestrales Pathos, das einen umhauen kann“. Am Abend vor Heiligabend (23.12.) dreht das legendäre „Rostmondorchester“ an gleicher Stelle an den Schrauben musikalisch-surrealer Gewitzheiten. Zweimal ein Muss!

Findet statt am: Dienstag, 26. Dezember, 20 Uhr, Jazzclub im Leeren Beutel / Regensburg, Kartenreservierung unter Telefon (0941) 563375

Betörende Hania Rani

Auf ihre musischen Kosten kommen Musikliebhaber in Viechtach. Der umtriebige Kulturmacher Olli Zilk hat hier im Sommer die Musikkneipe Altes Spital in einem denkmalgeschützten Gebäude eingerichtet. Dazu gehört auch ein Klavier, auf dem am zweiten Weihnachtsfeiertag die polnische Pianistin Hania Rani ihre betörend schöne, meditativ-entrückte Musik vorstellt. Klassisch ausgebildet, macht die 27-Jährige seit fünf Jahren ihre ganz eigene Musik. Hartnäckig verfolgt sie ihr Ziel, „Grenzen zwischen Stilen und Musikrichtungen verschwimmen zu lassen“ und akustische Instrumente mit modernen elektronischen Klangfarben zu vereinen. Dabei schreibt sie sowohl instrumental, als auch gelegentlich mit Texten. In der repetitiven Textur erinnert ihr Sound an den des italienischen Komponisten und feinsinnigen Klangmalers Ludovico Einaudi. „Der Weg lohnt sich“, ist sich Zilk sicher, der bereits in Bad Kötzting mit seinem „Bahnhof Kötzting“ viel internationale Kultur in die Region gebracht hat.

Findet statt am: Dienstag, 26. Dezember, 20 Uhr, Altes Spital / Viechtach (Spitalgasse 5), Kartenreservierung unter Telefon (0160) 9015 3693

Memory of Lemmy

Für viele Rockfans war er der Größte – Lemmy Klimister, Bassist und Sänger der von ihm gegründeten Band „Motörhead“. Dem ungläubigen Teufelskerl, der den Rock’n’Roll wie kaum ein anderer Musiker verkörperte und an Weihnachten 2015 verstarb, widmet die Tribute-Band „Motörblöck“ aus der Oberpfalz ihre andauernde „Memory of Lemmy Tour“. Mit ihrer perfekten Performance gastiert das Trio um Helmut „Lemmy“ Roppert (bass-guitar), Rainer „Phil“ Leist (guitar) und Markus „Mikkey“ Jobst (drums) zwischen den Jahren in Burglengenfeld. Für Carolin Kern, Auszubildende beim Veranstalter Power Concerts, ist „Weihnachten damit gerettet. Das wird ein Hammer“, ist sich der Hardrock-Fan sicher. Trotz Feiertagsarbeit sieht sie ihren Job in solchen Fällen als echtes Vergnügen und freut sich auf Klassiker wie „Bomber“, „Overkill“, „Killed by Death“ und „Ace of Spades“, aber auch neue Stücke wie „Rock Out“ und viele andere Songs.

Findet statt am: Samstag, 30. Dezember, 20 Uhr, VAZ / Burglengenfeld, Kartenreservierung unter Telefon (0941) 466160

Bewährter Silvesternachtstraum

Wenn an Silvester Millionen TV-Konsumenten einem Ereignis entgegenfiebern, das sie in- und auswendig kennen – Dinner for one – bereiten sich die Besucher des städtischen Silvesterkonzertes im Runtingersaal auf ein musikalisches Verwöhnbad für Ohren und Gemüt vor. Das Ensemble „VirCanto“ aus München, 2014 von Mitgliedern des Bayerischen Rundfunk-Chors gegründet, hat ein ambitioniertes Programm aus bewährten, vorwiegend romantischen Liedern von Richard und Johann Strauss, Franz Schubert und Carl Loewe zusammengestellt. Launiges von Millöcker und Poulenc leitet am Ende zum Kern des Tages hin – Vergnügen, Spaß, gute Laune. Nach eigenem Bekunden empfindet sich das Männerquintett „als Gegenpol zu unserer schnellen Zeit“ und liebe Musik, „auf die man sich einlassen muss, die zum Entschleunigen einlädt.“

Findet statt am: Sonntag, 31. Dezember, 17.30 Uhr, Runtingersaal / Regensburg, Karten unter Telefon (0941) 507-5050 und in der Touristinformation am Alten Rathaus

