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Aufnahme in einen erlauchten Kreis

Seit diesem Herbst gehört die Regensburger Buchhandlung Dombrowsky zu den glorreichen „Fünf“ der Buchhandelszunft: ein Ritterschlag.
Von Helmut Hein, MZ

  • Daniela und Ulrich Dombrowsky in ihrer Buchhandlung am St.-Kassians-Platz 6 in Regensburg Foto: altrofoto.de
  • Sitzecke bei Lehmkuhl in München Foto: 5 plus
  • Die Buchhandlung Felix Jud & Co in Hamburg Foto: 5 plus
  • Die Buchhandlung Dombrowsky bei Nacht Foto: altrofoto.de
  • Regelmäßig finden bei Dombrowsky Lesungen statt, wie hier mit Astrid Rosenfeld. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Wirkliche Leser sind eigenwillig und anspruchsvoll. Das Buch ist für sie nicht eine beliebige Ware für den raschesten Verzehr. Das wussten offenbar weder „Zukunftsforscher“ noch Investoren, die noch vor ein paar Jahren davon ausgingen, die kleinen, feinen Buchhandlungen würden über kurz oder lang verschwinden und die großen „Ketten“ (Thalia, Weltbild, Hugendubel) das Geschäft dominieren. Dann kam alles ganz anders. Die „Ketten“ rutschten in die Krise. Immer mehr Filialen in teuren Innenstadtlagen mussten schließen.

Schuld war paradoxerweise Amazon. Der Versandhändler nämlich konnte das auch, was die Ketten konnten – und oft besser oder zumindest bequemer. Nur die kleinen Spezialisten konnte er nicht ersetzen. Sie erleben derzeit ein Revival: Kundennähe und Kompetenz sind in der Ära digitaler Unübersichtlichkeit wieder gefragt. Man lässt sich gern beraten. Man schätzt die Erfahrung des kundigen Vor-Lesers mehr als anonyme Computer-Rankings. Und ein gut sortierter Laden, wo man Bücher in die Hand nehmen und bei einem Kaffee „kommunizieren“ kann, ist auch nicht zu verachten. Noch dazu, wenn die Atmosphäre angenehm ist und in dem „Laden“ auch Lesungen, Diskussionen, Konzerte etc. stattfinden.

Fünf Traditions-Buchhandlungen

Die Verkörperung des „guten, alten Buchladens“, von dem Gottfried Honnefelder, der scheidende Vorsteher des Deutschen Börsenvereins bei der Frankfurter Buchmesse sprach, sind die „Fünf“, die Traditionshäuser Klaus Bittner (Köln), Felix Jud (Hamburg), Lehmkuhl (München), Kohlhaas & Company (Berlin) und „Zum Wetzstein“ (Freiburg). Sie taten sich zusammen, tauschten sich aus – und gaben ein „Kundenmagazin“ heraus, das sich gründlich von dem unterscheidet, was man sich unter (und sei es „gehobener“) PR vorstellt. Was da zweimal im Jahr erscheint und in den genannten Buchhandlungen kostenlos mitgenommen werden kann, ist eine anspruchsvolle und liebevoll gestaltete Zeitschrift mit jeweils einem Schwerpunktthema und prominenten Kolumnisten: Julie Zeh, Christian Kracht, Felicitas Hoppe.

Eingeladen von den Gründern

Neuerdings heißt es „Das Magazin der 5 plus“. Denn es sind noch drei weitere Buchhandlungen hinzugekommen bzw. von den Gründern „kooptiert“ worden, u. a. die Regensburger Buchhandlung Dombrowsky. Wie kam das? Ulrich Dombrowsky erzählt, dass ihm ein guter Kunde das Magazin mitbrachte und meinte, da würde er, Dombrowsky, doch ganz gut dazupassen. Dombrowsky sprach daraufhin Klaus Bittner an und sagte, er würde gern „mitmachen“. Bittner kannte seinen Laden persönlich noch nicht, hatte aber schon viel Gutes gehört; wie die anderen vier Gründer übrigens auch. So bekam er den Buchhändler-Ritterschlag, seit diesem Herbst ist er dabei.

Im aktuellen Heft – Schwerpunkt: Philosophie – werden auf einer Doppelseite mit zahlreichen Bildern die Buchhandlung und ihre Mitarbeiter vorgestellt. Und Ulrich Dombrwosky und seine Frau Daniela, bekannt als passionierte Leser und leidenschaftliche Literaturvermittler, treten als kundige Rezensenten auf. Paul Austers „Winter-Journal“ mit dem mehr als nur kosmopolitischen Bekenntnis „Du hast vor langer Zeit schon beschlossen, dich für ein Gemisch sämtlicher Rassen zu halten“ wird da empfohlen. Außerdem Thomas Glavinics „Das größere Wunder“ (mit dem Dombrowsky, der Überzeugungstäter, seit einiger Zeit selbst widerstrebende Kunden traktiert) und Klaus Modicks „Sunset“, dieses „schon etwas ‚ältere’ Buch“, in dem es um die Hassliebe von Lion Feuchtwanger und Bertolt Brecht geht.

Daniela Dombrwosky, die gewiefte Literatur-Pädagogin, die gern und oft in Schulen und mit Schülern Grundlagenarbeit leistet, empfiehlt u. a. Rose Lagercrantz’ „Mein Herz hüpft und lacht“, Lesempfehlung „Ab 7“.

Ansonsten gibt es in diesem Magazin große Essays zum Schwerpunktthema, unter anderem Daniela Strigls „(Kl)eine Philosophie des Lesens“, Dirk Hoeges’ „Philosophische Eseleien“ und „Würde als Begegnung“ von Peter Bieri. Bieri, der in einer anderen Existenz gern unter dem Tarnnamen Pascal Mercier in Nachtzügen nach Lissabon unterwegs ist, äußert sich außerdem in einem längeren Gespräch „über die Vielfalt menschlicher Würde“. Hanns Zischler, der schon mit Wim Wenders „on the road“ und mit Kafka im Kino war, präsentiert das Buch, das sein Leben verändert hat. Und es werden zwei kleine, aber sehr feine Verlage vorgestellt: Diaphanes und Dörlemann.

Und wie schon der legendäre Yogi Löw-Urahn Sepp Herberger sagte: „Nach dem Magazin ist vor dem Magazin.“ Ulrich Dombrowsky schwitzt also derzeit bereits lustvoll über dem Frühjahrsheft. Thema dann: „Männer und Frauen.“

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