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Bildung

Schlechte Aussichten für Junglehrer

Anträge, die Unterrichtsverpflichtung für Referendare zu reduzieren, scheitern im Bildungsausschuss. Das Kultusministerium soll nun Zahlen vorlegen.
Von Louisa Knobloch, MZ

  • Viele Junglehrer finden in Bayern nach Abschluss ihres Referendariats keine Anstellung. Foto: Jens Kalaene/dpa
  • Prof. Dr. Nikolaus Korber, der Vizepräsident der Universität Regensburg, erteilte dem Vorschlag des Philologenverbands eine Absage. Foto: Universität Regensburg

München.Mit mehreren Anträgen im Bildungsausschuss des Landtags wollte die Opposition die Situation von Referendaren und Junglehrern verbessern – scheiterte am Donnerstag aber an der CSU-Mehrheit. Freie Wähler und SPD hatten gefordert, das Stundendeputat der Referendare von aktuell 17 auf 14 beziehungsweise elf Wochenstunden zurückzuführen. Dieser Umfang sei in der Ausbildungsordnung so festgelegt, im Jahr 2007 aber auf 17 Wochenstunden hochgesetzt worden, sagte Günther Felbinger, der bildungspolitische Sprecher der Freie-Wähler-Fraktion.

100 Petitionen von Referendaren

Von einer Reduzierung von 17 auf 14 Wochenstunden hatten sich die Freien Wähler rund 200 zusätzliche Stellen für Junglehrer erhofft. Zum aktuellen Einstellungstermin im Februar werden an bayerischen Gymnasien nur 170 von 800 Referendaren in den Schuldienst übernommen. Durch die höhere Unterrichtsverpflichtung würden die Referendare ihren eigenen späteren Arbeitsplatz wegrationalisieren, klagt der Vorsitzende des Bildungsausschusses und bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Martin Güll. „Die einen werden in die Arbeitslosigkeit geschickt, die anderen müssen mehr arbeiten.“ Ein Antrag der Grünen, 350 zusätzliche Gymnasialreferendare einzustellen, wurde von der CSU ebenfalls abgelehnt. Der Bildungsausschuss befasste sich gestern auch mit 100 Petitionen von Referendaren, die keine Anstellung bekommen. Den Petitionen sei nicht stattgegeben worden, sagte Güll. „Wir sind enttäuscht, weil wir so viele enttäuschte Gesichter gesehen haben.“

Der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands, Max Schmidt, hatte vorgeschlagen, Junglehrer an den Hochschulen einzusetzen. Als Studienräte im Hochschuldienst könnten sie dazu beitragen, das Lehrangebot zu verbessern. Der Vizepräsident der Universität Regensburg und Leiter des Regensburger Universitätszentrums für Lehrerbildung, Prof. Dr. Nikolaus Korber, erteilt diesem Vorschlag eine Absage. Die an den Universitäten ausgebildeten Lehrer gehörten in erster Linie an die Schulen, so Korber. „Sie werden dort auch dringend benötigt!“

Die Anforderungen an Lehrer im Schuldienst würden sich zudem grundlegend von dem Qualifikationsprofil für universitäre Lehre unterscheiden. So habe sich die Universität Regensburg wissenschaftsorientierte und forschungseingebundene Lehre zum Ziel gesetzt. „Aufgrund ihrer anders gelagerten Professionsorientierung können auch hervorragend ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer dieser Zielsetzung in der Regel nicht gerecht werden“, sagte Korber. Angesichts der schwierigen Einstellungssituation bemühe sich die Universität Regensburg schon seit längerem, alternative Qualifikations- und Berufswege im Bereich des Lehramtsstudiums zu etablieren. Das Festhalten am Staatsexamen im Lehramt, das im wesentlichen nur für einen einzigen Arbeitgeber ausbilde, stehe dem jedoch entgegen. „Flexible Bachelor- und Masterstudiengänge sind hier eine sinnvolle Alternative“, sagte Korber.

Ministerium soll Zahlen vorlegen

Zustimmung fand gestern im Bildungsausschuss dagegen ein gemeinsam von SPD, Grünen und Freien Wählern eingebrachter Antrag, dem sich auch die CSU-Bildungspolitiker anschlossen. Darin wird die Staatsregierung aufgefordert, über die Entwicklung der Schülerzahlen bis 2018 und deren Auswirkung auf die Zahl der Lehrerstellen zu berichten. Derzeit ist unklar, wie viele Lehrerstellen in Bayern zum 1. August wegfallen.

Das Kultusministerium betonte gestern erneut, dass die sogenannte demografische Rendite – also die Stellen, die aufgrund des Schülerrückgangs rechnerisch zur Verfügung stehen – „in der gesamten Legislaturperiode von 2013 bis 2018 im Bildungssystem verbleiben“ werde. Das Bildungssystem umfasst Kultusminister Ludwig Spaenle zufolge neben dem Schul- auch den Hochschulbereich. Eine Verschiebung von Lehrerstellen in den Hochschulbereich kritisierten die Lehrerverbände jedoch.

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