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Montag, 31. August 2015 34° 1

Kloster Ettal

Studie: Erzieher waren überfordert

In Kloster Ettal herrschte jahrzehntelang ein System des Wegschauens und Verschweigens. Jetzt liegt die Studie zur Aufarbeitung des Missbrauchskandals vor.

Die Ergebnisse der Studie zur Aufarbeitung des Missbrauchskandals wurden am Donnerstag veröffentlicht. Foto: dpa

München/Ettal.Erst das Fehlen einer professionellen Pädagogik und totale Überforderung der Erzieher haben nach einer wissenschaftlichen Studie den jahrzehntelangen sexuellen Missbrauch und Misshandlungen im Kloster Ettal ermöglicht. Auch die strenge Hierarchie des Klosters mit dem alleinverantwortlichen Abt an der Spitze habe zu einer Kultur des Wegschauens und des Verschweigens geführt, hieß es bei der Vorstellung der Studie am Donnerstag in München.

Nicht zuletzt hätten die jugendlichen Opfer ihren Eltern gegenüber oft geschwiegen. „Man wollte häufig seine Eltern nicht belasten“, sagte Florian Staus vom Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP), das die Studie im Auftrag des Klosters erarbeitete. Vor drei Jahren war der sexuelle Missbrauch in dem oberbayerischen Benediktinerkloster bekanntgeworden.

„Formen schwarzer Pädagogik

Professor Heiner Keupp vom IPP sprach bei der Präsentation von „Formen schwarzer Pädagogik“, die in dem Kloster geherrscht hätten. „Neben der im Mittelpunkt stehenden Gewalt durch Patres gab es auch alle Formen von Gewalt unter den Schülern.“ Die Erzieher hätten ihre Fürsorgepflicht auch bei solchen Übergriffen unter Schülern grob vernachlässigt. „Es fehlte eine reflektierte und professionelle Internatspädagogik, und es herrschte ein Normalitätsverständnis von Erziehung, das Körperstrafen als legitimes pädagogisches Mittel verstand“, heißt es im Bericht.

Und weiter: „Nicht selten erfolgten drastische Gewaltmaßnahmen gegen einzelne Schüler aus Situationen der totalen Überforderung des erzieherischen Personals, das ohne eine pädagogische Qualifizierung zu Präfekten und Lehren wurde.“

Den sexuellen Missbrauch im Klosterinternat führen die Verfasser der Studie auch auf das Fehlen einer reflektierten Einstellung der Patres zu deren eigener Sexualität zurück. Sexualität sei der „angstbestimmten Selbstkontrolle“ der Mönche überlassen worden. „Dort, wo diese Kontrollen nicht funktionierten, bot das Internat genügend Möglichkeiten, sich an Schülern zu vergehen.“

Abt Barnabas Bögle nannte die Studie „einen weiteren wichtigen Schritt in der Aufarbeitung eines dunklen Kapitels in der Geschichte unseres Internats und Klosters“. Sie sei aber nicht als Abschluss zu sehen. Das Kloster wolle weiter mit den Opfern in Kontakt bleiben. „Unser Kloster mit Schule und Internat ist nach dem Jahr 2010 nicht mehr wie vorher“, sagte Bögle. „Von jedem Leid, das durch unsere Schuld einem der uns Anvertrauten zugefügt wurde, bleibt eine schmerzende Narbe zurück.“

Der Abt war nach Bekanntwerden des Skandals vom Münchner Erzbischof Reinhard Marx zum Amtsverzicht gedrängt worden, durfte die Klosterleitung aber nach einer päpstlichen Untersuchung wieder übernehmen. Auch Robert Köhler vom Verein Ettaler Missbrauchsopfer sprach von einem „großen Meilenstein“ in der Aufarbeitung des Skandals: „In Ettal ist auf dem Tisch, was geschehen ist.“ Das Kloster zahlte inzwischen 700. 000 Euro an 70 Betroffene. (dpa)

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