Neujahrskonzert mit Solo Due

Foto: Romic Nieberle

„Eigentlich ist er ein Wörther“, sagt der Vorsitzende des Kulturausschusses Johann Festner über den Gitarristen Milorad Romic, „deshalb soll er hier auch spielen“. Nach seiner Flucht aus Bosnien 1992 war der klassisch ausgebildete, erfolgreiche Musiker zunächst mit seiner Familie in der östlichsten Stadt des Landkreises untergekommen, bevor er weiterzog. Seither gastierte er auf Einladung des Vereins „Kultur in Wörth“ als Solist immer wieder hier, „obwohl Solomusik schwierig zu vermitteln ist“, wie Festner lapidar feststellt. Sehr erfolgreich war aber sein Auftritt im Duo mit dem Regensburger Jazzgitarristen Helmut Nieberle vor einem Jahr im Schloss. Deshalb hat sich der Verein leichten Herzens entschieden, die beiden als „Solo Due“ heuer erneut für ein Neujahrskonzert mit verjazzter Klassik oder klassisch stilisiertem Jazz einzuladen. Zwei unterschiedliche Spielarten der Gitarre mit einem Programm, bei dem beide, der Klassiker und der Jazzer, einen Blick über ihren Tellerrand wagen.

Findet statt am: Montag, 1. Januar 2018, 19.30 Uhr, Rondellzimmer im Schloss / Wörth an der Donau, Karten im Rathaus und in der Hartungschen Buchhandlung

Wellness für die Ohren

Martin Ehrensberger und Harald Scharnbeck, alias „Da Harry & da Ernschie“, sind zwei Lupburger Familienväter, die es von Zeit zu Zeit hinauszieht, sich künstlerisch zu verwirklichen. Dann singen sie darüber, „endlich einmal offline zu gehen“, und den humoristisch angehauchten „besten Gartenstuhl“, der eine reichlich schräge Klavierbegleitung bekommt. Ihr aktuelles Programm, mit dem sie auch an Heiligdreikönig in Beratzhausen brillieren, heißt „Lass di treibm“ und ist „die pure Wellness für die Ohren und Yoga fürs Hirn“, meint vergnügt lachend der Lehrer und Multiinstrumentalist Ehrensberger. Eine Portion Selbstironie und Witz gehört bei dem Liedermacher-Duo dazu, verpackt in astreiner oberpfälzischen Mundart und getrieben vom Wunsch, mit ihren authentischen Geschichten den Zuhörern eine kurzweiligen Abend zu bereiten.

Findet statt am: Samstag, 6. Januar 2018, 20.30 Uhr, Musikkneipe Klangwerk / Beratzhausen, Karten unter Telefon (09493) 951290

Liederabend „Heimat“

Foto: Lars Borges

Den anhängenden Sonntag nach Dreikönig nutzt Aurelium-Impresario Peter Wenk, um einen Regensburger Betriebswirtschaftler und Sänger Benjamin Appl einem größeren Publikum näherzubringen. Der Bariton hat seine erste Stimmbildung – na klar! – bei den Domspatzen erhalten und hat diese, nach einem BWL-Studium, in München und schließlich London fortgesetzt und mit Auszeichnung abgeschlossen. Er war Dietrich Fischer-Dieskaus letzter Schüler. Voriges Jahr hat er einen Exklusiv-Vertrag mit Sony Classical abgeschlossen, in England den „Gramophone Award – New Artist of the Year 2016“ erhalten und heuer im Frühjahr das Album „Heimat“ veröffentlicht. Daraus ist das Programm mit deutschsprachigen und englischen Liedern von Franz Schubert, Johannes Brahms, Hugo Wolf, Max Reger, Richard Strauss, Benjamin Britten, Peter Warlock und Ralph Vaughan-Williams zusammengestellt, das er mit seinem Begleiter James Baillieu am Klavier vorstellt.

Findet statt am: Sonntag, 7. Januar 2018, 17 Uhr, Aurelium, Lappersdorf, Karten auf okticket.de und im Rathaus unter Telefon (0941) 83000-0

Der Text ist eine Leseprobe aus der Sonntagszeitung, die die Mittelbayerische exklusiv für ePaper-Kunden auf den Markt gebracht hat. Ein Angebot für ein Testabo der Sonntagszeitung finden Sie in unserem Aboshop.

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