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Bayern
Samstag, 25. März 2017 16° 3

Geschichte

Seminarhaus vollendet Gedenkstätte

Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten investiert zehn Millionen Euro für den Umbau des ehemaligen SS-Kasinos in der Gedenkstätte Flossenbürg.
Von Reinhold Willfurth, MZ

Stiftungsdirektor Karl Freller, der Flossenbürger Bürgermeister Johann Kick und Gedenkstellenleiter Jörg SkriebeleitFoto: Gabi Schönberger

FLOSSENBÜRG. Blickt der Besucher von der Terrasse in Richtung Süden, eröffnen sich ihm Bilder, die gegensätzlicher nicht sein könnten: Rechts schönste Oberpfälzer Hügellandschaft mit der Stauferburg Flossenbürg als Krönung, links die Relikte des Schreckensorts Konzentrationslager. Ab 2015 können Schüler, Lehrer und Wissenschaftler aus aller Welt diesen spannungsgeladenen Blick erleben, wenn das ehemalige SS-Kasino zu einem Lernort internationalen Zuschnitts umgebaut ist.

Gemeinde übereignet Grundstücke

Pünktlich zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Flossenbürg, so Gedenkstellenleiter Dr. Jörg Skriebeleit, soll der Umbau vollendet sein. Die Gemeinde Flossenbürg hat ihren Beitrag zur Vollendung der KZ-Gedenkstätte geleistet, indem sie Grundstücke aus ihrem Besitz der Stiftung Bayerische Gedenkstätten überlassen hat. Stiftungsdirektor Karl Freller, der zur Vertragsunterzeichnung am Montag nach Flossenbürg gekommen war, zog bei der Präsentierung der Umbaupläne sogar Parallelen zu Yad Vashem, der Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem.

Zehn Millionen Euro investiert die Stiftung in den zweiten Bauabschnitt des großen Umbaus von einer fast vergessenen Friedhofsanlage für KZ-Opfer in einen europäischen Erinnerungsort. Dessen Herzstück ist das neue Seminarhaus in den Räumen des ehemaligen SS-Kasinos. Dort sollen viele der derzeit über 80.000 Besucher jährlich Gelegenheit bekommen, den Besuch in den beiden Ausstellungen und auf dem 2006 eröffneten neu gestalteten Freigelände nachzubereiten.

Obwohl das neue Haus ein Ort des Nachdenkens in freundlicher, heller Atmosphäre werden soll, werden dem Besucher Relikte dessen, was die SS-Architekten als angemessenen Stil betrachtet haben, bewusst nicht erspart. So bleibt im großen Saal die Decke mit ihren Holzintarsien ebenso bewahrt wie der Fliesenboden in einer der Küchen. Alles, was neu (ein)gebaut wird, ist dem demokratischen Diskurs über eine der düstersten Zeiten der Menschheitsgeschichte gewidmet, der hier einmal stattfinden soll. „Wir wollen hier nicht das x-te Seminarhaus hinstellen, wo Schüler etwas über den KZ-Alltag lernen – das auch“, so Gedenkstellenleiter Skriebeleit. „Aber es soll auch ein Ort sein, an dem sich Gedenkstellen-Profis international begegnen“. Der große Saal, wo einst SS-Größen und Wachleute tafelten, werde multifunktional genutzt. 2015, wenn sich die Ermordung von Pfarrer Dietrich Bonhoeffer zum 70. Mal jährt, sei zum Beispiel die Uraufführung eines Theaterstücks zum Thema „mit namhaften deutschen Schauspielern“ geplant.

Linien markieren Häftlingsbaracken

Das renommierte Berliner Büro „Sinai“ erhielt den Auftrag für die Neugestaltung des Vorplatzes und des Geländes rund um den bereits sanierten Appellplatz. Linien werden künftig sämtliche Häftlingsbaracken markieren, von denen keine einzige mehr erhalten ist, sagte Elisabeth Bücherl-Beer vom vom Staatlichen Hochbauamt in Weiden, das die Arbeiten koordiniert. Mit solchen Erinnerungsmarken hat sich das Planungsbüro bereits bei der Gestaltung der Gedenkstätte Berliner Mauer einen Namen gemacht.

Saniert werden in den nächsten drei Jahren auch die Wege im ältesten Teil der Gedenkstätte, dem „Tal des Todes“. Der Lagerzaun wird kenntlich gemacht und das Krematorium mitsamt zugehöriger Rampe gesichert.

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