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Bayern
Sonntag, 31. Mai 2015 17° 4

Polizeieinsatz

Rocker wehren sich gegen Vorwürfe

Am Tag nach der Razzia, an der mehr als 1700 Polizisten beteiligt waren, erklären Bandidos und Mongols, dass weder Waffen noch Drogen gefunden wurden.
von Pascal Durain, MZ

Die Polizei stellte bei einer großangelegten Razzia in ganz Bayern auch im Raum Regensburg Waffen sicher. Die Rockerclubs wehren sich nun. Foto: Kamera24.TV

Regensburg. Wieder ein Großeinsatz der Polizei – wieder im Rockermilieu: 1700 Beamte, darunter 350 Spezialkräfte, durchsuchten genau 146 Objekte in den Regierungsbezirken Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern und Mittelfranken. Drei Personen wurden verhaftet. Gegen mindestens zwei von ihnen erging am Donnerstag Haftbefehl wegen des dringenden Verdachts des illegalen Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge, wie Oberstaatsanwalt Horst Böhm gegenüber der MZ erklärte. Welcher Vereinigung die Beschuldigten zuzurechnen sind, wollte Böhm aus ermittlungstaktischen Gründen nicht verraten.

Die Razzia sei aber nicht als Schlag gegen das Rockermilieu zu werten, viel mehr habe man diese Aktion sechs Monate lang geplant, um den Verdacht auf Waffen- und Drogendelikte nachzugehen. Dass das Bayerische Innenministerium unter Joachim Herrmann von einem empfindlichen Schlag gegen Rockerbanden ausgeht, sei ein positiver Nebeneffekt. Clubs, Chapter oder Charter zu verbieten, sei nicht Aufgabe der Anklagebehörde. „Unsere Aufgabe ist es, Straftaten zu verfolgen.“ Am Donnerstag zeigte sich Böhm „sehr erfreut“ darüber, dass der Verdacht bestätigt worden sei. Schon nach der Razzia im Februar 2012 habe man viele Verurteilungen teils mit Haftstrafen erwirken können – und auch dieses Mal soll eine Prozesswelle folgen.

Nachhaltige Wirkung

Die Beamten fanden 86 Waffen und knapp 5,5 Kilogramm Marihuana. Rechnet man Personalaufwand in gefundene Waffen um, braucht es 20 Polizisten, um eine Waffe zu finden. Zum Vergleich: Laut Waffenstatistik des Innenministeriums gibt es im Freistaat immerhin 1,15 Millionen Schusswaffen in Haushalten. Darauf angesprochen sagt Böhm, dass solche Statistiken irreführend sein. „Ich kann nicht sagen, ab 100 Leute im Einsatz eine Schrotflinte.“ Man habe beim Einsatz am Mittwoch noch immer in jedem zweiten Objekt eine Waffe gefunden. Und jede Waffe in den Händen eines gewaltbereiten Rockers sei eine zu viel.

Auch die Polizei nennt die Aktion erfolgreich. „Die Wirkung in den Clubs ist äußerst nachhaltig“, sagt Präsidiumssprecher Albert Brück. Die bayerische Polizei sei sehr stolz darauf, dass es im Freistaat nicht zu offenen Schusswechseln in der Rockerszene komme. In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen hätten die Clubs ganz andere Dimensionen.

Unterdessen wehren sich die Motorradclubs gegen die Vorwürfe. So erklärten die Bandidos MC Regensburg, „dass im Rahmen der gestrigen Hausdurchsuchungen im Clubhaus keinerlei Drogen und/oder Waffen sichergestellt wurden. Sichergestellt wurde dagegen ein Karton Absperrbänder mit dem Aufdruck „Polizeiabsperrung“.“ Auch bei Chapter-Mitgliedern wie etwa bei dem NPD-Bundesvorstandsmitglied Sascha Roßmüller seien weder Drogen noch scharfe Handfeuerwaffen sichergestellt worden. Das Regensburg-Chapter glaubt nicht, dass eines ihrer Mitglieder verhaftet wurde. Man sei aber selbst noch nicht umfassend informiert. Auch über den Anlass des Polizeieinsatzes fehlen den Bikern noch Informationen.

Verwüstung in Deggendorf

Laut Polizeibericht richtete sich die Aktion auch gegen die Gruppe Mongols. Dazu erklärte der MC Southend aus Deggendorf auf ihrer Homepage, dass man sich „entschieden gegen die haltlosen Vorwürfe“ wehre. 30 SEK-Beamte hätten das Clubhaus „nicht durchsucht sondern verwüstet“ und weder Waffen, Drogen oder sonstige verbotene Gegenstände aufgefunden. „Stattdessen wurden unbeteiligte Personen in Angst und Schrecken versetzt und die Vermieter unter Druck gesetzt.“ Der Schaden sei erheblich – auch nach drei Großeinsätzen sei kein Verfahren eingeleitet worden. Die Club-Anhänger fordern, unrechtmäßige Gegenstände zu benennen. Im Durchsuchungsprotokoll stehe dazu nichts.

Die Biker-Gruppe Trust, die ebenfalls im Mittelpunkt der Razzia stand, war am Donnerstag nicht zu erreichen.

In Bayern gibt es mehrere große Rocker-Vereinigungen, die sich steigender Beliebtheit erfreuen. Die als „polizeilich relevant anzusehende Rockerszene in Bayern“ umfasst laut Innenministerium rund 1500 Personen. Der wohl bekannteste Club sind die Hells Angels von denen gestern kein Mitglied oder Clubraum durchsucht wurde. Das bestätigte ihr Pressesprecher Rudolf „Django“ Triller. Triller stammt gebürtig aus Neumarkt, lebt aber seit vielen Jahren in Niedersachsen. In der Oberpfalz habe man keine einzige Untergruppe, erklärte er – dafür in Hof und an der österreichischen Grenze. Die Zahl der Mitglieder wollte Triller nicht nennen. Nur so viel: „Es sind genug.“

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